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Wegen Falschaussage - Trump-Berater Roger Stone festgenommen

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Nächster Tiefschlag für Trump: Sein langjähriger Vertrauter, der Politikberater Roger Stone, ist festgenommen und angeklagt worden. Gegen Kaution kam er wieder frei.

Archiv: Roger Stone, aufgenommen am 06.12.2018 in Washington  (USA)
US-Präsident Donald Trumps ehemaliger Wahlkampfberater Roger Stone ist am Freitag festgenommen worden.
Quelle: AP

"König der schmutzigen Tricks", "Fürst der Finsternis", "Der Pate" - dies sind einige der Beinamen, die sich Roger Stone während seiner jahrzehntelangen Laufbahn als Berater konservativer US-Politiker erworben hat. Er ist ein Spezialist für die Beschädigung politischer Gegner durch Manipulationen und Intrigen. Nun ist Stone aber selbst in höchster Not. Am Freitag wurde der langjährige Vertraute von Präsident Donald Trump im Zuge der Ermittlungen zur Russland-Affäre festgenommen.

Vorwürfe: Falschaussagen und Zeugenbeeinflussung

Es war ein übles Erwachen für Stone: Noch vor Sonnenaufgang standen Beamte der US-Bundespolizei FBI vor seinem Haus in Fort Lauderdale im Bundesstaat Florida, um ihn abzuführen. Sonderermittler Robert Mueller wirft dem 66-Jährigen in seiner Anklageschrift unter anderem Falschaussagen und Zeugenbeeinflussung vor.

Stone steht im Verdacht, während des Präsidentschaftswahlkampfs als Verbindungsmann zwischen dem Trump-Team und Wikileaks fungiert zu haben. Die Plattform publizierte Zehntausende interne E-Mails der Demokratischen Partei und der Kampagne von Trumps Rivalin Hillary Clinton, die mutmaßlich von russischen Hackern gekapert worden waren. Stone brüstete sich damals öffentlich mit seinen Kontakten zu Wikileaks-Gründer Julian Assange. Er deutete auch an, vorab in den Inhalt der gehackten Mails eingeweiht worden zu sein. Zudem kommunizierte Stone mit "Guccifer 2.0" - ein Pseudonym, hinter dem sich laut Mueller russische Geheimdienstmitarbeiter verbargen.

Kooperation mit Sonderermittler verweigert

Nach der Wahl dementierte Stone dann aber jeglichen Kontakt zu Wikileaks. Die Kooperation mit Mueller verweigerte er. Angeklagt wurde er nun deshalb, weil er die Untersuchungen eines Kongressausschusses zu seinen mutmaßlichen Wikileaks-Kontakten torpediert haben soll.

Mit seiner widerborstigen Haltung folgte Stone einer seiner selbstformulierten Leitlinien für das politische Geschäft: "Gib nichts zu, leugne alles." Im Dezember verkündete er kämpferisch, dass er niemals gegen Trump aussagen werde. Dafür erntete er glühendes Lob vom Präsidenten, der Stones "Mumm" würdigte.

Ich weide mich an eurem Hass.
Roger Stone 2017

Stone hat sich an seinem Ruf als politischer Finsterling geradezu ergötzt. In einer ihm gewidmeten Netflix-Dokumentation von 2017 schleudert er seinen vielen Feinden entgegen: "Ich weide mich an eurem Hass." Auf Stones Rücken prangt ein eintätowiertes Porträt von Ex-Präsident Richard Nixon, der wegen der Watergate-Abhöraffäre abdanken musste.

Schmutzige Tricks für Republikaner

Stone hat für eine ganze Reihe republikanischer Größen gearbeitet. Als Teenager wurde er zum Wahlkampfhelfer Nixons und lancierte verdeckte Manipulationen zur Diskreditierung eines parteiinternen Rivalen. Als gerade einmal 19-Jähriger geriet Stone dadurch ins Visier der Watergate-Untersuchungen im Kongress.

Später arbeitete Stone für die Wahlkampagnen von Ronald Reagan und gründete mit mehreren Partnern eine Lobbyistenfirma. Einer dieser Partner war Paul Manafort, der spätere Wahlkampfleiter Trumps, der ebenfalls in die Fänge des Sonderermittlers geraten ist.

Auch für Diktatoren gearbeitet

Als Lobbyist arbeitete Stone für so unappetitliche Kunden wie den Diktator des damaligen Zaire, Mobuto Sese Seko, und den philippinischen Machthaber Ferdinand Marcos. Aber auch in der US-Politik mischte Stone immer wieder mit und mehrte seinen Ruf als schmutziger Trickser. So war er während des Auszählungschaos in Florida bei der Präsidentschaftswahl 2000 an einer Protestaktion beteiligt, die zum Abbruch von Nachzählungen führte - und trug so womöglich zum hochumstrittenen Sieg von George W. Bush bei.

Stones Verbindung zu Trump reicht bis Mitte der 80er Jahre zurück. Er machte damals Lobbyarbeit für das Casino-Business des Immobilienmoguls. Der Strippenzieher nimmt für sich in Anspruch, Trumps politischen Aufstieg wesentlich beeinflusst zu haben.

Starken Einfluss auf den aggressiven Politikstil des Präsidenten dürfte der Mann mit der Vorliebe für extravagante Dreiteiler auf jeden Fall gehabt haben. Seine "Stone-Regeln" haben Trump offenkundig inspiriert. Eine lautet: "Attackiere! Attackiere! Attackiere! Verteidige dich nie." Stone kann sich nun allerdings selbst nicht mehr daran halten. Die Anklageerhebung zwingt ihn, in den Verteidigungsmodus umzuschalten.

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