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Neuer Stabschef im Weißen Haus - Kellys Mission Impossible

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John Kelly hat seine erste Woche im Weißen Haus mit einem Paukenschlag begonnen. Nach dem Rausschmiss von Kommunikationschef Scaramucci fängt jetzt die eigentliche Arbeit an. Die größte Herausforderung für den Vier-Sterne-General ist es, den Präsidenten im Zaum zu halten.

Die Seifenoper im Weißen Haus geht weiter: US-Präsident Trump hat nach der Schlammschlacht der letzten Tage seinen Stabschef Priebus gefeuert und durch Ex-General Kelly ersetzt. Zuvor war Priebus vom neuen Kommunikationsdirektor, einem millionenschweren …

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Der Stabschef im Weißen Haus kümmert sich üblicherweise darum, dass die Kommunikation zwischen Präsident und Regierungsmannschaft reibungslos funktioniert. Er ist Vertrauter des Präsidenten. Und manchmal muss er auch im Oval Office herumschwirrende Fliegen erschlagen - zumindest, wenn sein Chef Donald Trump heißt.

Stabschef mit Fliegenklatsche

Ex-Stabschef Reince Priebus wurde bis zu seinem Rausschmiss vergangene Woche nicht nur als Fliegenfänger eingesetzt, sondern regelmäßig von seinem Boss gedemütigt, berichtet die "Washington Post". Mit der Fliegenklatsche wird der Neue im Weißen Haus, Priebus’ Nachfolger Kelly, sicher nicht rumlaufen. Stattdessen hat er als erste Amtshandlung erst einmal den Kommunikationschef gefeuert - und dem unter Beschuss geratenen Justizminister Jeff Sessions den Rücken gestärkt.

John Kelly gilt als Haudegen und als harter Hund. "Er ist ein großer Amerikaner und Star meiner Regierungsmannschaft", twitterte Trump Anfang der Woche. Kelly eilt der Ruf voraus, ein knallharter Konservativer zu sein. Unter Obama diente er als Chef des US-Southern Command. Er befehligte Truppen im Irak. Einer seiner Söhne, ebenfalls Soldat, starb bei einem Bombenattentat in Afghanistan. Trump ernannte den 67-Jährigen Anfang des Jahres zum Heimatschutzminister. Jetzt soll der Vier-Sterne-General das Chaos im Weißen Haus aufräumen.

Weißes Haus als Hahnenkampf-Arena

"Eigentlich ist das eine Mission Impossible", schätzt John Podesta, der unter Präsident Bill Clinton Stabschef im Weißen Haus war. "Wenn Kelly mich um Rat gefragt hätte, hätte ich ihm gesagt: Lass es, nimm den Job nicht an!", schrieb Podesta gerade in einem Kommentar für die "Washington Post". "Das Weiße Haus gleicht derzeit einer Hahnenkampf-Arena."

Ähnlich sieht das auch Chris Whipple: "Dieses Weiße Haus ist völlig am Ende, womöglich gar nicht mehr zu retten. Die machen nichts richtig. Sie können keine Exekutivorder formulieren, kein Gesetz verabschieden, keinen Konsens herstellen." Whipple beobachtet den Politikbetrieb und seine Köpfe seit Jahren und hat gerade ein Buch über die Rolle der Stabschefs im Weißen Haus geschrieben. 17 Stabschefs der letzten Präsidenten hat er interviewt. "Ohne einen guten Chief of Staff ist der Präsident nicht handlungsfähig." Das gilt nicht nur für Donald Trump. "Aus der Geschichte lässt sich lernen: Die wichtigste Aufgabe des Stabschefs ist es, dem Präsidenten das zu sagen, was der nicht hören will."

Wenn das einer kann, dann Kelly, sagt Barry Bennett. "Donald Trump ist ein 72- jähriger Milliardär, der es nicht gewöhnt ist, ein Nein zu akzeptieren. Aber ich denke, dass es Kelly gelingt, das Beste aus ihm herauszuholen", meint Bennett, der Donald Trump im Wahlkampf beraten hat.

Kellys Hauptproblem heißt Donald Trump

Ganz so optimistisch ist Buchautor Whipple nicht. "Das allergrößte Problem im Weißen Haus ist Donald Trump selbst. Kelly muss sich im Grunde genommen mit ihm hinsetzen und sagen: Hör zu, das hier ist die rote Linie. Wenn du die überschreitest, kündige ich. Die wichtigste rote Linie ist Trumps Twitter-Account. Der Präsident darf weiterhin twittern, aber Kelly sollte die Tweets vorher sehen."

Dass sich der Präsident solchen Kontrollen unterwirft und sein Verhalten grundsätzlich ändert, ist allerdings nicht sehr wahrscheinlich. Gerade erst hat er via Twitter behauptet: "Die Fake-News-Medien und meine Feinde wollen, dass ich aufhöre zu twittern. Dabei ist das der einzige Weg für mich, die Wahrheit öffentlich zu machen."

Eine weitere wichtige Aufgabe für den neuen Stabschef: Informationen filtern, die der Präsident konsumiert. "So kann er auf Nummer sicher gehen, dass Trump keine spontanen Entscheidungen trifft, weil er um Mitternacht irgendwo irgendwelchen Schwachsinn gelesen oder gesehen hat", bringt es Buchautor Whipple auf den Punkt. In der Vergangenheit hat Trump immer wieder Informationen aus dubiosen Quellen zitiert, anstatt auf seine eigenen Experten zu setzen.

Politik der geschlossenen Türen

Familienmitglieder und Mitarbeiter hatten jederzeit Zugang zum Präsidenten. Auch das soll sich jetzt ändern. Kelly hat eine Politik der geschlossenen Türen angekündigt. Wer zum Präsidenten will, muss zuerst bei Kelly vorsprechen. Selbst Familienmitglieder, Tochter Ivanka und Schwiegersohn Jared Kushner, unterwerfen sich den neuen Regeln des Generals. Fest steht: "Der Präsident braucht den General mehr als der General den Präsidenten", so Ex-Stabschef John Podesta.

Ob Kelly am Ende Erfolg haben wird, hängt vor allen Dingen davon ab, ob der Präsident auf ihn hört. "Es ist ein bisschen wie bei Alkoholikern: Viele Präsidenten müssen erst den absoluten Tiefpunkt erreichen, bevor sie erkennen, wie nötig sie einen starken Stabschef brauchen", meint Chris Whipple.

Dass auch ein Ex-General als Stabschef keine Wunder vollbringen kann, zeigt das Schicksal des ersten Militärs, der als Stabschef einen Präsidenten retten sollte. Alexander Haigs kurze Amtszeit endete nach dem Rücktritt von Präsident Nixon im Watergate-Skandal.

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