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Kampf gegen den Terror - Tunesien: Grenzsicherung mit deutscher Hilfe

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Tunesien gilt als eine Hürde zwischen dem Terrorismus und Europa. Der dortige Grenzschutz ist also auch ein Schutz europäischer Grenzen. Darum beteiligt sich Deutschland mit Ausbildern und Ausrüstung an dem Einsatz. Ob das bei fast 1.000 Kilometern Grenze zu Algerien genügt, bleibt fraglich.

Deutschlands wichtigste Grenze liegt derzeit in Tunesien. Diese Grenze soll besonders gesichert werden, um Islamisten den Weg zu versperren und den Flüchtlingsstrom aus Afrika nach Deutschland zu stoppen. Deutsche Polizisten sollen vor Ort die …

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Ausbildungssituation: "So, da haben wir wieder das Problem mit den offenen Schnürsenkeln. Das gehört zur Vorbereitung dazu." Polizeioberkommissar Matthias Langer ist einer der deutschen Ausbilder in Oued Zarga, der Kommandoschule der tunesischen Nationalgarde, eine Stunde westlich der Hauptstadt Tunis. "Mach es Dir nicht zu kompliziert, das eine Stück hättest Du gar nicht noch extra vorgehen müssen, Du hättest gleich an die Mauer gekonnt." Polizeihauptkommissar Stefan Aust legt nach: "Du kannst mir doch nicht erzählen, dass Du in der Position, in der Du die Waffe hältst, sicher schießen kannst." Betretene Gesichter.

Polizeiausbildung bei 40 Grad im Schatten

Die vier Tunesier müssen noch mal ran. Bei 40 Grad im Schatten pirschen sie eine Mauer entlang, kontrollieren Gebäude, sichern Fenster und Hauseingänge. Die Häuser und Baracken auf dem Gelände waren einst errichtet worden für die Palästinenser, die mit Yassir Arafat aus dem Libanon geflohen waren. Seit zwei Jahren bilden hier deutsche Polizisten ihre tunesischen Kollegen in Grenzsicherung aus. Unterstützung bei der Terrorabwehr, aber auch, um Flüchtlinge bereits hier aufzuhalten. Vorverlagerungsstrategie nennt man das im Amtsdeutsch. 700 Grenzpolizisten haben das Training schon durchlaufen.

Polizeihauptkommissar Rene Wegener fasst das Ziel der Ausbildung zusammen: "Wir versuchen der Nationalgarde Möglichkeiten aufzuweisen, wie sich in ihren Grenzgebieten bewegen können, wenn es zu brenzligen Situationen kommt. Wir sprechen von lebensbedrohlichen Lagen, das heißt an bestimmten Abschnitten besonders zur algerischen und zur libyschen Grenze ist es nicht sicher. Wir versuchen den tunesischen Kollegen zu zeigen, wie sie sicher in eine Situation reingehen, die Lage bewältigen und auch sicher wieder rauskommen."

"Tunesien ist so etwas wie ein Bollwerk zwischen dem Terrorismus und Europa"

Terroristen davon abzuhalten, ins Land zu kommen, das ist die vordringliche Aufgabe der tunesischen Polizei. Aber auch alle anderen stoppen, die unbemerkt über die Grenze wollen. Für Grissa Bessem, den Direktor der Nationalgarde im Bezirk Jendouba ist der Terrorismus die größte Herausforderung, aber auch der Schmuggel und die illegale Einwanderung. "Wir versuchen gemeinsam unsere Grenze dicht zu machen und die Wege für Schmuggler zu sperren. Schmuggelgeschäfte können Terroristen auch finanziell unterstützen", meint Atttuani Anis, Verbindungsoffizier der Nationalgarde von Oued Zarga.

Tunesien, das Vorzeigeland des sogenannten Arabischen Frühlings steht im Fadenkreuz der Terroristen. 2015 erschütterten drei große Anschläge das Land, mehr als 70 Menschen kamen dabei ums Leben: im März im Bardo Museum in Tunis, drei Monate später machte ein islamistischer Terrorist Jagd auf Touristen an einem Hotelstrand im Badeort Sousse und im November ein Selbstmordanschlag auf die Nationalgarde. Der Sicherheitsexperte Rafik Chelli ist kategorisch: "Tunesien ist so etwas wie ein Bollwerk zwischen dem Terrorismus und Europa. Wenn Tunesien die Terroristen nicht stoppen kann, dann kommt der Terror sehr schnell nach Europa."

Eine Hochsicherheitsgrenze sieht anders aus

Unterwegs zur algerischen Grenze: 135 dieser fast eintausend Kilometer langen Grenze helfen die Deutschen zu sichern. Gebirgig ist es hier, im Winter liegt oft meterhoch der Schnee. Erster Stop in Sidi Babouch, einem Stützpunkt der Nationalgarde. Er gleicht einer Baustelle. Johannes Parzer, von deutscher Seite aus für das Ausbildungsprojekt zuständig, macht sich regelmäßig ein persönliches Bild von der Lage. "Im Frühjahr ist hier ein Hang runtergekommen. Das mußte freigegraben werden. Das Gebäude ist jetzt wieder instand gesetzt worden."

Weiter geht es durch die Berge nach Hammam Bourguiba, dem vorgeschobenen Grenzposten. Algerien ist hier nur 200 Meter entfernt. Eine Hochsicherheitsgrenze sieht anders aus, nur an einem alten Grenzstein erkennt man, wo Tunesien endet und Algerien beginnt. Regelmäßig sind hier Patrouillen unterwegs, um das hügelige Gelände nach Eindringlingen abzusuchen. Alle, die hier eingesetzt sind, haben das deutsche Zusatztraining absolviert. Sergeant Imed Salmen: "Die Taktik, die wir gelernt haben, ist sehr sinnvoll, wir wenden hier alle neuen Methoden an, die sie uns beigebracht haben. Die sind viel besser als die alten."

Deutschland liefert auch Ausrüstung für den Einsatz

Die Deutschen bilden nicht nur aus, sie stellen auch Ausrüstung. Grissa Bessem, der Direktor der Nationalgarde im Bezirk Jendouba freut sich besonders über die zwölf Quads, mit denen sie das Gelände nun viel besser erkunden können.

Drinnen, im Grenzposten, der aus den 50er Jahren stammt und seitdem nicht renoviert wurde, zeigen sie uns stolz ihre jüngste Anschaffung in Sachen Sicherheit – eine Überwachungskamera. Sie ist von den tunesischen Behörden finanziert worden. Jetzt können sie die algerische Grenze rund um die Uhr im Blick behalten. Aus Deutschland stammen die Nachtsichtgeräte, bis zu 1.000 Meter weit kann man damit sehen. Johannes Parzer ist etwas irritiert. "Benutzen Sie die auch regelmäßig?", fragt er, "Die sehen ja noch ganz neu aus."
Grenzsicherung in Tunesien mit deutscher Hilfe. 965 Kilometer lang ist die Grenze zwischen Tunesien und Algerien. 965 Kilometer hügeliges Gelände und Wüste. Die Frage bleibt: kann diese Grenze überhaupt lückenlos gesichert werden.

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