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Trumps erster Auftritt vor den UN - Mister "America First" trifft die Welt

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Jedes Jahr nach der Sommerpause trifft sich die Welt in New York. Bei der 72. UN-Generalversammlung in diesem Jahr geht es vor allem um Nordkorea, die globale Flüchtlingskrise und den Klimawandel. Die Vereinten Nationen sind ganz Ohr, was Mister "America First" ihr zu sagen hat.

US-Präsident Trump hat seine erste Rede vor den Vereinten Nationen gehalten. Bei der Generaldebatte drohte er unter anderem Nordkorea und attackierte Iran. ZDF-Reporter Johannes Hano ordnet die Rede ein.

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"Die UN sind schwach und inkompetent. Sie sind weder ein Freund der Demokratie, noch ein Freund der Freiheit oder der USA, sondern ein Underperformer, ein Club, wo Leute zusammenkommen, quatschen und sich eine nette Zeit machen. Sehr traurig!", so Donald Trump an die Adresse der Vereinten Nationen. Gesammelte Beleidigungen der vergangenen zwölf Monate.

Bei seinem ersten Treffen mit Diplomaten gestern in New York fielen dem Präsidenten immerhin etwas freundlichere Worte ein. "Die UN haben riesiges Potential", lobte er - und verwies auf den schwarz-goldenen Trump World Tower, der direkt gegenüber des Hauptquartiers der Vereinten Nationen steht. "Damals habe ich dieses große Potential auf der anderen Straßenseite gesehen und gewusst, dass mein Bau-Projekt erfolgreich werden würde, eben weil die UN hier waren."

Entsprechend genervt gab sich der Kommentator des Online-Nachrichtenmagazins "Slate": "Dieser Mann macht selbst die Weltgemeinschaft zu einer Fußnote seiner eigenen sagenhaften Erfolgsgeschichte."

Let's make the UN great

Laut einer Umfrage des PEW Research Center aus dem vergangenen Jahr haben immerhin 64 Prozent der Amerikaner eine positive Einstellung zu den Vereinten Nationen. Anders als ihr Präsident. Der kritisierte gestern vor allem "Missmanagement und Bürokratie" bei den UN. Die Ausgaben explodierten, ohne dass Resultate zu sehen seien, die diese Investitionen rechtfertigten. Da die USA 22 Prozent des UN-Budgets zahlen, will der Präsident Gegenleistungen sehen. "Meine wichtigste Botschaft lautet: Lasst uns die UN groß machen", sagte Trump zu Reportern. "Ich denke, das schaffen wir."

Mit Spannung erwarten die Diplomaten aus 193 Ländern Trumps erste Rede vor der Generalversammlung heute. "Wobei die Erwartungen sehr niedrig sind", betont Richard Gowan, UN-Experte des European Council on Foreign Relations. "In vielen Teilen der Welt wird Präsident Trump als Unilateralist und Isolationist wahrgenommen", sagt der ehemalige US-Botschafter bei den UN, Zalmay Khalilzad. "Trump hat hier die Gelegenheit, seine Vision und seine Strategie einer globalen Führung der USA zu präsentieren. Die Welt wird ganz Ohr sein." Allerdings erwartet kaum jemand, dass aus Mister "America First" urplötzlich ein Globalist wird.

Zumal sich der Präsident bei internationalen Treffen schon öfter undiplomatisch in Szene gesetzt hat, zuletzt beim NATO-Gipfel, als er den montenegrinischen Premier zur Seite schubste, um in der ersten Reihe zu stehen, nachdem er zuvor alle NATO-Partner rüde abgekanzelt hatte.

In bester Gesellschaft

"Es gibt absolut keine Garantie, dass er nicht doch von seinem Manuskript abweicht", warnt Richard Gowan. Sollte er während seiner Rede im Weltsaal der UN aus der Rolle fallen, wäre Trump zumindest nicht der erste: Nikita Chruschtschow soll einst seinen Schuh ausgezogen und aus Protest auf sein Pult gehämmert haben. Muammar al-Gaddafi zerriss während seiner Ansprache die UN-Charta und Fidel Castro hielt mit vier Stunden 29 Minuten die längste Rede in der Geschichte der Vereinten Nationen.

Soweit wird es nicht kommen, ist sich Brett Schaefer von der konservativen Heritage Foundation sicher. "Der Präsident wird eine seriöse, disziplinierte Rede halten." Trump könne sehr wohl unterscheiden zwischen Partei-Kundgebungen und ernsthaften Verhandlungen.

Ernsthafte Verhandlungen sind bitternötig angesichts der langen Liste der globalen Probleme. Angefangen von Nordkorea über die weltweite Flüchtlingskrise und die Terrorismusbekämpfung bis hin zum Klimawandel. Außerdem steht auf dem Programm: das Atomabkommen mit dem Iran - für Trump der "schlechtester Deal aller Zeiten".

Die richtigen Leute prügeln und umarmen

"Ironischerweise braucht Trump die Vereinten Nationen derzeit dringender als jeder andere Präsident der jüngeren Geschichte", meint UN-Experte Richard Gowan. "Er hat die UN immer wieder ineffizient und anti-amerikanisch genannt, aber in der Krise mit Nordkorea ist er gezwungen, die Vereinten Nationen ernst zu nehmen. Ohne sie ist es außerordentlich schwierig, ein Zerwürfnis mit China und Russland in Sachen Nordkorea zu vermeiden."

Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, ist optimistisch, dass ihr Chef die richtigen Worte findet: Er werde die richtigen Leute prügeln, die richtigen umarmen - und Amerika werde am Ende stark dastehen, kündigt sie an.

Wenn Präsident Trump vor das Rednerpult im Weltsaal tritt, wird er übrigens vor hässlichen, "billigen Marmorfliesen" sprechen müssen. Die haben ihn schon vor fünf Jahren gestört. Damals twitterte er: "Ich werde sie durch schöne, große Marmorplatten ersetzen, wenn ich darum gebeten werde." Sein Angebot wurde abgelehnt.

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