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Eskalation in Nord-Syrien - Hilfe für Kurden: Türkei droht Damaskus

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Seit Wochen wehrt sich die Kurdenmiliz YPG in Syrien gegen die türkische Offensive. Jetzt hofft sie auf die Hilfe des Assad-Regimes - wovor die Türkei mit scharfen Worten warnt.

Hunderttausende Menschen sind in Afrin von türkischen Truppen nahezu eingeschlossen. Syriens Kurden und die Regierung in Damaskus verhandeln über die Entsendung regierungstreuer Kräfte in die Region.

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Die Türkei hat eine mögliche militärische Zusammenarbeit zwischen der syrischen Kurdenmiliz YPG und der Regierung in Damaskus scharf kritisiert. Sollte es dazu kommen, müsse die Führung von Staatschef Baschar al-Assad die Konsequenzen tragen, zitiert der Sender CNN Türk den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Außenminister Mevlüt Cavusoglu drohte, türkische Soldaten würden auch gegen syrische Truppen vorgehen. "Niemand kann uns stoppen, die Türkei stoppen oder die türkischen Soldaten", sagte er.

"Volkskräfte" statt Regierungseinheiten

Hintergrund: Die YPG und Syriens Regierung verhandeln unter Vermittlung Russlands über eine Zusammenarbeit gegen die türkischen Streitkräfte im Norden des Landes. Syrische Staatsmedien hatten berichtet, regierungstreue syrische Kräfte sollten in den kommenden Tagen in der Region Afrin Stellung beziehen. Sie sollen demnach lokale Einheiten dabei unterstützen, eine türkische Aggression abzuwehren und die Pläne Erdogans zu durchkreuzen, das Gebiet zu okkupieren.

Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte einen ranghohen Kurden-Vertreter mit den Worten, die syrische Armee werde Grenzposten in der Region stationieren. Tatsächlich kamen am Montag einige Hundert Mann in Afrin an - allerdings keine Regierungstruppen, sondern sogenannte Volkskräfte. "Wir sind nur Volkseinheiten, es kamen keine Regierungseinheiten mit uns", sagte einer der Unterstützer dem ZDF.

Die Türkei sitzt zwischen allen Stühlen, berichtet ZDF-Korrespondent Jörg Brase aus Istanbul.

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Unterschiedliche Ziele: Assad und die Kurden

Die Türkei war im Januar in das Nachbarland einmarschiert. Die Truppen versuchen, die YPG aus Afrin zu vertreiben und eine Sicherheitszone an der Grenze zu schaffen. Die Kurdenmiliz hat sich dort im Laufe des syrischen Bürgerkriegs als Vormacht etabliert. Die Regierung in Ankara betrachtet die YPG als terroristische Organisation mit Verbindungen zur Kurdischen Arbeiterpartei PKK, die für eine Autonomie der Kurden in der Türkei kämpft.

Türkische Truppen in der Nähe von Afrin
Türkische Truppen in der Nähe von Afrin (Ende Januar 2018)
Quelle: ap

Die YPG hatte sich mit der Bitte um Militärhilfe an die Assad-Regierung gewandt - beide eint der Widerstand gegen die Türkei. Tatsächlich ist das Verhältnis beider Seiten zwiespältig: Im Bürgerkrieg haben Regierung und Kurden zwar direkte militärische Zusammenstöße weitgehend vermieden und zeitweise gemeinsam gegen Extremistengruppen gekämpft. Unterschiedliche Vorstellungen haben sie allerdings über die Zukunft Syriens. Assad will das gesamte Land wieder unter seine Kontrolle bringen. Die Kurden beherrschen inzwischen aber große Gebiete im Norden des Landes und wollen diese nicht aufgeben. Syrische Regierungskräfte sind seit 2012 nicht mehr in Afrin präsent. Ein Abkommen zwischen YPG und regierungstreuen Kräften könnte ein erster Schritt für Assad sein, wieder die Kontrolle über die Nordgrenze zu übernehmen.

USA und Russland mischen auch noch mit

Noch komplizierter macht den kaum noch durchschaubaren Konflikt, dass die YPG auch von Washington unterstützt wird. Die USA rüsten die Miliz für den Kampf gegen die IS-Terroristen aus. Bei der YPG und den mit ihr verbündeten Einheiten sind auch US-Soldaten und -Berater tätig. Damit könnte es in Nordsyrien zu einer direkten Konfrontation zwischen den NATO-Partnern Türkei und USA kommen.

Und noch ein weiterer Akteur ist im Spiel: Russland, der Verbündete des Assad-Regimes. Moskau hatte die türkische Offensive im Norden Syriens zunächst geduldet, nachdem die kurdische Regionalverwaltung es abgelehnt hatte, die Kontrolle über die Region an Damaskus zu übergeben.

Erdogan telefoniert mit Putin

Erdogan und Russlands Präsident Wladimir Putin telefonierten am Montag miteinander. Erdogan habe in dem Gespräch gesagt, wenn es zu der Vereinbarung zwischen Assad und der YPG komme, müsse die syrische Regierung die Folgen tragen, berichtete CNN Türk. Die türkische Offensive werde wie geplant weitergehen. Erdogan und Putin vereinbarten, sich im Kampf gegen den Terrorismus abzustimmen. Mit einer Zusammenarbeit von syrischer Regierung und Kurden in Afrin stünden die Türkei und Russland in der Region allerdings auf entgegengesetzten Seiten.

Unterdessen gingen die Kämpfe in Afrin weiter. Türkische Truppen hätten Dörfer in der Enklave mit Artillerie beschossen, meldeten syrische Staatsmedien und die in Großbritannien beheimatete Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die türkische Armee teilte mit, Luftschläge und Bodenoffensive gingen weiter.

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