Überschallflüge haben Zukunft - ohne die Concorde

Sie sind hier:

50 Jahre Jungfernflug - Überschallflüge haben Zukunft - ohne die Concorde

Datum:

Wirtschaftlich war die Concorde nie. Und der Schock nach der Katastrophe im Jahr 2000 sitzt immer noch tief. Aber die Faszination am Überschall bleibt - und zahlreiche neue Ideen.

Gerade einmal 29 Minuten dauerte der Flug, aber er ging in die Luftfahrtgeschichte ein: Am Samstag, 2. März vor genau 50 Jahren startete das Überschallverkehrsflugzeug Concorde im französischen Toulouse zu seinem Jungfernflug. Acht Jahre später nahmen Air France und British Airways den Linienverkehr nach New York auf. Der elegante, schneeweiße Jet mit spitzer Nase hatte zahlreiche Fans, bis heute schwärmen frühere Passagiere von dem unvergleichbaren Flugerlebnis - dreieinhalb Stunden von Paris nach New York, nach Sonnenuntergang in Europa los, vor Sonnenuntergang in den USA.

Archiv: Concorde Triebwerktest, aufgenommen am 25.02.1968 auf dem Flughafen Toulouse-Blagnac, Frankreich
Concorde Triebwerktest am 25.02.1968 auf dem Flughafen Toulouse-Blagnac, Frankreich.
Quelle: dpa

Ein Blechstreifen war Anfang vom Ende

Aber rein wirtschaftlich war die Concorde nie ein Erfolg: zu teuer, zu laut, immens hoher Kerosinverbrauch. Und dann kam im Juli 2000 die Katastrophe: Kurz nach dem Start vom Flughafen Paris verunglückte eine Concorde, alle 109 Insassen, darunter 97 Deutsche sowie vier Menschen am Boden starben. Ursache des Unglücks war ein auf der Startbahn liegender Blechstreifen. Der Anfang vom Ende.

Hinzu kamen die Luftfahrtkrise nach dem 11. September 2001 und rasant steigende Wartungskosten. 2003 war Schluss mit der Concorde. Der legendäre Überschall-Jet ist nur noch in Museen zu bewundern.

Archiv: Die Luftaufnahme zeigt eine Rauchwolke an der Stelle, an der die Concorde kurz nach dem Start 25.07.2000 vom Flughafen Roissy abgestürzt war
Luftaufnahme einer Rauchwolke an der Stelle, an der die Concorde kurz nach dem Start abgestürzt war.
Quelle: dpa

Entwicklung des Überschallflugs geht weiter

Die Faszination am Überschall, wenn die Fluggeschwindigkeit größer ist als die Schallgeschwindigkeit in der Umgebung des Flugzeuges, aber blieb. Immer wieder wurden neue Ideen und Projekte entwickelt, aber marktreif umgesetzt bislang keines. Derzeit präsentiert sich unter anderem das US-Start-up Boom als ganz weit vorne. Es arbeitet an "Overture", einem Jet für bis zu 55 Fluggäste, der schneller und deutlich effizienter als die Concorde sein soll.

Anfang des Jahres sammelte das Unternehmen noch einmal rund 100 Millionen Dollar (rund 88 Millionen Euro) von Investoren ein. "Die Ticketpreise sollen denen der heutigen Business Class ähneln, so dass der Horizont von Millionen von Reisenden erweitert werden kann", sagte Firmenchef Blake Scholl in einer Mitteilung. "Letztendlich ist unser Ziel, dass jeder sich Überschallflug leisten können soll." Noch in diesem Jahr sollen Testflüge starten, es gebe auch schon Vorbestellungen von Fluglinien.

Auch die 2002 gegründete US-Firma Aerion entwickelt mit Unterstützung von Airbus einen Geschäftsflieger für bis zu zwölf Passagiere, der anderthalbfache Schallgeschwindigkeit erreichen soll. Auf seiner Webseite präsentiert das Unternehmen schon einmal stolz Dutzende mögliche Streckenverbindungen und die gesparte Zeit beim Flug. Wann der Jet abheben könnte, ist aber bislang noch nicht klar.

Jet ohne Überschall-Knall

Bei einer möglichen neuen Ära für den Überschall will auch die US-Raumfahrtbehörde Nasa mitmischen. Gemeinsam mit dem US-Rüstungskonzern Lockheed Martin feilt sie an einem Konzept für einen Überschalljet - ohne Überschall-Knall. Denn das Problem bleibt: Durchbricht ein Flugzeug in der Luft die Schallmauer, gibt es einen sehr lauten Knall. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat deshalb auch bis auf Weiteres alle zivilen Überschallflüge über den USA untersagt.

Die Nasa will nun den Knall in ein "Plopp" verwandeln und hat bereits erste Tests für das "X-Plane" gestartet. Ein Prototyp soll bis Ende 2021 fertiggestellt sein. Der Jet soll in etwa 16 Kilometer Höhe mit rund 1.500 Kilometern pro Stunde fliegen - und anstelle eines lauten Knalls nur ein Geräusch erzeugen, das so laut ist wie das Zuschlagen einer Autotür. Für die Entwicklung erhält der Rüstungskonzern Lockheed Martin rund 247,5 Millionen Dollar (etwa 217 Millionen Euro).

Computerrendering des X-Plane
Prototyp des X-Plane in einer Compterdarstellung des der NASA (undatiertes Bild).
Quelle: dpa

Ab 2022 will die Nasa bei Flügen über ausgewählten Regionen der USA weitere Daten sammeln. "Wir sprechen über eine Zukunft, in der Menschen weniger Zeit mit dem Reisen und mehr Zeit an ihren Zielorten verbringen können - mit der Familie, bei der Arbeit oder beim Besuchen neuer Orte", sagte Nasa-Wissenschaftler Jonathan Rathsam. "Es ist ein Weg, die Welt zu schrumpfen und es ist aufregend, ein Teil dieser Zukunft zu sein."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.