Sie sind hier:

Heiko Maas auf Twitter - Vom Shitstorm nach der Kaffeepause

Datum:

Warum twittert das Außenministerium ein Foto von Heiko Maas, auf dem er Kaffee trinkt? Rainer Breul, Social-Media-Chef im Ministerium, erklärt die Strategie dahinter.

Heiko Maas mit Smartphone
Quelle: Picture Alliance

Über 672.000 Follower hat das Außenministerium auf Twitter. "Twitterdiplomatie" nennen sie das in der Behörde. Doch die Gratwanderung zwischen Relevanz und politischer Inszenierung gelingt nicht immer. Erst letzte Woche twitterte das Auswärtige Amt ein Hochglanzfoto des Außenministers, der am "World Coffee Day" an einem Kaffee nippt.

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von Drittanbietern nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server (Facebook, Google, Instagram, Twitter, etc.) übertragen. Über den Datenschutz dieser Anbieter können Sie sich auf den jeweiligen Seiten informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in einem 'ZDF-Cookie'. Diese Zustimmung können Sie in den Einstellungen unter 'Mein ZDF' jederzeit widerrufen. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Der Spott ließ nicht lange auf sich warten. Als "Zweitaccount der Bunten" wurde der Ministeriums-Account beschimpft. Rainer Breul ist stellvertretender Sprecher des Auswärtigen Amtes und Leiter der Internet-Redaktion – im heute.de-Interview erklärt er die Social-Media-Strategie.

Heute.de: Herr Breul, warum soll mich ein Kaffee trinkender Außenminister interessieren?

Rainer Breul: Ein Kaffee trinkender Außenminister muss Sie nicht interessieren. Uns war es wichtig, mit diesem Tweet mal zu zeigen, was in einem Moment der Ruhe passiert. Das Foto ist auch nicht, wie viele meinen, gestellt gewesen. Wenn die Kamera sich einen Meter nach rechts bewegt hätte, hätte ich da zufällig gesessen. Das war in Helsinki in Finnland, wo wir zwischen den Sitzungen einen Kaffee getrunken haben. Und wir fanden das Foto schön und dachten, das passt vielleicht gut zum Tag des Kaffees und haben es gepostet. Es freut uns, wenn es die Leute interessiert, aber, wenn es sie nicht interessiert, sind wir damit auch zufrieden.

Heute.de: Wie haben Sie denn die Reaktionen ausgewertet?

Breul: Ich fand die Reaktionen, ehrlich gesagt, ein bisschen übertrieben. Das ist ja auch eine Diskussion, die entstanden ist, rund um den jetzigen Außenminister. Wir haben das mit vorherigen Außenministern auch schon so gemacht, mit dem gleichen Fotografen. Diese Art von Reaktionen habe ich da noch nie erlebt. Darum war ich schon überrascht.

Heute.de: Der jetzige Außenminister ist eine politische Figur, die gerade in sozialen Netzwerken stark polarisiert. Wie würden Sie seine Rolle dort beschreiben?

Heiko Maas, Außenminister von Deutschland. Archivbild
Heiko Maas, Außenminister von Deutschland. Archivbild
Quelle: Ebrahim Noroozi/AP/dpa

Breul: Ich weiß nicht, ob ich sagen kann, wie er insgesamt in den sozialen Medien wirkt. Für uns ist es einfach klar: Er ist das Gesicht der deutschen Außenpolitik. Er ist der gewählte Vertreter. Besonders wichtige Botschaften untermauern wir natürlich gerne mit Videostatements und mit Fotos von ihm. Das liegt für uns in der Natur der Sache. Wie die Rezeption in bestimmten Kreisen ist, das ist für uns eine andere Sache, und eher nachgeordnet.

Heute.de: Sie sind ja gleichzeitig auch für außenpolitisch Interessierte wichtige Anlaufstelle auf Twitter. Die deutsche Haltung zu US-Strafzöllen, zu Nordkorea, zum Iran - kann man alles bei Ihnen erfahren. Können Sie das denn verstehen, wenn Leute irritiert sind, wenn so etwas Profanes wie ein Kaffee-Tweet erscheint?

