Neu mit ZDF-Login:

Ab jetzt können Sie mit Ihrem ZDF-Login alle Videos der Mediathek beginnen und später geräteübergreifend fortsetzen.

Sie sind hier:

Trumps Handelsstrategie - Mit allen Mitteln

Datum:

US-Präsident Trump wird oft als Protektionist eingestuft. Eigentlich wünscht er sich aber die Öffnung der Märkte, erklärt Prof. Christoph Scherrer im Interview mit makro.

Der Volkswirt Christoph Scherrer sagt, die amerikanische Strategie ziele darauf ab, die multilaterale Handelsordnung durch bilaterale Abkommen zu ersetzen. So können die USA ihre Stärke ausspielen.

Beitragslänge:
8 min
Datum:

makro: In einem Arbeitspapier schreiben Sie, Donald Trump sei gar kein Protektionist, in Wirklichkeit sei er auf Öffnung aus. Das müssen Sie uns erklären!

Christoph Scherrer: Trump steht für America First, sprich die "USA zuerst". Er und seine handelspolitischen Berater glauben, dass die Androhung von Protektionismus die Handelspartner eher zur Öffnung ihrer Märkte bewegen wird.

Der Forderungskatalog, den die Handelspartner vorgelegt bekommen, enthält vornehmlich die Aufforderung, den Schutz geistigen Eigentums zu stärken, den freien Datenverkehr zu erlauben und staatliche Subventionen für Industrien zu begrenzen. Am Schutz des geistigen Eigentums ist vor allem die US-Pharmaindustrie interessiert, am freien Datenverkehr die IT-Branche und an der Begrenzung staatlicher Subventionen alle Unternehmen, die in Konkurrenz insbesondere zu chinesischen Staatskonzernen stehen. Das große Handelsdefizit der USA verleiht dabei den Forderungen Nachdruck, da die Handelspartner vom Export stärker abhängig sind als die USA.

makro: Sie sehen die großen amerikanischen Internetkonzerne als Profiteure von Trumps Handelspolitik. Dabei stehen diese Donald Trump doch in herzlicher Abneigung gegenüber. Wie passt das zusammen?

Scherrer: Trumps Maßnahmen gegen Beschäftigte aus dem Ausland gefällt diesen Internetkonzernen nicht, doch dafür wurden sie mit gewaltigen Steuergeschenken beglückt und können nun, falls die Strategie von Trump aufgeht, auf besseren Marktzugang in anderen Ländern hoffen.

makro: Im Fadenkreuz der Trumpschen Strafzölle steht China mit seinen "unfairen" Handelspraktiken. Müssen wir dem amerikanischen Präsidenten nicht heimlich dankbar sein?

Scherrer: Falls es Trump mit seinen Strafzöllen gelingt, China zu weiteren Handelsliberalisierungen zu bewegen, werden sicherlich auch deutsche Konzerne davon profitieren. Ob "wir", sprich die Beschäftigten in unserem Land, daraus Vorteile ziehen können, ist nicht automatisch gegeben. Den besseren Zugang zu China können deutsche Konzerne, die international tätig sind, auch von anderen Standorten nutzen bzw. selbst in China noch stärker investieren.

makro: Peking holt zum Gegenschlag aus - mit Strafzöllen auf US-Produkte, z.B. Autos, die nach China exportiert werden. Paradoxerweise trifft dies vor allem Daimler und BMW. Nützen derlei Maßnahmen heute überhaupt irgendwem?

Scherrer: Es gibt Anzeichen dafür, dass die chinesische Regierung bereit ist, in einigen Bereichen nachzugeben. Gleichwohl kann es aber auch gut sein, dass die beleidigende Art und Weise, wie Trump mit China umgeht, dazu führt, dass China sich auf einen Handelskrieg einlässt. Wenngleich China stärker unter einem solchen Handelskrieg zu leiden hätte, kann die chinesische Regierung die Folgen eines Handelskrieges innenpolitisch besser verkraften als die Trump-Administration.

Es ist ja nicht so, dass chinesische Handelsvertreter den USA chinesische Produkte aufdrücken, sondern es sind gerade US-amerikanische Konzerne, wie beispielsweise der Einzelhandelsriese Walmart, die aktiv in China einkaufen. Diese Konzerne mobilisieren derzeit den amerikanischen Kongress gegen die Handelspolitik von Trump. Dabei erhalten sie Unterstützung von den Bauernverbänden.

Strategisch klüger für die Interessen der US-Konzerne war sicherlich die Strategie von Obama, vorteilhafte Regeln mit den pazifischen Anrainerstaaten auszuhandeln, und diese dann China zu präsentieren. Um Zugang zu dieser großen pazifischen Freihandelszone zu erlangen, hätte China wohl auch ohne Handelskrieg Zugeständnisse gemacht. Allerdings war diese sogenannte Transpazifische Partnerschaft (TPP) im Wahlkampf von 2016 höchst unpopulär.

makro: Was glauben Sie: Wird Trump sich durchsetzen? Und ist eine multilaterale Handelsordnung, wie sie die WTO vertritt, tot?

Scherrer: Da Trump die Handelspolitik mit anderen Fragen auflädt und insbesondere die Handelspartner verunglimpft, folgen die handelspolitischen Verhandlungen nicht mehr rein wirtschaftlichen Macht- und Interessenlagen, sondern berühren auch Fragen nationalstaatlicher Identität und Souveränität. Dadurch wird der Ausgang der Verhandlungen, bzw. eines Handelskrieges, schwer voraussehbar.

Das bestehende Regelwerk der multilateralen Handelsordnung, das von der Welthandelsorganisation verwaltet wird, ist so wie bisher in Grenzen wirksam. Weitere Liberalisierungsschritte gelingen allerdings seit Jahren nicht mehr, da weder die Europäische Union, noch Japan und die USA bereit sind, auf die Forderungen des globalen Südens einzugehen. Deshalb versuchen diese drei Wirtschaftsräume, ihre Interessen in bilateralen Verhandlungen durchzusetzen. Dies ist ein Prozess, der lange vor Trump begonnen hat.

Das Interview führte Carsten Meyer.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Ansicht aller Plattformen mit den dazugehörigen Geräten

Mit Ihrem ZDF-Login können Sie alle Videos der Mediathek beginnen und später nahtlos fortsetzen.

Screenshot von Mein ZDF

Eingeloggt, finden Sie Ihre Videos zum Weiterschauen auf der Startseite und in Ihrem "Mein ZDF"-Bereich.

Screenshot vom neuen Player Interface mit dem Weiterschauen-Button

Starten Sie die Videos ganz einfach an der Stelle, an der Sie zuletzt aufgehört haben zu schauen oder starten Sie mit einem Klick noch einmal von vorne.

Screenshot von der Startseite zdf.de

Haben Sie bereits einen "Mein ZDF"-Login, dann können Sie die Funktion direkt nutzen. Wenn nicht, freuen wir uns, wenn Sie sich anmelden!

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.