Sie sind hier:

ZDF-Interview - Türkischer Botschafter verteidigt Militäroperationen

Datum:

Der türkische Botschafter in Deutschland, Ali Kemal Aydın, hat im ZDF die Offensive in Nordsyrien verteidigt - und ließ keinen Zweifel an der Entschlossenheit seines Landes.

Der türkische Staatschef Erdogan verbietet sich Kritik an der türkischen Offensive in Nordsyrien. Er droht damit, die Türen für Millionen Flüchtlinge zu öffnen. Fragen dazu an den türkischen Botschafter in Deutschland, Ali Kemal Aydin.

Beitragslänge:
5 min
Datum:

ZDF: Herr Botschafter, Deutschland und die Türkei sind derzeit sehr unterschiedlicher Ansicht über das, was die Türkei gerade in Nordsyrien macht. Präsident Erdogan hat schon angekündigt, dass wenn Europa die Militäroperation der Türkei als Invasion bezeichnet, er 3,6 Millionen syrischer Flüchtlinge Richtung Europa schicken  wird. Wie ernst meint er das?

Ali Kemal Aydın: Zuerst ist das keine Drohung, sondern eine Warnung. Er ist sehr enttäuscht und er hat nur seine Enttäuschung zur Haltung der EU zum Ausdruck gebracht.

ZDF: Das bedeutet aber, dass Präsident Erdogan bereit ist einen bestehenden Vertrag aufzukündigen, der nichts mit dem Nordsyrien-Einsatz zu tun hat, wenn Europa anderer Ansicht ist als er.

Aydın: Wir erfüllen unsere Verpflichtungen aus dem Abkommen, aber leider ist die EU-Seite bisher nicht allen ihren Verpflichtungen nachgekommen.

ZDF: Das Flüchtlingsabkommen ist die eine Sache, der Einsatz in Nordsyrien ist die andere Sache. Ist die Türkei wirklich bereit Flüchtlinge nach Europa weiterzuschicken, wenn Europa den Militäreinsatz der Türkei in Syrien kritisiert?

Aydın: Sie wissen schon, dass wir seit mehr als acht Jahren Millionen von Flüchtlingen aus Syrien in der Türkei beherbergen.

Wir wollen eine Sicherheitszone entlang unserer Grenze einrichten, wir wollen, dass die syrischen Flüchtlinge in das Land ihrer Vorfahren zurückkehren können. Dafür haben wir diese 'Operation Friedensquelle' eingeleitet. Und die Operation setzt sich wie geplant und sehr erfolgreich fort.

ZDF: Aber das bedeutet, dass Sie mit Waffengewalt eine Zone schaffen, in die sie Flüchtlinge schicken, die Sie nicht mehr in der Türkei haben wollen.

Aydın: Es gibt eine Bedrohung aus diesem Gebiet. Die YPG Terrorgruppe hat seit ein paar Jahren dieses Gebiet unter ihrer Kontrolle und sie wollten eine de facto Terrorstadt an der Grenze errichten. Das konnten wir nicht so lassen.

ZDF: Sie berufen sich da auf ein Selbstverteidigungsrecht. Das sehen Ihre europäischen und Nato-Verbündeten ein wenig anders. Die sagen, die YPG ist durchaus hilfreich gewesen, um den IS zum Beispiel in Schach zu halten in Syrien. Also da haben Sie unterschiedliche Sichten auf die kurdischen Kräfte in Nordsyrien. Wann ist denn die Türkei von der YPG tatsächlich konkret angegriffen worden?

Aydın: Von diesem Gebiet aus sind bei uns über 300 Anschläge ausgeübt worden.

ZDF: Ausgeübt von der YPG?

Aydın: Ja, richtig. Und YPG ist der syrische Ableger der PKK. Das ist eine Organisation, die auch in Deutschland verboten ist.

ZDF: Warum ist das bisher nie bekannt geworden? Weil Ihre Nato-Verbündeten sagen, es gab bisher keine Angriffe.

Aydın: Wir haben mehrmals unsere Verbündeten darüber informiert und immer noch verüben sie Anschläge aus diesem Gebiet. Bisher sind 17 Zivilisten getötet und fast 150 Zivilisten auf der türkischen Seite der Grenze verletzt worden.

ZDF: Aktuell gibt es auch Kritik an den syrischen Verbündeten, die mit der Türkei zusammen in Nordsyrien kämpfen. Auch die sollen Übergriffe auf Zivilisten begehen, es gibt Berichte von Hinrichtungen an Kurden. Haben Sie Ihre Verbündeten da nicht im Griff?

Aydın: Das kann ich nicht bestätigen, das sind nur Behauptungen. Wir haben keinerlei solche Informationen.

Das Interview führte Shakuntala Banerjee für "Berlin direkt".

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.