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Berlin und Moskau besorgt - Türkische Armee greift Kurden massiv an

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Mit Luftangriffen und Bodentruppen geht die Türkei gegen kurdische YPG-Milizen auf syrischem Boden vor. Präsident Erdogan verspricht ein schnelles Ende und warnt die Kurden.

Rauch steigt am 21. Januar 2018 über kurdischen Stellungen nach türkischen Angriffen auf
Rauch steigt auf über kurdischen Stellungen nach türkischen Angriffen. Quelle: ap

Im Zuge von Ankaras Armeeoffensive auf die Kurden-Enklave Afrin im Nordwesten Syriens sind am Sonntag türkische Bodentruppen in der Region vorgerückt. Zugleich gingen die türkischen Luft- und Artillerieangriffe laut Ministerpräsident Binail Yildrim weiter - damit hatte die Türkei schon am Samstag ihre Offensive gegen die Kämpfer der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG).

Während die türkische Seite meldete, türkische Truppen seien im Zuge der "Operation Ölzweig" in Afin bereits einmarschiert, dementierten syrische Oppositionelle diese Information. Es habe allerdings heftige Kämpfe zwischen der kurdisch geführten Allianz der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) und türkischen Truppen nahe der Grenze gegeben, berichtete die Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag. Während die kurdischen YPG-Milizen in Syrien von den USA unterstützt werden, wird der PKK-Ableger in der Türkei als Terrororganisation eingestuft.

"Sie werden fliehen, wir werden sie verjagen"

Bei den Angriffen wurden am Samstag nach Informationen der Nachrichtenagentur Firat sechs Zivilisten und drei kurdische Kämpfer getötet. Die türkische Agentur Anadolu meldete Tote und Verletzte, die alle der YPG-Milizen angehörten. Beide Seiten berichteten übereinstimmend, es seien mehr als 100 Ziele aus der Luft angegriffen worden. Von den Kämpfen am Sonntag gibt es noch keine Angaben über Opfer.

Die türkische Armee greift die YPG-Milizen in den syrischen Kurdengebieten an. Diese sind mit den USA verbündet, gehören aber laut Türkei zur Terrororganisation PKK.

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"Wir werden, so Gott will, diese Operation in kurzer Zeit beenden", sagte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan am Sonntag im westtürkischen Bursa. "Sie werden fliehen, und wir werden sie alle zusammen verjagen", versprache er mit Blick auf die kurdischen Milizen der YPG. Man werde die PKK und die YPG in der Türkei "erledigen".

Erdogan: nationaler Kampf

Die Kurden im eigenen Land warnte Erdogan vor Protesten gegen die Militäreinsätze in Syrien. Wer solchen Aufrufen Folge leiste, werde einen hohen Preis bezahlen, sagte er auch in Bursa. "Dies ist ein nationaler Kampf. Wir werden jeden niederschlagen, der sich unserem nationalen Kampf widersetzt."

Karte von Syrien und der Türkei mit den Städten Afrin und Manbidsch
Die umkämpften Städte Afrin und Manbidsch Quelle: ZDF

Den Verbündeten der Türkei warf Erdogan vor, die YPG mit 2.000 Flugzeugladungen und 5.000 Lkw-Ladungen an Waffen versorgt zu haben. Dies war an die Adresse der USA gerichtet, die mit der YPG im Kampf gegen die Islamisten-Miliz IS verbündet sind.

"Wir beobachten sehr genau"

"Wir beobachten die Entwicklung dieser Situation sehr genau", teilte das russische Außenministerium in Moskau mit. Man fordere alle Seiten zur Zurückhaltung auf. Auch aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es: "Wir rufen alle Beteiligten auf, jetzt besonnen zu handeln und keine neue Gewalt aufkommen zu lassen." Die aufgeheizte Rhetorik und auch der Beschuss über die Grenze, der allerdings nicht neu sei, seien nicht ermutigend. Die Vereinigten Staaten hatten vor einer Militäroffensive gewarnt und die Türkei aufgerufen, "keinerlei Maßnahmen dieser Art zu ergreifen".

Die YPG, die das Militärbündnis der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) anführen, sind der syrische Ableger der kurdischen Arbeiterpartei PKK, die in der Türkei als Terrororganisation gilt und verboten ist. Die USA haben die YPG-Milizen im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) mit Waffen ausgerüstet, was Ankara empört. Ankara fühlt sich von einer starken kurdischen Präsenz an seiner Grenze bedroht. Die PKK ist in der Türkei, der EU und in den USA als Terrororganisation eingestuft.

Russland zieht Truppen ab

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan sagte, nach der Afrin-Offensive solle ein Angriff auf die Region um die Stadt Manbidsch folgen. Diese wird ebenfalls von einem Bündnis unter Führung der kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG kontrolliert.

Es war erst einmal unklar, ob türkische Truppen die Grenze nach Syrien überschritten hatten. Russland zog seine Truppen aus der Region um die Stadt Afrin ab. Man habe sich zu dem Schritt entschlossen, um die Sicherheit der russischen Soldaten zu gewährleisten, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau der Agentur Tass zufolge mit.

Özdemir mit offener Kritik an Gabriel

Der scheidende Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir hinterfragte die deutsche Haltung zur türkischen Regierung, nachdem Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) in seiner Heimatstadt Goslar seinen türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu empfangen hatte. Während das Regime in Ankara den "ISIS-Barbaren Unterschlupf gewährte, haben Kurden für den Westen gekämpft. Jetzt lässt sie Erdogan bombardieren. Gibts in Goslar bald wieder eine Teezeremonie für Cavusoglu?", schrieb Özdemir auf Twitter.

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Bereits 2016 marschierte die Türkei an der Seite von pro-türkischen Rebellen in den Norden Syriens ein. Damals war das Ziel offiziell die Vertreibung von Dschihadisten der Terrormiliz Islamischer Staat von der eigenen Grenze. Die Aktion traf jedoch auch kurdische Einheiten.

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