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Überwachungs-App für Kinder - Virtuelle Schutzengel oder digitale Spione?

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Per Smartphone sicher in die Schule: Mit speziellen Überwachungs-Apps können Eltern ihren Nachwuchs jederzeit orten und den Schulweg überwachen. Die Anbieter solcher Apps versprechen mehr Sicherheit. Kinderschützer raten von Überwachungstechnik ab.

Das Präventionsradar basiert auf einer repräsentativen Befragung von rund 7.000 Schülerinnen und Schülern der 5. bis 10. Klassen. Andreas Storm, der Vorstandsvorsitzende der DAK-Gesundheit, berichtet von den Ergebnissen der Studie.

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Die Schulferien sind vorbei. Das neue Schuljahr hat begonnen, und viele Schüler wechseln nach ihrer Grundschulzeit auf weiterführende Schulen. Der Schulweg wird länger und verlangt von den Kindern mehr Selbstständigkeit. Natürlich machen sich die Eltern nun Gedanken, wie der neue Schulweg sicher zu gestalten ist.

Das erste Smartphone

Viele Eltern reagieren auf die neue Situation, indem sie ihren Kindern zum Schulwechsel das erste Smartphone kaufen. Sie wollen mit ihrem Nachwuchs für Notfälle während des Schulwegs Kontakt halten oder zum Beispiel erfahren, wenn der Schulbus später kommt. Eine Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom belegt diesen Trend.

Danach besitzen erst 18 Prozent der Acht- bis Neunjährigen ein eigenes Smartphone. Dieser Anteil erhöht sich sprunghaft auf 67 Prozent bei Kindern in der Altersgruppe zwischen zehn  und elf Jahren - also jenem Alter, in dem der Schulwechsel ansteht. Anbieter von Tracking-Apps, die auf den Smartphones der Kinder installiert werden und ihren Schulweg überwachen sollen, sehen hier eine Marktchance.

Kontrolle auf Schritt und Tritt

"Sale zum neuen Schuljahr!", umwirbt etwa die App Qustodio besorgte Eltern als neue Kunden. Diese und andere Tracking-Apps wie Little Nanny, Synagram, Footprints oder iNanny  wollen Eltern das Gefühl vermitteln, dass sie ihre Kinder per Smartphone jederzeit im Blick behalten können. Manche Apps besitzen einen „Notfallbutton“. "Sind Deine Kinder in Gefahr, können sie mit nur einem Knopfdruck den SOS-Knopf betätigen", heißt es etwa bei Synagram.

Technisch funktionieren alle Apps nach demselben Prinzip. Sie nutzen die Ortungsfunktionen des Smartphones und ermitteln zuverlässig, wo sich der Nachwuchs aufhält. Mit Hilfe des sogenannten Geofencings lassen sich zudem virtuelle Zäune um erlaubte Orte errichten. Das kann der Schulweg sein, ein Spielplatz oder das eigene Wohnviertel. Verlässt das Kind den erlaubten Bereich, schlägt das Smartphone der Eltern Alarm.

Auch Inhalte werden kontrolliert

Darüber hinaus kontrollieren viele Apps auch die Smartphone-Nutzung der Kinder. So lassen sich Zeiträume festlegen, in denen das Internet genutzt werden kann. Ungeeignete Inhalte und neue Apps können blockiert werden. Manche Apps besitzen einen Inkognito-Modus. Ist er aktiviert, bemerken die Kinder nicht, dass sie überwacht werden.

Was ist von Tracking-Apps zu halten? Sind sie tatsächlich die virtuellen Schutzengel, wie ihre Hersteller versprechen, oder ähneln sie, wie Kritiker meinen, eher elektronischen Fußfesseln, die die Freiräume der Kinder beschränken und sie wie ein digitaler Spion auf Schritt und Tritt verfolgen? heute.de hat beim Deutschen Kinderschutzbund (DKSB) nachgefragt.

Reden statt überwachen

Überwachungs-Apps können das Vertrauen zwischen Eltern und Kindern beschädigen, sagt Cordula Lasner-Tietze, Bundesgeschäftsführerin des DKSB. Würden Kinder auf Schritt und Tritt überwacht, lernten sie zudem nicht mehr, was Gefahren seien, wie man sie erkenne und welches Verhalten in solchen Situationen angebracht und angemessen sei. Das aber seien wichtige Elemente, "die Kinder für ein gutes Aufwachsen brauchen".

Wichtig sei, dass Eltern mit ihren Kindern mögliche Gefahrensituationen besprechen, meint Lasner-Tietze. Im Gespräch mit ihren Kindern könnten die Eltern zudem erkennen, welche Fähigkeiten ihr Nachwuchs schon entwickelt habe, um Gefahren alleine zu bewältigen. Daneben könnten die Eltern zum Beispiel überlegen, ob der gemeinsame Schulweg mit Freunden möglich sei.

Regeln gemeinsam festlegen

Auch bei den Regeln für die Smartphone-Nutzung empfiehlt der Kinderschutzbund primär den Dialog zwischen Eltern und Kindern. Eltern sollten ihre Regeln begründen und mit den Kindern gemeinsam festlegen. "Wir wissen, Vereinbarungen, die man selbst mitentscheiden kann, ist man eher bereit einzuhalten", sagt Lasner-Tietze. Apps zur Beschränkung der Smartphone-Nutzung sollten erst dann eingesetzt werden, wenn es den Kindern nur sehr schwer gelinge, die vereinbarten Regeln auch tatsächlich zu befolgen.

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