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Tochter von Sacharow-Preisträger - "Alles, was er versucht hat, war zu helfen"

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Die Tochter des uigurischen Aktivisten Tohti nimmt für ihren inhaftierten Vater den Sacharow-Preis entgegen. Die Hoffnung auf Freilassung gibt sie nicht auf, sagt sie dem ZDF.

ZDF: Wie wichtig ist der Preis für Ihren Vater?

Jewher Ilham: Der Preis ist eine Anerkennung für seine Arbeit. Mein Vater wollte den friedlichen Dialog zwischen den Han-Chinesen und den Uiguren fördern. Er hat Lösungen angeboten, um systematische Ungerechtigkeiten in der Region zu bekämpfen. Anstatt diese Lösungsvorschläge anzunehmen, hat die chinesische Regierung meinen Vater ins Gefängnis gesteckt und ihn lebenslang verurteilt.

ZDF: Vor seiner Verhaftung war er Wirtschaftsprofessor in Peking. Wie konnte es dazu kommen, dass er so gefährlich für die chinesische Regierung wurde?

Jewher Ilham: Ich finde nicht, dass mein Vater eine Gefahr für die chinesische Gesellschaft ist. Mein Vater kann nicht mit dem Wort "gefährlich" in Verbindung gebracht werden. Er hat nie jemandem etwas getan. Alles, was er mit seiner Arbeit versucht hat, war zu helfen. Und das in einer sehr friedlichen Art und Weise: Er hat Artikel geschrieben, er hat unterrichtet, er hat mit den Medien gesprochen. Und das alles in einer sehr moderaten Sprache und mit Lösungsvorschlägen.

ZDF: Wir wissen, dass über eine Million Menschen in sogenannten Umerziehungslagern leben. Was erwarten Sie von der internationalen Gemeinschaft?

Jewher Ilham: Es ist eine sehr missliche Lage, dass so viele unschuldige Menschen in diesen Lagern eingesperrt sind. Es ist wichtig, dass sich die internationale Gemeinschaft einbringt. Dass sich Wissenschaftler weltweit zusammentun und öffentliche Briefe an die chinesische Regierung schreiben. Und ich möchte die internationale Gemeinschaft dazu aufrufen, keine Produkte mehr zu kaufen, die in solchen Lagern hergestellt wurden. Wenn es niemanden mehr gibt, der diese Produkte kauft, dann gibt es auch keine Legitimation für die Existenz dieser Arbeitercamps. Ich würde außerdem dazu drängen, dass Sanktionen gegen Unternehmen und Politiker verhängt werden, die diese Lager unterstützen. Ich denke, das sind ganz logische Schritte, die ich hier verlange. Ich verlange nicht, dass man sich politisch einmischt. Das hier ist keine politische, sondern eine humanitäre Angelegenheit.

Junge Männern der Volksgruppe der Uiguren an der Seidenstraße, China

Fragen und Antworten - Wer sind die Uiguren? 

Die "China Cables" haben die Verfolgung und Internierung von Uiguren enthüllt. Wer sind die Uiguren, wo leben sie und worin besteht ihr Konflikt mit der chinesischen Regierung?

ZDF: Sie leben in den USA. Es ist das einzige Land, dass bereits aktiv geworden ist und Maßnahmen gegen die Verfolgung der Uiguren eingeleitet hat. Ist das Ihrer Arbeit zu verdanken?

Jewher Ilham: Es leben sehr viele Uiguren in den USA, viele von ihnen haben Freunde oder Verwandte in den Lagern und haben deshalb hart gearbeitet, damit sich die US-Regierung damit beschäftigt und handelt. Sie haben zum Beispiel Briefe geschrieben, Kontakt zum Kongress und Politikern aufgenommen. Dass etwas passiert ist, liegt also nicht alleine an mir, sondern an der Gemeinschaft von Uiguren und Nicht-Uiguren, die sich in den USA dafür einsetzen.

ZDF: Sie haben Ihren Vater 2013 das letzte Mal gesehen. Haben Sie Hoffnung, dass Sie ihn jemals wieder sehen?

Jewher Ilham: Ich bin ein positiver Mensch, deshalb glaube ich, dass mein Vater eines Tages freigelassen wird. Mein Vater hat mir beigebracht: Gebe die Hoffnung niemals auf. Und deshalb hoffe ich weiterhin, dass ich ihn wieder sehe. Aber am Ende ist es nicht das Entscheidende, ob ich ihn jemals wieder sehe: Hauptsache, er ist in Sicherheit, frei und glücklich.

ZDF: Welche Botschaft möchten Sie Ihrem Vater ins Gefängnis nach China mitgeben?

Jewher Ilham: Ich möchte, dass er nicht aufgibt. Er hat mir immer beigebracht, dass ich Hoffnung haben soll und stark sein soll. Als ich meinen Vater das letzte Mal gesehen habe, das war kurz vor seiner Verhaftung am Flughafen in Peking, sagte er noch zu mir: Weine nicht. Lass sie dich nicht weinen sehen. Lass andere nicht denken, dass wir Uiguren schwach sind. Sei stark.

Die Fragen stellte Gunnar Krüger, ZDF-Studio Brüssel

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