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Überzuckerungstag für Kinder - Foodwatch wirft Klöckner Amtsversagen vor

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Kinder haben rechnerisch bis heute schon so viel Zucker konsumiert, wie für das ganze Jahr empfohlen wird. Das hat Foodwatch errechnet - und attackiert Ministerin Klöckner scharf.

"Es sollten nur noch ausgewogene Produkte an Kinder beworben werden dürfen. Außerdem brauchen wir eine gute Nährwertkennzeichnung", so der Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker.

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Nach Angaben der Verbraucherorganisation essen Kinder und Jugendliche in Deutschland deutlich mehr Zucker als von Fachorganisationen wie etwa der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und der Deutschen Diabetes-Gesellschaft empfohlen wird. Nach Daten aus der sogenannten Donald-Studie von 2016, die das Ernährungsverhalten von mehr als 1.000 Kindern und Jugendlichen untersuchte, liegen Kinder und Jugendliche im Alter von 3 bis 18 Jahren in Deutschland demnach um 63 Prozent oberhalb der Empfehlungen. Umgerechnet erreichten sie damit schon am 224. Tag des Jahres - also dem 12. August - ihr rechnerisches Zucker-Limit. Männer erreichen in Deutschland ihren errechneten Überzuckerungstag am 20. September, Frauen am 8. Oktober.

Foodwatch: Klöckner "Dienstleister der Lebensmittelindustrie"

Foodwatch macht für diese Fehlernährung auch die Lebensmittelindustrie verantwortlich. "Gerade industrielle Lebensmittel sind nicht so zusammengesetzt, dass es förderlich ist für die Gesundheit", sagt Martin Rücker, Geschäftsführer der Verbraucherorganisation, im ZDF-Morgenmagazin. Frühstücksflocken beispielsweise könnten gesunde, ausgewogene Produkte sein, so Rücker, "sie haben aber häufig sehr, sehr viel Zucker". "Wir haben ein Problem mit einem zu hohen Zuckerkonsum."

Zu viel Zucker macht krank. Deshalb hat das Bundesernährungsministerium letzten September beschlossen, dass ab Anfang 2019 in Deutschland Zucker eingespart werden soll. Ökotrophologin Brigitte Bäuerlein zeigt, wie das im Alltag gelingen kann.

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Rücker und seine Organisation fordern daher speziell Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) auf, tätig zu werden. "Das Mindeste ist, dass die Bundesernährungsministerin die Werbung beschränkt, dass nur noch ausgewogene Produkte beworben werden dürfen." Außerdem forderte er ein ausgewogenes Lebensmittelangebot an den Schulen "bei der Mittagsverpflegung, aber auch in den Schulkiosken, wo der Staat die Verantwortung trägt". "Wir brauchen eine Abgabe für Limonaden, denn das ist das, was uns die größten Sorgen bereitet." Limonaden seien verantwortlich für einen ganzen Anteil von übergewichtigen Kindern, so Rücker. Ein weitere Möglichkeit sei eine Mehrwertsteuerbefreiung für Obst und Gemüse. "Es gibt sehr, sehr viel, was getan werden kann. Die Bundesernährungsministerin tut das nicht."

Klöckner verstehe sich "offenbar eher als Dienstleister der Zuckerbauern und der Lebensmittelindustrie", sagte Rücker. Juristen hätten dafür einen Terminus: "Das ist Amtsversagen und Amtsmissbrauch - anders kann man das nicht ausdrücken." Die aktuelle Politik führe zu schweren Erkrankungen, hohen Gesundheitskosten und frühzeitigen Todesfällen in Folge von Adipositas und Diabetes.

Auch SPD sieht Politik in der Pflicht

Auch die SPD sieht im Kampf gegen zu viel Zucker die Politik in der Pflicht und setzt auf Gesetze. "Wir brauchen eine gesetzliche Vorgabe, den Zuckergehalt in Kinderlebensmitteln zu reduzieren", sagte die ernährungspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Ursula Schulte, dem "Tagesspiegel" Mitte Juli. Ministerin Klöckner solle "schnellstmöglich" eine Verordnung auf den Weg bringen, um den Zuckergehalt etwa in Kindertees, Limonaden und Frühstückscerealien zu halbieren. "Freiwilligkeit reicht nicht, dafür ist das Problem zu ernst", zeigte sich Schulte überzeugt. Auch die SPD-Politikerin fordert Werbebeschränkungen für ungesunde Kinderlebensmittel: "Werbung sollte nur noch für die Produkte erlaubt sein, die den Zuckergehalt halbiert haben."

Für den Kampf gegen Zucker, Salz und Fette in Fertigprodukten gibt es eine nationale Reduktions- und Innovationsstrategie, die vom Bundesernährungsministerium vorangetrieben wird. In diesem Zusammenhang sollen viele Produkte für den Kampf gegen Übergewicht bis 2025 neue Rezepturen bekommen.

Verbraucher werden zu Nährwertlogos befragt

Ein Verbot von Zucker- und Süßungsmittelzusatz in Baby- und Kleinkindertees ist derzeit in der Ressortabstimmung der Ministerien. Babys und Kinder brauchten keinen Zucker oder Süßstoffe, sagte Klöckner Ende Juni. "Und wer bereits als Baby an den Geschmack gewöhnt wird, der wird im weiteren Leben aus Gewohnheit wenig Freude an Ungesüßtem haben." Die ersten 1.000 Tage im Leben seien dafür entscheidend. Angestammte Ernährungsgewohnheiten später noch zu ändern, sei schwierig. "Richtig und wichtig ist es deshalb, so früh wie möglich die richtigen Weichen für ein gutes Aufwachsen zu stellen."

Seit 20. Juli läuft eine Verbraucherbefragung zu Nährwertlogos, die klarer kennzeichnen sollen, wie viel Zucker, Fett und Salz ein Produkt enthält. "Das Ergebnis wird für mich maßgeblich sein", sagte Klöckner. "Ich werde dann einen entsprechenden Verordnungsentwurf vorlegen, der dieses Nährwertkennzeichen empfiehlt." Ein verpflichtendes nationales System sei nicht möglich, weil es gegen Europarecht verstoße.

Pro Jahr isst jeder Deutsche im Schnitt 34 Kilogramm Zucker - viel zu viel, sagen Experten. Die Folge: Jeder Zweite gilt als übergewichtig. Aber der Kampf gegen die süße Sucht hat begonnen.

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