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Umweltmaut in London - Baby, you can drive your car - aber es wird teuer

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Als weltweit erste Stadt führt die britische Metropole London heute eine "Ultra-Umwelt-Zone" ein. Fahrverbote gehen damit zwar nicht einher, aber für ältere Modelle wird es teuer.

In London werden Maßnahmen für bessere Stadtluft ergriffen: Fahrer älterer Autos müssen ab sofort eine neue Umweltmaut von umgerechnet etwa 14,50 Euro pro Tag zahlen.

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London führt heute als weltweit erste Stadt eine "Ultra-Umwelt-Zone" ein (Ultra Low Emission Zone, kurz ULEZ). Ältere Benziner und Diesel, die nicht dem Euro VI Standard entsprechen, müssen ab sofort für jede Fahrt in die Innenstadt 12,50 britische Pfund (etwa 14,50 Euro) Umweltabgabe zahlen. Mit der bereits bestehenden Gebühr für die bisherige Umweltzone, die 2003 eingeführt wurde, summiert sich das an Werktagen auf 24 Pfund (28 Euro).

Welcher Bereich von London ist betroffen? 

Stadtpanorama von London (Archivbild)
Betroffen von der neuen Zone sind vorerst die City of London, Westminster und Gebiete südlich der Themse.
Quelle: Reuters

Der Bereich der ULEZ entspricht dem Gebiet der bisherigen Umweltzone: die City of London, Westminster und Gebiete südlich der Themse. Im Wesentlichen alle Innenstadtbereiche. Aber schon 2021 wird es radikaler: Die Ultra Umweltzone wird auf weite Teile Londons ausgedehnt und entspricht dann dem gesamten urbanen Stadtgebiet. Lediglich einige Vororte sind dann noch ausgenommen. Ab heute werden täglich bis zu 60.000 Fahrzeuge davon betroffen sein.

Für welche Fahrzeuge gilt die neue Regelung? 

Verkehr in London
Lediglich die Bewohner der Innenstadtbezirke sind vorerst von zusätzlichen Kosten ausgenommen.
Quelle: dpa

Die zusätzlichen Gebühren zahlen die größten Verschmutzer. Ausgenommen sind Benziner, ab Euro 4 (NOx) Standard, Diesel dürfen erst mit Erreichen von Euro 6 (NOx und PM) ohne Aufschlag in die Innenstadt. Das Gleiche gilt für Kleintransporter, Minibusse und andere kleinere Spezialfahrzeuge. Lkw, Busse und schwere Kraftfahrzeuge müssen Euro VI vorweisen können, um nicht zur Kasse gebeten zu werden. Motorräder, die keine Euro 3 Norm erreichen, müssen ebenfalls draufzahlen. Keine zusätzlichen Kosten entstehen (vorerst) für die Bewohner der Innenstadtbezirke. Für Busse und Lkw wird es extra teuer: Es werden 100 Pfund zusätzlich kassiert.

Wie wird überprüft?

Seit der Einführung der alten Umweltzone 2003 ist der Innenstadtbereich flächendeckend mit Kameras mit Kennzeichenerkennung ausgerüstet. Jede Einfahrt in den Umweltzonenbereich wird registriert, den Kameras zu entwischen ist praktisch ausgeschlossen. Einige Kilometer vor der Umweltzone wird auf Hinweisschildern bereits vor der ULEZ gewarnt, Fehler passieren selten. Es ist möglich, sein Auto zu registrieren, sodass jede Fahrt automatisch abgebucht wird. Sonst kann per App oder online bezahlt werden.

Bei versehentlichem Einfahren in die Zone kann bis 24 Uhr am nächsten Tag noch nachgezahlt werden. Wer versäumt zu zahlen, erhält einen Bußgeldbescheid über saftige 160 britische Pfund (etwa 186 Euro). Diese Summe reduziert sich bei Zahlung innerhalb von 14 Tagen auf die Hälfte. 

Archiv: Straßenverkehr auf der Brixton Road in Lambeth, London
Straßenverkehr auf der Brixton Road in Lambeth, London
Quelle: dpa

Warum macht London das Fahren mit dem Auto so teuer?

Archiv: Sadiq Khan
Londons Bürgermeister Sadiq Khan will die Luftverschmutzung in der Stadt deutlich reduzieren.
Quelle: Reuters

Bürgermeister Sadiq Khan (Labour) hat den Kampf gegen die Luftverschmutzung zu einer Priorität seiner Amtszeit erklärt. Die Idee stammt bereist von Amtsvorgänger Boris Johnson (Tories). In den nächsten fünf Jahren werden für diese und ähnliche Luftverbesserungsmaßnahmen 800 Millionen Pfund zur Verfügung gestellt. Die Einrichtung der ULEZ soll die Autofahrer und -fahrerinnen unter den 8,7 Millionen Einwohnern veranlassen, ihr Gefährt öfter stehen zu lassen oder auf solche umzusteigen, die weniger umweltschädlich sind.

London hat unter den europäischen Städten mit die schlimmste Luftverschmutzung, erwartet wird eine deutlich verbesserte Luftqualität. An vielen Tagen im Jahr werden zulässige Werte um ein Vielfaches übertroffen. Nach einer neueren Studie der Londoner Universität King’s College ist Luftverschmutzung in der Stadt für etwa 9.000 frühzeitige Tode pro Jahr verantwortlich. 

Warum ist London besonders stark betroffen? 

In London kommen mehrere Faktoren zusammen, die sich negativ auswirken. Die Innenstadt hat eine weitgehend mittelalterliche Straßenstruktur: Enge und gewundene Straßen, nicht gerade optimal für starken Autoverkehr. Dazu kommen hohe Häuser, die Abgase schlecht abziehen lassen. Autos kommen auf vielen Straßen nur auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von wenigen Meilen pro Stunde. Ohne sich fortzubewegen produzieren sie Abgase. Eine Situation, die eher an asiatische Metropolen denken lässt.

So ist London auch neben Peking und Delhi ganz oben auf der Rangliste der durch Stickstoffdioxid (NO2) verschmutzten Städte. In Großbritannien haben 39 Prozent der Fahrzeuge einen Dieselantrieb, laut Gary Fuller, Forscher am King’s College wird "ein großer Teil der Verschmutzung um uns herum, von Dieselfahrzeugen verursacht." 

Folgen andere Städte dem Londoner Beispiel?

Nicht auf gleiche Art und Weise. Aber in England werden einige andere Großstädte (wahrscheinlich Birmingham, Leeds, Nottingham, Derby und Southampton) ab 2020 Fahrverbote aussprechen. In Paris, wo bereits alle vor 1997 gebauten Autos werktags zwischen 8 und 20 Uhr nicht in die Stadt fahren dürfen, plant man noch Radikaleres. Vom nächsten Jahr an werden die Beschränkungen ausgedehnt, dann sind alle vor 2005 gebauten Fahrzeuge aus der Stadt verbannt. Ab 2024 soll es in der französischen Hauptstadt dann keine Dieselfahrzeuge und ab 2030 gar keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr geben. 

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