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Neue Runde im Handelsstreit - Trumps Auto-Zölle könnten teuer werden

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US-Präsident Trump lässt prüfen, ob sein Land Zölle auf Autos und Autoteile erheben kann. Bis zu 25 Prozent könnten sie betragen. Und sie würden die deutsche Wirtschaft treffen.

Keramik-Bremsscheibe
Keramik-Bremsscheibe Quelle: dpa

Man kann sich nicht darüber beschweren, dass der amerikanische Präsident Donald Trump sich nicht klar und deutlich ausdrücken würde. "Wir werden Mercedes Benz mit Zöllen belegen, wir werden BMW mit Zöllen belegen", sagte Trump bereits im März. Nun lässt seine Regierung prüfen, ob das Land Zölle auf Autos und Autoteile einführen kann. Das ist abhängig von der Frage, ob ausländische Autos und Autoteile eine Gefahr für die nationale Sicherheit der USA darstellen.

Institut erwartet fünf Milliarden Euro Schaden

Autos und Autoteile als Gefahr für die nationale Sicherheit? Beim Außenhandelsverband BGA herrscht ungläubiges Kopfschütteln. "Es ist mir völlig schleierhaft, wie man darauf kommt, dass die Einfuhr von Autos die nationale Sicherheit gefährden könne", lässt sich Verbandspräsident Holger Bingmann zitieren. Und er liefert auch gleich eine mögliche Erklärung mit: "Auch wenn es angesichts der immer neuen Provokationen nicht leicht fällt, sollte die EU jetzt einen kühlen Kopf behalten". Alles nur Provokation? Mag sein, dann aber eine Provokation, die teuer werden könnte.

Das hat das Ifo-Institut flugs ausgerechnet. Die US-Autozölle würden Deutschland rund fünf Milliarden Euro kosten - etwa 0,16 Prozent der jährlichen deutschen Wirtschaftsleistung. Dagegen sind die Auswirkungen der US-Importzölle auf Stahl und Aluminium eher vernachlässigbar - sie schlagen laut Ifo-Institut nur mit rund 40 Millionen Euro ins Kontor. Durch die nun angedrohten oder zu prüfenden Autozölle hätte "kein Land höhere absolute Verluste zu befürchten als Deutschland", sagt Gabriel Felbermayr, Leiter des ifo Zentrums für Außenhandel.

Ungleiche Zölle auf Autos in EU und USA

Autos, Lastwagen und Autoteile könnten mit Einfuhrzöllen von bis zu 25 Prozent belegt werden, wenn es nach dem Willen des US-Präsidenten geht. "Auf unsere großartigen amerikanischen Automobilarbeiter warten schon bald große Nachrichten", twitterte Trump. "Nachdem Eure Jobs jahrzehntelang ins Ausland gingen, habt Ihr lange genug gewartet!" Trump kann sich bei seinen Ankündigungen immerhin auf eine Tatsache stützen: Die USA erheben bislang auf viele Fahrzeuge der aus der EU nur Zölle in Höhe von 2,5 Prozent, umgekehrt sind Einfuhren amerikanischer Autos in die EU mit Zöllen von zehn Prozent belegt. Allerdings rechnet die Bundesregierung in dieser Frage etwas anders - ihrer Meinung nach liegt die bisherige Differenz nur bei rund einem Prozent.

Auto-Importzölle in den USA würden jedenfalls die deutschen Autobauer wie Daimler, BMW oder Volkswagen an einem kritischen Punkt treffen. Denn die USA sind der zweitwichtigste Absatzmarkt für deutsche Autos nach der Volksrepublik China. 2017 haben die hiesigen Konzerne rund eine halbe Million Fahrzeuge in die USA exportiert. Allerdings ist diese Tendenz sinkend, denn auch die Deutschen Hersteller produzieren den überwiegenden Teil der in Amerika verkauften Autos in dem Land selbst; davon profitieren die amerikanischen Automobilarbeiter also schon jetzt. Während die US-Produktion der deutschen Autohersteller in den vergangenen Jahren um fast 30 Prozent zugelegt hat, sind die Importe von fertigen Fahrzeugen aus Deutschland um rund 20 Prozent zurückgegangen.

Vorstoß kommt wohl nicht zufällig gerade jetzt

Wie auch immer - die neue "Provokation" aus Washington kommt wohl nicht ganz zufällig gerade jetzt. Denn in ein paar Tagen - am 1. Juni - läuft die Frist ab, in der die EU von den Schutzzöllen auf Stahl und Aluminium ausgenommen ist. Und die Handelskommissarin der EU, Cecilia Malmström, rechnet nicht mit einer weiteren Verlängerung der Ausnahme. Während die eine Kuh also noch nicht vom Eis ist, treibt Trump schon die nächste hinterher. Das wird die Beziehungen zwischen den USA und Europa wohl weiter abkühlen.

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