Breul: Nein, das kann ich nicht richtig nachvollziehen. Das war immer schon Teil unseres Programms. Wir haben Tweets gemacht zum Sieg der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft, wir haben einen Tweet gemacht zum Zehnkampf, wir tweeten zu Feiertagen, auch zu lustigen Anlässen. Und das war für uns auch der Tag des Kaffees. Ein lustiger Anlass, wo man etwas anderes zeigen kann von der deutschen Außenpolitik, ein bisschen hinter die Kulissen blicken. Das macht eigentlich unseren Account aus, dass es nicht nur harte außenpolitische Fakten sind, die nüchtern daher kommen.

Heute.de: Wie ist da die Aufgabenteilung zwischen dem Account von Heiko Maas selbst und dem des Ministeriums?

Breul: Der Account des Ministeriums ist der des Ministeriums. Und natürlich ist der Außenminister da für uns eine ganz besonders wichtige Figur. Der Account der Person Heiko Maas wird nicht von uns gesteuert, sondern wird betrieben von dem MdB-Büro. Da sind vor allem dann Themen aus dem Bundestagsalltag, aus dem Wahlkreis und auch sonst, was die politische Person Heiko Maas, der eben nicht nur Außenminister ist, ausmacht. Aber damit haben wir redaktionell nichts zu tun.

Heute.de: In dem Wissen darum, dass einer Figur wie Heiko Maas immer wieder auch Selbstinszenierung vorgeworfen wird oder dass gesagt wird, seine Fotos sähen oftmals aus wie aus einem Männermagazin – ist es dann nicht der falsche Weg, zu dieser Stilisierung nochmal beizutragen?

Breul: Ich weiß nicht, ob wir wirklich dazu beitragen. Die Debatte ist älter und sie wird auch vor allem in bestimmten Kreisen geführt. Der Außenminister polarisiert und bestimmte Leute fühlen sich dann gekitzelt von diesen Tweets, von solchen Bildern. Andere finden diese Bilder sehr schön. Zum Beispiel auf Instagram haben wir viele Likes für dieses Bild bekommen.

Auf dem englischsprachigen Twitterkanal haben wir ganz viele Likes und Retweets und ganz wenige Kommentare bekommen, im Unterschied zum deutschen. Also klar, ein Stück weit nehmen wir darauf Rücksicht, wie die Rezeption ist, wir lassen uns aber auch davon nicht ins Bockshorn jagen von einer bestimmten Gruppe, die eine Debatte herbeiführen will. Für uns ist der Außenminister wichtig, wir machen hier keine Show, es gibt keine Fotoshootings oder einen Dresscode. Wir nehmen die Fotos, die bei den Terminen entstehen und die nutzen wir sehr gerne.

Heute.de: Gibt es Twitterregeln für die Spitzenbeamtinnen und -beamten Ihres Hauses? Wie politisch und auch privat politisch dürfen Ihre eigenen Leute sein?

Breul: Da gelten eigentlich die üblichen Regeln. Unsere Beamten sind es ja gewohnt, sich politisch zu äußern. Im Inland und auch im Ausland. Und da gelten für Twitter eigentlich die gleichen Regeln wie gegenüber der Presse oder bei anderen öffentlichen Äußerungen. Eine parteipolitische Neutralität ist geboten, man darf keinen außenpolitischen Schaden für die Bundesrepublik verursachen. Das ist ein sehr hohes Abstraktionsniveau, aber innerhalb dieses Rahmens haben wir großes Vertrauen, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes sich da "gut benehmen" (schmunzelt).

Heute.de: Auch der amerikanische Präsident hat die Spielregeln auf Twitter verändert. Können Sie dem twitternden Trump etwas Gutes abgewinnen?

Breul: Naja, er sorgt vielleicht dafür, dass sich mehr Menschen für Außenpolitik interessieren. Wenn man so will könnte das ein positiver Aspekt sein. Gerade in den USA spielen außenpolitische Themen ja oftmals eine sehr untergeordnete Rolle, auch in der Berichterstattung. Und Herr Trump tweetet öfter mal zur Außenpolitik. Vielleicht bringt das einige dazu, sich öfter mit dem Thema zu beschäftigen.

Das Interview führte Andrea Maurer aus dem ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.