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Angriff auf Synagoge - Halle erlebt Tag in Angst

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Ein judenfeindlich motivierter Täter hat versucht, in einer Synagoge in Halle ein Blutbad anzurichten und zwei Menschen getötet. Politiker und Kirchen zeigen große Anteilnahme.

Vor einer Synagoge fallen Schüsse. Eine Frau stirbt und wenig später ein Mann vor einem nahegelegenen Dönerimbiss. Der mutmaßliche Täter: ein 27-jähriger Deutscher. In einem selbstgedrehten Video äußert er sich abfällig gegen Juden und Ausländer.

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Die jüdische Gemeinde in Halle entging an ihrem höchsten Feiertag Jom Kippur nur knapp einer Katastrophe. Ein 27-jähriger Deutscher soll vor der Synagoge und in einem nahen Döner-Imbiss zwei Menschen erschossen und mindestens zwei weitere verletzt haben. Zunächst hatte er versucht, die Türen der Synagoge aufzuschießen. Er floh vom Tatort und wurde am Nachmittag festgenommen. Erst nach langen Stunden des Wartens wurde klar, dass es sich um einen Einzeltäter handelte.

Seehofer: Antisemitisches Motiv

Innenminister Horst Seehofer (CSU) sprach am Abend von einem antisemitischen Motiv. Der Generalbundesanwalt, der die Ermittlungen rasch an sich gezogen hatte, habe zudem "ausreichend Anhaltspunkte für einen möglichen rechtsextremistischen Hintergrund". Seehofer sagte weiter: "Der höchste jüdische Feiertag Jom Kippur ist heute ein schwarzer Tag."

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sagte am Abend: "Die Brutalität des Angriffs übersteigt alles bisher Dagewesene der vergangenen Jahre und ist für alle Juden in Deutschland ein tiefer Schock." Zugleich erhob er schwere Vorwürfe gegen die Polizei. "Dass die Synagoge in Halle an einem Feiertag wie Jom Kippur nicht durch die Polizei geschützt war, ist skandalös." Er fügte hinzu: "Wie durch ein Wunder ist nicht noch mehr Unheil geschehen."

Kamera bestätigt Schussversuche

Bei dem Angriff legte der Täter auch selbstgebastelte Sprengsätze vor dem Gotteshaus ab. Eine Frau wurde laut Medienangaben vor der Synagoge von tödlichen Schüssen getroffen. Etwa 30 Meter vor der Synagoge lag sie auf einer Straße mit einer blauen Decke bedeckt gegenüber der Synagoge. Das Opfer aus dem Döner-Imbiss war ein Mann.
Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Halle, Max Privorozki, bestätigte, dass sich der Angriff der Täter direkt gegen die Synagoge richtete. "Wir haben über die Kamera unserer Synagoge gesehen, dass ein schwer bewaffneter Täter mit Stahlhelm und Gewehr versucht hat, unsere Türen aufzuschießen", sagte Privorozki der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten". "Aber unsere Türen haben gehalten."

Täter will sich selbst inszenieren

Die Tat erinnert an den Anschlag eines Rechtsextremisten auf Muslime in zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch, bei dem Mitte März mehr als 50 Menschen getötet worden waren. Wie dieser Täter soll auch der Schütze von Halle eine Kamera auf dem Helm getragen haben. In den sozialen Netzwerken soll er ein Bekennervideo hochgeladen haben.

Darin ist ein junger Mann in Kampfanzug mit weißem Halstuch in einem Auto zu sehen. Der Mann gibt in vermutlich nicht muttersprachlichem Englisch extrem antisemitische Äußerungen von sich. In dem Video sind auch mehrere Schießszenen zu sehen. Unter anderem zeigt das Video, wie in einem Döner-Imbiss mehrfach auf einen Mann geschossen wird, der hinter einem Kühlschrank liegt.

Nach den tödlichen Schüssen nahe einer Synagoge in Halle/Saale hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen.

