Sie sind hier:

Konflikt um Afrin - Türken und Kurden: Kampf um jeden Meter

Datum:

Die Türken rücken vor. Die Kurden schlagen zurück. Erbittert kämpfen beide Seiten bei Afrin um jeden Meter. Mittendrin: Tausende Zivilisten. Die Sorge vor einem Massaker wächst.

Kämpfer der Freien Syrischen Armee (FSA) im Nordosten von Afrin. Die FSA wird von der Türkei unterstützt.
Kämpfer der Freien Syrischen Armee (FSA) im Nordosten von Afrin. Die FSA wird von der Türkei unterstützt.

Bei der türkischen Offensive auf die kurdische Enklave Afrin im Norden Syriens zeichnen sich langwierige Gefechte ab. Die vorrückenden türkischen Truppen und verbündete Rebellen stießen auch am Dienstag wieder auf erbitterte Gegenwehr der Kurden-Miliz YPG, die nach eigenen Angaben ein Dorf und einen Hügel im Osten des Gebiets zurückeroberte. Hunderttausende Zivilisten saßen in der Enklave fest.

Afrin ist von drei Seiten von den türkischen Truppen umzingelt, nur aus dem Süden, der unter Kontrolle der syrischen Regierung steht, gelangen noch Menschen in die Region. Von unabhängiger Seite ist der Verlauf der Kämpfe deshalb kaum zu überprüfen. Auch Hilfsorganisationen haben keinen Zugang zu den 323.000 Menschen, die sich nach Schätzungen der Vereinten Nationen in den Kurdengebieten in und um Afrin aufhalten. Es gibt sogar Schätzungen, wonach in Afrin bis zu 800.000 Menschen leben, die vielfach schon aus anderen Teilen Syriens geflohen waren.

Sie waren nützliche Helfer im Kampf gegen den IS: Die kurdische Miliz in Syrien. Nun fürchtet die Türkei einen kurdischen Staat an der südlichen Grenze und bekämpft die Kurden in Syrien militärisch.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

NATO-Partner ermahnen Türkei

Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian und US-Verteidigungsminister James Mattis riefen die Türkei zur Mäßigung auf. Nach dem Sieg über die Terrormiliz Islamischer Staat könnte dort ein neuer Konfliktherd explodieren, sagte Le Drian am Dienstag. Auch Mattis sagte, die Offensive versetze eine relativ stabile Gegend Syriens in Chaos und lenke vom Kampf gegen den IS ab.

Karte von Syrien und der Türkei mit den Städten Afrin und Manbidsch
Die Kurden-Hochburgen Afrin und Manbidsch liegen nahe der türkisch-syrischen Grenze. Quelle: ZDF

Vor allem das Verhältnis zischen den NATO-Partnern USA und Türkei wird vom Vorstoß auf Afrin belastet. Denn die YPG ist eine der wichtigsten Stützen der USA im Kampf gegen den IS und von Washington mit Waffen ausgerüstet worden. Die Türkei betrachtet die YPG dagegen als Terrororganisation. Am Mittwoch wollen die Präsidenten der beiden Länder, Recep Tayyip Erdogan und Donald Trump, telefonisch über die Lage beraten.

Zivilisten in Afrin eingeschlossen

Die Türkei will eine 30 Kilometer breite Sicherheitszone in Afrin schaffen, Erdogan hat aber bereits Angriffe auf andere Kurden-Hochburgen in Syrien wie Manbidsch angekündigt. Am Dienstag habe das türkische Militär bereits Kamischli und andere Grenzorte beschossen, sagte ein YPG-Sprecher. Das sei eine Ablenkung von der eigentlichen Hauptoffensive auf Afrin fast 500 Kilometer weiter westlich.

Bei den Gefechten um Afrin sind nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle seit Samstag 27 Zivilisten, 38 kurdische Kämpfer und 43 mit der Türkei verbündete Rebellen getötet worden. Die meisten Zivilisten kamen demnach durch türkische Luftangriffe ums Leben. Die türkische Armee berichtete am Abend von mindestens 260 "Angehörigen von Terrororganisationen", die getötet worden seien. Der türkische Außenministers Mevlüt Cavusoglu bestätigte am Dienstag zudem den Tod eines zweiten türkischer Soldaten.

Nach Einschätzung der UN versuchten rund 5.000 Menschen vor den Gefechten zu fliehen, konnten aber die Enklave nicht verlassen, die von beiden Kampfparteien abgeriegelt wird. Viele würden in Kellern oder Höhlen Zuflucht suchen, sagte ein Kurdensprecher aus Afrin.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.