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Neue Streiks an Silvester - Warum es im Ufo-Lufthansa-Streit nicht weitergeht

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Zwischen der Flugbegleitergesellschaft Ufo und dem Lufthansa-Konzern ist die Stimmung schon lange unterkühlt. ZDF-Korrespondent Peter Wagner sieht nur eine Lösung.

Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo und der Lufthansa-Konzern - zwischen den beiden Konfliktparteien sind die Fronten verhärtet. Die Ufo streikt schon fast routinemäßig, die Lufthansa reagiert mit Unverständnis. Allerdings sei das Verhältnis der beiden noch nie derartig schlecht gewesen, erklärt ZDF-Korrespondent Peter Wagner im heute journal. "Es ist geprägt von absolutem Misstrauen auf beiden Seiten, von persönlichen Vorwürfen, von Schadensersatzforderungen, von Gerichtsverfahren, von persönlichen Angriffen gegenseitig".

Die neusten Streikankündigungen betreffen die Lufthansa-Tochter Germanwings. Drei Tage soll über Silvester die Arbeit niedergelegt werden. Der offizielle Grund sind Regelungen zur Teilzeit, doch für den Lufthansa-Konzern ist diese Argumentation dürftig. "Es ist ganz offensichtlich, dass da Streikgründe vorgeschoben werden", sagt Matthias Eberle, Sprecher der Eurowings Group, im ZDF. Die Teilzeitmodelle seien bei Germanwings-Mitarbeitern bereits seit mehr als einem Jahr in Umsetzung.

Das grundsätzliche Problem des Konflikts

Beim Konflikt zwischen Ufo und Lufthansa-Konzern geht es aber nicht nur um tarifliche Auseinandersetzungen. Die Konfliktparteien haben über die Jahre harte Kämpfe ausgetragen. Es mangelt an gegenseitigem Vertrauen. Das liegt auf Seiten der Ufo wohl besonders auch daran, dass die Lufthansa die Gewerkschaftseigenschaft der Ufo infrage gestellt hat.

Der Konflikt fußt im Jahr 2015, als der damalige Ufo-Chef Nicoley Baublies die bis dahin eher zahmen Flugbegleiter in den längsten Streik der Lufthansa-Geschichte führte. Erst nach einer komplizierten Schlichtung unter Matthias Platzeck wurden 2016 neue, für die alteingesessenen Flugbegleiter recht vorteilhafte Tarifverträge geschlossen.

Baublies wurde danach mehrfach bei der Lufthansa gekündigt, es wurden angeblich überzahlte Bezüge zurückverlangt, und sogar einem Drogentest musste sich der einstige Kabinenchef (Purser) unterziehen.

Ex-Ufo-Chef spricht von Vernichtungskampf

Seither verlangt die Gewerkschaft eine Aufarbeitung des Konflikts und die Rücknahme mehrerer Klagen auch gegen die beiden aktuellen Vorsitzenden der Ufo. "Hier wird offensichtlich ein Arbeitskampf missbraucht, um persönliche und finanzielle Interessen des Vorstandsbeauftragten der Gewerkschaft durchzusetzen", kritisierte die Lufthansa. Die Lufthansa ist lediglich zu einem separaten richterlichen Güteverfahren bereit, das parallel zur Schlichtung laufen könnte.

"Es ist natürlich absolut richtig, auch zu fordern, dass ein Vernichtungskampf, der die letzten Monate gegen einzelne Mitarbeiter und gegen die Ufo an sich geführt wurde, natürlich aufhören muss", sagt Baublies im heute journal. Die Lufthansa will außerdem zusätzlich die Belange der zweiten Gewerkschaft, der Verdi, beachten. Das ist eine zweite Bedrohung, die die Ufo fürchtet: Dass sich Lufthansa in Zukunft stärker an Verdi halten könnte, die ihr bereits bei der Tochter Eurowings heftige Konkurrenz macht. Eine Verdi sei allerdings deutlich "zahmer", kritisiert Baublies. "Und da versucht der Konzern jetzt schon seit einiger Zeit die Ufo loszuwerden und durch die Verdi zu ersetzen."

Wagner: Streik ist ein Signal für Gesprächsbereitschaft

Jetzt also ein weiterer Streik der Ufo. Peter Wagner, Leiter des ZDF-Landesstudios Hessen, spricht von einer Art letztem Angebot. Man habe mit dem großen Streik im November gezeigt, zu was man fähig sei. Der Streik bei einer kleinen Tochter einer Tochtergesellschaft sei ein Signal für die Gesprächsbereitschaft der Ufo.

Der Luftfahrt-Experte Heinrich Großbongardt sieht aber auch die Lufthansa unter Zugzwang. Sie stecke wettbewerbsmäßig in einem sehr heißen Umfeld, "bei dem die Personalkosten zu senken schon ein wichtiger Teil der wirtschaftlichen Überlebensstrategie ist."

Am Ende gehe es nur am Verhandlungstisch weiter, so Wagner. Dazu müssten die beiden Parteien vielleicht eine andere Form finden, "eine Art Psychotherapie oder einen Mediator finden, um überhaupt heraus zu kristallisieren, geht was?".

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