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Fahrdienstleister - Uber startet an Börse mit 82 Milliarden Dollar

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Der größte Börsengang seit fünf Jahren soll für den Fahrdienstvermittler Uber der Auftakt in die Zukunft sein. Heute startet der Handel erstmals in New York.

Schild Uber
Uber startet den größten Börsengang seit dem Jahr 2014.
Quelle: reuters

Der Fahrdienstvermittler Uber geht heute an die Börse. Mit 45 US-Dollar pro Aktie wird der Börsenwert des zehn Jahre jungen Unternehmens auf 82,4 Milliarden Dollar taxiert. Zum Vergleich: Volkswagen kommt derzeit auf einen Börsenwert von rund 86 Milliarden Dollar. Damit gelingt Uber der größte Börsengang seit dem Jahr 2014. Die Anleger wissen aber um ihr Risiko: Denn Uber hatte im Börsenprospekt selbst davor gewarnt, womöglich niemals profitabel zu werden.

Seit der Gründung 2009 schreibt das Unternehmen tiefrote Zahlen. Im vergangenen Geschäftsjahr lag das Minus bei rund 1,8 Milliarden Dollar. Analysten des Finanzunternehmens Morningstar erwarten einen möglichen ersten Gewinn frühestens im Jahr 2022. Dem Einstieg am New York Stock Exchange wurde dennoch wochenlang entgegengefiebert. Das liegt vor allem am rasanten Wachstum Ubers, das mit den 8,1 Milliarden Euro aus den Aktienverkäufen seinen aggressiven Expansionskurs weiter vorantreiben will.

Fokus liegt auf autonomem Fahren

Die Vision von Vorstandschef Dara Khosrowshahi ist, seine Firma langfristig zum "Amazon für die Transportbranche" zu machen. Weltweit. Einst als kleiner Limousinen-Service in San Francisco gestartet, operiert Uber mittlerweile bereits in mehr als 60 Ländern. So auch in bislang fünf deutschen Städten: Berlin, München, Hamburg, Frankfurt am Main, Düsseldorf und Köln. Die Geschäftsidee: die ohnehin zahlreich vorhandenen Autofahrer und ihre Fahrzeuge nutzen, um einen günstigeren (und lizenzfreien) Taxi-Service anzubieten. Dazu entwickelten die beiden Gründer Garrett Camp und Travis Kalanick eine App, über die Fahrten angeboten und bargeldlos bezahlt werden können. Die Einnahmen werden mit den Fahrern, die sich so einen lukrativen Nebenverdienst erwirtschaften können, geteilt.

In den Vereinigten Staaten nutzen allein diesen Service bereits mehr als 40 Millionen Menschen. Allein, weil Uber sein Portfolio über die Zeit sukzessive ausgeweitet hat. Dazu gehören neben verschiedenen Beförderungsvarianten, von geteilten Fahrten im normalen Pkw bis hin zum Chauffeur-Dienst in der Luxusklasse, mittlerweile auch Leihräder und -roller, Frachtdienste sowie Essenslieferungen. Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen an Prestigeprojekten. Zum einen will Uber bis 2023 Lufttaxis auf den Markt bringen, zum anderen so schnell wie möglich fahrerlose Autos auf die Straßen bringen. Diese würden die bisherigen Fahrer überflüssig machen – und dem Unternehmen Geld sparen.

Milliarden an der Börse, aber verschuldete Fahrer

Auf absehbare Zeit wird Uber aber noch auf private Fahrer angewiesen sein. Diese sind allerdings zunehmend frustriert über die Vorgehensweisen des Fahrdienstvermittlers. Zwei Tage vor dem Börsengang streikten sie in den USA landesweit. "Als Uber auf den Markt kam, haben sie nur zwischen zehn und 20 Prozent des Fahrtpreises einbehalten", sagt Fahrerin Sloan Wells. "Mittlerweile sind es fast 50 Prozent, und das bereitet uns echte Schwierigkeiten." Viele der Fahrer machten deshalb Schulden, sagt sie.

Das belegt auch ein aktueller Report der Georgetown-Universität in Washington. 33 Prozent der Fahrer hätten sich demzufolge durch die Arbeit für den Fahrdienstvermittler verschuldet. Nach Ansicht der Forscherin Katie Wells wird sich dieses Problem in den USA künftig weiter verschärfen: "Die Anreize für die Fahrer sollen weiter reduziert werden."

Forderungen, die ins Leere laufen

Und das, obwohl es die Fahrer sind, die den Erfolg von Uber überhaupt erst durch ihre Arbeit ermöglichten. "Mit den auf Apps basierenden Unternehmen hat man keine Zukunft. Sie können dich einfach ausschalten, ohne dich vorher anzuhören. Das ist falsch", klagt Aziz Bah.

Wie er hatten auch viele andere Fahrer darauf gehofft, sich - ohne dafür eine Lizenz erwerben zu müssen - als Vollzeit-Uber-Fahrer den Lebensunterhalt finanzieren zu können. Nur war das Geschäftsmodell darauf nie ausgelegt. Es gibt keine Arbeitsverträge und damit auch keine Versicherungen oder Sozialleistungen. Genau das fordern Bah und seine Mitstreiter aber nun von Uber. Und doch wissen sie, dass der neuerdings börsennotierte Fahrdienstvermittler in Zukunft nicht mehr mit ihnen plant. Genauso wenig wie die neuen Investoren.

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