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Trumps "Das-gab's-noch-nie-Theater"?

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Treffen mit Kim - Trumps "Das-gab's-noch-nie-Theater"?

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Trump betritt als erster US-Präsident im Amt Nordkorea und schreibt Geschichte. Alles nur ein Wahlkampf-Schachzug nach dem faden G20-Gipfel oder doch ein echter Fortschritt?

Kommentar zum Treffen von Trump und Kim
Kommentar zum Treffen von Trump und Kim
Quelle: dpa

"Love-Shots", so nennt man Schnappschüsse, in denen Liebespaare ihre Zuneigung zur Schau stellen. Da passt es wunderbar, dass die koreanische Band Exo Donald Trump und seiner Tochter Ivanka ihr neuestes Album überreichten, das den Titel "Love Shot" trägt. "Oh, handsigniert", so notiert der Pool-Reporter Ivanka Trumps Reaktion bei der Szene am Rande des Abendessens mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon.

Offenbar sollte es genau so eine Art Liebes-Schnappschuss an der demilitarisierten Zone (DMZ) der Grenze zwischen Nord- und Südkorea werden, nachdem der US-Präsident und der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un in den vergangenen Wochen warmherzige Briefe ausgetauscht hatten.

Handshake-Einladung per Twitter

Der Besuch im Sperrgebiet war schon länger geplant, aber die Idee, Kim per Twitter aufzufordern, für einen Handschlag auch mal vorbeizuschauen, kam Donald Trump angeblich erst am Tag zuvor. Das behauptet er zwar, aber der US-Präsident hatte den Gedanken offenbar schon vor Tagen in einem Interview geäußert. Er wusste zu diesem Zeitpunkt schon, dass all die anderen Staats- und Regierungschefs beim G20-Gipfel in Osaka wegen seiner Bremspolitik mit recht erbärmlichen Ergebnissen nach Hause fahren müssten, während er ein Bild für die Geschichtsbücher erschaffen würde.

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Trump schrieb auf Twitter, dass er nach einigen sehr wichtigen Treffen mit Südkoreas Präsident Moon Jae In in dessen Land reisen werde. Dann könne er Kim an der Grenze treffen. "Nur Händeschütteln und Hallo sagen", sagte Trump.

Historische Momente für den Wahlkampf

Unsere amerikanischen Kollegen haben einen Begriff für diese Trumpschen Sponti-Einfälle: "Das gab’s noch nie"-Theater - also, historische Momente werden inszeniert, aber sie sind eigentlich eine Luftnummer, eine reine Show für Trumps Anhänger, die ihn im Wahlkampf für seine unkonventionellen Stunts feiern, die sich frühere Präsidenten nie getraut hätten.

Tatsächlich aber glaubt kaum jemand mit politischem Sachverstand, noch nicht einmal im Beraterkreis um den US-Präsidenten, dass Nordkoreas Führer Kim sein Nuklearprogramm jemals aufgeben wird. Es ist seine Lebensversicherung.

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"Das ist historisch, ein großer Tag für die Welt"

Und doch, trotz allem, hat dieser Moment etwas Magisches: Auf einmal taucht Kim Jong Un auf. Donald Trump steht auf der südkoreanischen Seite. Direkt an der Betonkante, der Demarkationslinie. Der Handschlag an dieser Stelle ist schon historisch. Dann hebt der US-Präsident den Fuß, überquert die Grenze, geht Seite an Seite mit Kim Dutzende von Metern ins Feindesland. Nun ist es an Kim. Gemeinsam schreiten sie zurück, über die Betonstufe nach Südkorea.

Und der amerikanische Präsident sagt: "Es ist eine große Ehre, über diese Linie zu treten. Das ist historisch, ein großer Tag für die Welt." Gefragt, ob er Kim Jong Un ins Weiße Haus nach Washington einladen würde, sagt Trump: "Ich lade ihn jetzt hiermit ein." Wenig später sitzen die beiden traut zusammen und Kim spricht von der Bereitschaft "der unglücklichen Vergangenheit ein Ende zu bereiten". Man kann es drehen und wenden, wie man will: Es ist ein Moment für die Geschichtsbücher.

Es ist eine große Ehre, über diese Linie zu treten.
Donald Trump, US-Präsident

Noch keine entgültige Einschätzung möglich

"Warum geben Sie Kim diesen Moment, obwohl sich doch eigentlich nichts geändert hat", hatte eine US-Journalistin während Trumps Pressekonferenz zuvor in Seoul gefragt. "Alles Fake News", tat der Präsident den Einwand ab. Es sei eine "Beleidigung, so zu tun, als hätte sich in den vergangenen zwei Jahren nichts verändert". Tatsächlich aber hat Nordkorea nicht nur sein Atomprogramm weiter vorangetrieben, sondern erst vor wenigen Wochen wieder Raketentests durchgeführt.

Dennoch - nur weil der US-Präsident nach dem Motto handelt "ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt", ist es noch viel zu früh, ein endgültiges Urteil über das Treffen in der DMZ zu fällen. Was, wenn es tatsächlich der Auftakt zu einer neuen Verhandlungsrunde ist, die am Ende irgendwann zu konkreten Ergebnissen führt, beispielsweise einer internationalen Kontrolle des nordkoreanischen Atomprogramms, ohne es wirklich aufzugeben? Die Chancen mögen noch so gering sein. Sie nicht zu verfolgen, wäre fahrlässig.

Donald Trump und Kim Jong Un schütteln sich die Hände
Donald Trump und Kim Jong Un Treffen in der entmilitarisierten Zone zwischen Nord-und Südkorea
Quelle: reuters

Trump riskiert Sicherheit der Nachbarstaaten

Aber was, wenn gar nichts herauskommt? Dann hat ein menschenverachtendes Regime einen großen Propagandaerfolg errungen. Südkorea, Japan und andere Nachbarstaaten könnten das Gefühl haben, dass Amerika ihre Sicherheit für eine politische Spielerei riskiert. Aber all das dürfte Donald Trump egal sein. Er kann seinen Anhängern sagen, er habe wenigstens etwas versucht, was noch nie ein anderer gewagt hat. Das nützt seiner Wiederwahl, schmeichelt seinem schon jetzt über alle Maßen großen Ego und wird sein Verlangen nach mehr befeuern.

Deshalb werden die Love-Shots weitergehen, meist mit den Despoten dieser Welt, denen sich der eigentliche Anführer der Freien Welt offenbar näher fühlt als all jenen, die Menschen-, Bürger- und Freiheitsrechte achten. Aber Trumps "Das gab's noch nie"-Theater birgt immer auch das Risiko, dass es irgendwann in einer Katstrophe endet.

Elmar Theveßen ist Leiter des ZDF-Studios in Washington.

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