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Forschung und Internet - Wenn Bäume für die Wissenschaft twittern

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Bäume auf Twitter - verrückt mag man meinen. Doch die Wissenschaft geht mit der Zeit und setzt auf die sozialen Netzwerke. Und das hat eine durchaus nicht kleine Fangemeinde.

Wissenschaftler in ganz Europa wollen mit neuen Methoden die Folgen des Klimawandels erfassen und herausfinden, wie Pflanzen bei der Anpassung geholfen werden kann. Dazu nutzen sie Twitter. Bei einem Forschungsprojekt der belgischen Universität Gent, …

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Er hat es nicht leicht, dieser Baum im belgischen Gent. Immerhin 110 Jahre ist er schon alt und da verlangt man von ihm noch, dass er twittert. Nein, nicht nur dass die Vögel in ihren Ästen zwitschern, die alte Dame ist wahrlich auf den sozialen Netzwerken unterwegs. Auf Twitter teilt die Buche ihren immerhin 284 Followern ihre Befindlichkeiten mit. "52.96 Millimeter bin ich gewachsen" oder "Heute sei kein Wasser geflossen", ist da zum Beispiel zu lesen.

"Treewatch" von der EU gefördert

Damit die Buche twittern kann, ist sie mit lauter Sensoren und Kabeln versehen. Die funktionieren ähnlich wie ein Schrittzähler beim Menschen, nur dass sie um ein vielfaches teurer sind. Etwa 6.000 Euro kostet die Apparatur pro Baum. Gemessen wird der Wasserfluss. "Das ist sozusagen der Herzschlag des Baumes und daran können wir erkennen, ob sich der Baum guter oder weniger guter Gesundheit erfreut. Wenn er Stress hat, dann teilt der Baum es uns mit und gleichzeitig über Twitter allen anderen Menschen", erklärt Kathy Steppe, Biotechnologin der Universität Gent.

Mit EU-Geldern gefördert wird das Projekt "TreeWatch". Man will rausfinden, wie die Bäume auf den Klimawandel reagieren und wie man ihnen helfen kann. Darum haben sich Genetiker, Ökophysiologen, Holz-Anatomen und Pflanzenökologen und Biologen zusammengetan, um Daten zu sammeln. "Es ist wichtig, dass wir das wissen, denn die Bäume haben eine Funktion. Sie transportieren Wasser, reagieren auf das Klima und beeinflussen es", sagt Steppe.

Bis zu 4.000 Follower

Aus dem Boden saugen die Bäume mit ihren Wurzeln das Wasser. Dann steigt es in winzig kleine Röhren im Stamm herauf und verdunstet durch die Öffnungen in den Blättern hoch oben in der Krone. 200 Liter pro Tag transportiert so einen Buche - wenn der Boden nass ist und die Sonne scheint. Das misst man schon seit Jahren so, doch nun versuchen die Wissenschaftler mit den twitternden Bäumen auch die Aufmerksamkeit der breiten Masse zu gewinnen.

Die Buche ist nicht der einzige zwitschernde Baum. In Brandenburg betwittert eine Kiefer ihren immerhin 1.237 Fan, im niederländischen Wageningen unterhält eine Pappel knapp 4.000 Waldfreunde. In den Niederlanden hätte man viel mehr Werbung für das Projekt gemacht, erzählt uns Ute Sass-Klaassen, Biochtechnologin an der Universität Wageningen. Sie ist in Gent zu Gast und erläutert, man habe sich absichtlich für verschiedene Baumsorten entschieden, denn jede geht anders mit dem Klimawandel um. "Pappeln wachsen relativ schnell, bis zu zwei Zentimeter pro Jahr, und sie benötigen viel Licht. Buchen hingegen brauchen weniger Licht und wachsen auch viel langsamer.

Stresstest für die Zukunft

"Notaufnahme" nennen sie in Gent ein kleines Gelände, auf dem riesige Töpfe mit jungen Bäumen stehen. Auch sie sind vollständig verkabelt worden und müssen über Wochen einen Stresstest absolvieren. Die Wissenschaftler überprüfen, wie lange so ein Baum überleben kann, wenn er kein Wasser bekommt. Lange trockene Sommer sind schädlich für den Wald, doch dass man künftig alle Bäume gießt, ähnlich wie einen Obstgarten, ist zur Zeit noch keine Option. "Wenn es darum geht, welche Bäume wir abholzen, behalten oder in Zukunft pflanzen, wird man sich natürlich für die entscheiden, die am besten mit Trockenheit umgehen können" erklärt Steppe die Notwendigkeit dieser Forschungsarbeiten.

Geht es nach den Wissenschaftlern, gibt es bald schon ein europaweites Netzwerk aus twitternden Bäumen - damit sie wissen wann und wo Bäume Stress erfahren und damit sich mehr Menschen für den Wald interessieren.

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