Sie sind hier:

Hintergrund - Die amerikanisch-türkischen Streitpunkte

Datum:

Ein türkisches Gericht hat die Freilassung des US-Pastors Brunson angeordnet, dessen Inhaftierung das Verhältnis der Türkei zu den USA belastet hat. Viele Streitpunkte bleiben.

US-Präsident Trump (l) und der türkische Staatschef Erdogan.
US-Präsident Trump (l) und der türkische Staatschef Erdogan. Quelle: Pablo Martinez Monsivais/AP/dpa

US-Präsident Donald Trump setzte sich wiederholt für den evangelikalen Geistlichen ein, der seit Oktober 2016 unter vagen Terrorvorwürfen in U-Haft saß. Im August eskalierte der Streit, was die türkische Lira auf Talfahrt schickte. Doch auch nach Brunsons Freilassung bleiben viele Streitpunkte zwischen den Nato-Partnern.

Viele Streitpunkte bleiben

  • Seit dem gescheiterten Militärputsch von Juli 2016 verlangt die Türkei die Auslieferung des im US-Exil lebenden islamischen Predigers Gülen, den sie für den Umsturzversuch verantwortlich macht. Zur Empörung Ankaras haben die US-Behörden bisher keine rechtlichen Schritte gegen den umstrittenen Prediger unternommen, der seit 1999 in Pennsylvania lebt. Nach US-Angaben hat die Türkei keine gerichtsfesten Beweise für die Schuld Gülens vorgelegt.
  • Das Verhältnis wird auch durch die Inhaftierung des türkischen Bankers Mehmet Hakan Atilla in den USA belastet. Der Vizechef der halbstaatlichen Halkbank war im Mai von einem New Yorker Gericht wegen Verstößen gegen die Iran-Sanktionen der USA zu 32 Monaten Haft verurteilt worden. Der Halkbank droht zudem wegen ihrer Rolle in den umstrittenen Iran-Geschäften des Geschäftsmanns Reza Zarrab eine saftige Geldstrafe.
  • Neben dem Brunson-Prozess sorgt auch die Verfolgung mehrerer weiterer US-Bürger in der Türkei für Streit, darunter der Nasa-Wissenschaftler Serkan Gölge und mehrere Ortskräfte der US-Botschaft. Nach der Festnahme eines türkischen Mitarbeiters des Istanbuler US-Konsulats im Oktober setzten die USA die Visa-Vergabe aus, woraufhin die Türkei es ihnen gleichtat. Erst Ende Dezember konnte der Streit beigelegt werden.
  • Die Türkei ist ihrerseits verärgert über die Unterstützung der USA für die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Nordsyrien, die Ankara wegen ihrer engen Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Bedrohung ansieht. Trotz des Drängens der Türkei halten die USA an der Militärhilfe für die YPG fest, die sie als schlagkräftigen Partner im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) schätzen.
  • Die USA sind alarmiert über Pläne der Türkei zum Kauf von russischen Flugabwehrraketen vom Typ S400. Washington fürchtet eine Hinwendung ihres Nato-Partners zu Moskau. Es besteht konkret die Sorge, dass das russische Militär damit wichtige Informationen zu Nato-Flugbewegungen erhält. Ankara begründete die Entscheidung für die russischen Waffen damit, dass die USA ihr keine Patriot-Raketen verkaufen wollten.
  • Wegen des Brunson-Prozesses und des Streits um die S400-Raketen setzte der US-Kongress im August die Lieferung von F35-Kampfflugzeugen an die Türkei aus. Ankara ist empört über die Entscheidung, da die Türkei seit Jahrzehnten an dem Programm zur Entwicklung des Kampfjets beteiligt ist
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.