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Kanzlerin bekundet Beileid

Levi Salomon vom Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitsmus bestätigte der dpa nach einem Telefonat mit Privorozki, der maskierte Täter habe gegen die Tür geschossen, dabei aber nicht in die Synagoge eindringen können. Rund 20 Menschen seien am Nachmittag noch in der Synagoge verschanzt gewesen, darunter auch mehrere Gäste aus den USA. Laut Salomon wurden auch Flaschen mit Flüssigkeit geworfen. Eine habe die Sukka (Laubhütte), eine andere den Jüdischen Friedhof in unmittelbarer Nähe und eine den Hof der Synagoge getroffen. Nur die Flasche gegen den Friedhof habe sich entzündet.

Angela Merkel am 09.10.2019 vor der Neuen Synagoge in Berlin
Angela Merkel vor der Neuen Synagoge in Berlin
Quelle: Reuters

US-Botschafter Richard Grenell sagte, zehn Amerikaner seien in der Synagoge gewesen. "Alle sind sicher und unverletzt", schrieb Grenell auf Twitter. Bundeskanzlerin Angela Merkel informierte sich über die Lage und sprach den Angehörigen der Opfer ihr tiefes Beileid aus. Die Kanzlerin habe mit Seehofer und Haselhoff gesprochen, twitterte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Solidarität gelte allen Jüdinnen und Juden am Feiertag Jom Kippur. Spontan nahm die Kanzlerin am Abend in Berlin mit anderen Politikern an einem Gedenken vor der Synagoge teil.

"Amoklage" in der ganzen Stadt

Die Stadt Halle hatte am frühen Nachmittag von einer "Amoklage" gesprochen und die Menschen überall in Halle dazu aufgefordert, in Gebäuden zu bleiben. Zunächst war die Polizei davon ausgegangen, dass mehrere bewaffnete Täter mit einem Auto auf der Flucht seien. Gegen 18.15 Uhr gab sie Entwarnung. "Sie können wieder auf die Straße, die Warnungen sind aufgehoben", twitterte die Polizei. Es gab mindestens zwei weitere Verletzte. Sie wurden mit Schussverletzungen in das Universitätsklinikum Halle gebracht, waren aber am Abend außer Lebensgefahr. Auch in Landsberg, rund 15 Kilometer östlich von Halle, gab es Schüsse.

Einsatzkräfte in Berlina m 09.10.2019.
Synagoge in Halle
Quelle: DPA

Ein Zusammenhang zu Halle war zunächst von den Behörden aber nicht bestätigt worden. Die Stadt Halle hatte einen Krisenstab einberufen. Alle Rettungskräfte der Feuerwehr waren in Alarmbereitschaft versetzt worden. Die Polizei hatte seit den Mittagsstunden alle verfügbaren Kräfte in Sachsen-Anhalt abgezogen und sie nach Halle verlegt. Im benachbarten Leipzig hatte die Polizei ihre Kräfte vor der Synagoge verstärkt. Auch in anderen deutschen Städten wurde der Schutz von Synagogen verstärkt.

Der Bahnhof von Halle war wegen polizeilicher Ermittlungen gesperrt. Es kam zu Verspätungen. Die Bundespolizei verstärkte ihre Kontrollen an Bahnhöfen und Flughäfen in Mitteldeutschland. Das gelte auch für die Verkehrswege nach Polen und Tschechien, hieß es.

Politiker bestürzt

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) zeigte sich entsetzt über die Tat. "Es wurden durch sie nicht nur Menschen aus unserer Mitte gerissen, sie ist auch ein feiger Anschlag auf das friedliche Zusammenleben in unserem Land." Aus dem Ausland kamen ebenfalls bestürzte Reaktionen. Das Europaparlament legte eine Schweigeminute für die Opfer ein. In Gedanken sei man bei Deutschland, der deutschen Polizei und bei der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland, sagte Parlamentspräsident David Sassoli.

Auch UN-Generalsekretär António Guterres bewerte den Vorfall als "eine weitere tragische Demonstration von Antisemitismus", teilte ein UN-Sprecher in New York mit. AfD-Fraktionschefin Alice Weidel twitterte: "Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien. Ich hoffe, die Polizei fasst den oder die Täter schnell, ohne dass weitere Menschen zu Schaden kommen."

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