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100 Millionen für Tschadsee-Region - Maas: "Eines der größten Dramen unserer Zeit"

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Der deutsche Außenminister Heiko Maas nennt die Krise am Tschadsee ein "humanitäres Drama". Auch um eine Fluchtwelle abzuwenden, sagt er weitere humanitäre Hilfe zu.

Flüchtlingscamp im Tschad (Archivbild vom 11.03.2015)
Flüchtlingscamp im Tschad: 2,4 Millionen Menschen mussten ihre Heimat verlassen, die Hälfte davon Kinder. (Archivbild)
Quelle: ap

Bis 2020 werde Deutschland weitere 100 Millionen Euro für humanitäre Hilfe und zusätzlich 40 Millionen Euro bis 2019 für die Stabilisierung der Region geben, sagte der Außenminister zur Eröffnung einer internationalen Geberkonferenz, die in Berlin stattfindet. Zudem würden aktuell etwa 220 Millionen Euro in entwicklungspolitischen Programmen umgesetzt. In diesem Bereich seien auch neue Vorhaben geplant.

Deutschland hatte bereits Anfang 2017 bei einer Geberkonferenz für die Tschadsee-Region 100 Millionen Euro für humanitäre Hilfe zugesagt. Dieses Geld sei bereits vollständig in Projekte geflossen, versicherte Maas (SPD).

Karte vom Tschad mit dem Tschadsee und angrenzend Niger, Nigeria und Kamerun
Tschadsee-Region mit den Staaten Niger, Nigeria, Kamerun und Tschad
Quelle: ZDF

In dem Gebiet in Afrika, das sich zwischen den Ländern Nigeria, Kamerun, Niger und Tschad befindet, spiele sich "eines der größten humanitären Dramen unserer Zeit" ab, sagte Maas den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

2,4 Millionen Menschen vertrieben

Maas wies darauf hin, die Tschadsee-Region sei "zum Tummelplatz für Terror-Gruppen wie Boko Haram und IS geworden, die auch für unsere Sicherheit in Europa eine Bedrohung sind". Angesichts dessen könne man es sich "nicht erlauben, wegzuschauen, wenn die Nachbarn unserer Nachbarn destabilisiert werden".

Der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides, nannte die dortige Flüchtlingskrise in den Zeitungen ebenfalls eine "der schwersten auf dem afrikanischen Kontinent". Er sei "sehr besorgt über die humanitäre Lage in der Region des Tschadsees". Mehr als 2,4 Millionen Menschen sind nach Angaben der EU-Kommission in der Region aufgrund von Terrorismus, Armut und Klimawandel vertrieben, die Hälfte davon Kinder.

Laut einem bisher unveröffentlichten Bericht der Kinderhilfsorganisation Plan International gab in der Region am
Tschadsee jedes fünfte befragte Mädchen zwischen zehn und 19 Jahren an, im vergangenen Monat geschlagen worden zu sein. Nahezu alle jungen Frauen berichten demnach, keinerlei Einfluss auf ihr Leben zu haben.

Mädchen sind besonders schlimm dran

Hinzu komme die Angst, keinen Zugang zu Bildung an Schulen zu bekommen. Viele Mädchen würden die Schule abbrechen, weil sie "verheiratet, schwanger oder vergewaltigt werden". Dies berichtet demnach ein 18 Jahre altes Mädchen aus Kamerun in dem Report "Heranwachsende Mädchen in der Krise: Stimmen aus der Tschadsee-Region". Die Kinderhilfsorganisation hat für den Bericht mehrere Hundert junge Mädchen in Nigeria, Niger und Kamerun befragt.

Auch das weltweite Caritas-Netzwerk forderte einen besseren Schutz der Zivilbevölkerung vor Gewalttaten rund um den afrikanischen Tschadsee. "Auch neun Jahre nach dem Ausbruch des Konflikts in der Region sind die Menschen weiterhin massiver sexueller Gewalt, Zwangsrekrutierungen und Ermordungen durch bewaffnete Gruppen ausgesetzt", erklärte Oliver Müller, der Leiter von Caritas international.

Ein weiteres großes Problem sei der Zugang zu humanitärer Hilfe. Viele Menschen seien durch den Konflikt abgeschnitten von lebenswichtiger Unterstützung, sagte Müller stellvertretend für die Unterzeichner eines gemeinsames Positionspapiers, darunter die Dachorganisation Caritas Internationalis in Rom und Caritas-Verbände in Nigeria, Tschad und Nordkamerun.

Alle müssten sich anstrengen

Die internationale Gemeinschaft müsse ihre Anstrengungen für eine bessere Sicherheitslage in der Region erhöhen, forderte Müller. Dazu gehöre auch, darauf hinzuwirken, dass Vertriebene nicht dazu gezwungen würden, in ihre Heimatdörfer zurückzukehren, wenn sie dort weiterhin Gewalttaten befürchten müssten. Eine große Herausforderung in der Region sei auch die Frage nach einer gerechten Landverteilung.

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