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Putin bei Erdogan - Startschuss für erstes türkisches AKW

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Angesichts der Spannungen mit dem Westen rücken Moskau und Ankara demonstrativ zusammen. Mit Erdogan gab Putin in Ankara das Startsignal zum Bau des ersten türkischen AKW.

Treffen von Putin und Erdogan in Ankara
Treffen von Putin und Erdogan in Ankara Quelle: reuters

Es ist der Auftakt zu einem zweitägigen Gipfeltreffen, bei dem es um Handel, Energiepolitik und um Syrien gehen soll. Auf der Bühne vor dem Präsidentenpalast betont der Gastgeber die Freundschaft zu Russlands Präsident. "Historisch" nennt Erdogan das Treffen gar, vor allem in Hinblick auf die energiepolitische Wende, die sein Land vollzieht. Dazu gehört auch der Bau der Gaspipeline TurkStream, durch die russisches Gas in die Türkei befördert werden soll.

Austausch von Wissenschaftlern, Kooperation in der Ausbildung, das lobt Wladimir Putin, dessen Land am Bau des ersten türkischen Kernkraftwerks mitwirkt. 2023 soll Akkuyu fertig sein, dann will - so Erdogan in Ankara - die Türkei zu den zehn wichtigsten Wirtschaftsnationen der Welt gehören.

Schulterschluss mit Moskau

Es scheint, als setzte Erdogan angesichts wachsender Spannungen mit seinen westlichen Partnern - mit Europäern, USA - immer mehr auf Russland und das autoritäre Regime in Moskau. Seitdem sich der Ton gegenüber Brüssel, Frankreich und zuletzt Israel verschärft, sucht der türkische Präsident geradezu den Schulterschluss mit Moskau. Kaum fassbar, dass die beiden Länder, die sich noch vor zwei Jahren als feindliche Lager unversöhnlich gegenüber standen, nun ihre Beziehungen ausbauen wollen. Damals hatte das türkische Militär in Syrien einen russischen Kampfjet abgeschossen, Putin drohte mit Vergeltung, Demonstranten belagerten die türkische Botschaft in Moskau, der Tourismus wurde auf Eis gelegt. Vorbei, nun scheinen alle Differenzen auf Eis gelegt, aus den türkisch-russischen Beziehungen ein enges Männer-Bündnis geworden ist, aus dem beide Partner sehr unterschiedlichen Nutzen ziehen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sucht in Russland einen starken Partner an seiner Seite, und der Kreml betont angesichts des Treffens in Ankara die blühenden Handelsbeziehungen und gute regionale Zusammenarbeit mit der Türkei.

Doch nicht nur engiepolitisch rückt Erdogan sein Land immer näher an Russland. Trotz unterschiedlicher Interessen wollen Türken und Russen ihr Vorgehen in Syrien weiter und besser koordinieren.

NATO-Mitglied Türkei – ein nützlicher Freund für Putin

Dazu soll auch der Dreiergipfel mit Irans Präsident Rouhani dienen, der am Mittwoch in Ankara stattfindet. Als Garantiemächte versuchen die drei Staaten bereits seit vergangenem Jahr gemeinsame Politik in Syrien zu machen, doch ganz einfach ist das nicht. Während Russland der wichtigste militärische Verbündete des syrischen Machthabers Assad ist, geht die Türkei in offene Konfrontation: Mit der Offensive des türkischen Militärs in Afrin hat Ankara die Kontrolle über eine wichtige Provinz im Norden Syriens übernommen und ist damit viel weiter als ursprünglich zur Kriegspartei geworden. Liegt das im Interesse Putins? Es gibt Experten, die vermuten, dass Russland Gründe dafür hat. Möglicherweise könnten die in Not geratenen Kurden sich jetzt an Assad wenden - was die Rolle des syrischen Machthabers weiter stärken würde.

Klar ist: Russland wertet in Syrien seine internationale Rolle immer weiter auf, während die Türkei handfeste Sicherheitsinteressen im syrisch-türkischen Grenzgebiet hat. Erdogan will die kurdische YPG dauerhaft aus Afrin vertreiben, in seinen Augen ist die YPG eine mit der kurdischen PKK verbündete Terrormiliz, die sein Land bedroht.

Viel mehr als in Syrien braucht Wladimir Putin seinen türkischen Amtskollegen als Bündnispartner gegen den Westen. Vor allem in dem wachsenden Konflikt mit Europa, aber auch gegenüber den USA ist das NATO-Mitglied Türkei für den russischen Präsidenten ein nützlicher Freund. Auch das hat man in der Türkei verstanden.

Erdogan orientiert sich an Putin

"Alles, was Russland tut, muss man immer im Lichte der globalen Lage sehen, im Lichte des Wettkampfes zwischen USA und Russland. Die Syrien-Politik Russlands ist vor dem Hintergrund dieses Wettlaufs zu sehen", sagt der türkische Experte für Außenpolitik, Ahmet Kasim Han.

Und Recep Tayyip Erdogan? Der türkische Präsident scheint sich auch persönlich in Zukunft weiter an dem autoritär regierenden russischen Präsidenten und dessen politischen Stil zu orientieren. Vor allem seit dem Putschversuch im Jahr 2016 sieht Erdogan in Europa mehr einen unliebsamen Kritiker als einen Partner. Das türkisch-russische Männerbündnis dürfte heute an Stabilität gewinnen.

Resultate in der Syrien-Frage erwarten türkische Experten kaum. "Iran ist ein zurückhaltender Beobachter, der auch immer einmal wieder Einspruch einleget. Und die Russen? Ja, die Russen sind der Chef in Syrien. Wer etwas machen kann, wo die Grenzen dafür liegen, das entscheiden die Russen, auch für die Türkei", sagt Experte Han.

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