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Kletterverbot am Uluru - "Das ist heute die letzte Chance"

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Ab sofort ist Klettern am Uluru verboten. Bevor das Verbot in Kraft trat, gab es noch einmal einen großen Touristen-Ansturm auf den "Heiligen Berg" in Australien.

Wenn man sich dem Uluru nähert, sieht man schon von Weitem die endlose Schlange von Menschen, die auf den Berg klettern. Sie sehen aus wie Ameisen, gereiht an einer Schnur. Unweigerlich kommen einem die Bilder vom Mount Everest aus diesem Frühjahr in den Sinn, als sich unzählige Bergsteiger am höchsten Gipfel der Erde gestaut hatten. Doch nun könnte der Unterschied in der Wüste Australiens nicht größer sein: Touristen aus aller Welt laufen zum Teil in Flipflops, Shorts und bei über 35 Grad auf den Uluru, der unter seinem englischen Namen "Ayers Rock" weltweit bekannt geworden ist.

Behörden kommen Forderung der Anangu nach

Mit dem Gipfelsturm ist nun ab Samstag Schluss. Die lokalen Behörden verbieten ab sofort die Besteigung des Uluru, eine Sperrung, für die die Anangu - so heißen die lokalen Aborigines - lange gekämpft haben. Im ersten Schritt erhielten sie 1985 den Berg und das Land, das ihn umgibt, zurück. Der Uluru gilt ihnen als heilig.

Zwar hatten die Behörden diese Entscheidung bereits vor knapp zwei Jahren verkündet, doch offenbar wurde vielen Australiern und Touristen erst in den vergangenen Tagen und Wochen bewusst, dass sie nun endgültig ist. Die Folge: ein Ansturm von mehr als 1.000 Besuchern pro Tag, die auf den letzten Drücker noch nach oben wollen. Der nahe gelegene Campingplatz ist ausgebucht, genauso alle Hotels in der Umgebung.

Touristen-Ansturm auf den letzten Drücker

Anna Herrmann und Stella Müller, zwei Rucksackreisende aus Deutschland
Anna Herrmann und Stella Müller waren unter den letzten Touristen, die auf den Uluru kletterten.
Quelle: ZDF

Und auf den allerletzten Drücker nach oben wollen auch Anna Herrmann und Stella Müller. Die beiden Rucksackreisenden aus Deutschland stehen an diesem Freitag mit 300 anderen Touristen ab 6 Uhr in der Früh in der Schlange, zwar "mit einem schlechten Gewissen", wie sie sagen, aber: "Die Neugierde ist stärker. Das ist heute die letzte Chance." Doch die beiden müssen sich gedulden, der Wetterdienst meldet zu starken Wind auf dem Gipfel des 348 Meter hohen Sandsteinmonolithen inmitten des Outbacks im australischen Bundesstaat Northern Territory.

Erst um 10 Uhr hat das Warten ein Ende, die Ranger öffnen eine Pforte - und die Karawane zieht los, begleitet von Buhrufen von Vincent Forrester, einem Anangu. "Es ist derart respektlos. Diese Touristen treten unsere Kultur mit Füßen", sagt er. Worte, die ein paar Meter weiter verhallen. "Ich weiß, es ist respektlos gegenüber den Einheimischen", sagt Carel Teseling aus Australien, "aber die Besteigung stand auf meiner Liste, was ich unbedingt noch einmal machen wollte".

Klettern verboten - Besuchen erwünscht

Vor drei Wochen veröffentlichte die Zeitung "The Weekend Australian" ein Titelfoto über die gesamte Breite ihrer Ausgabe, das diese Absurdität auf den Punkt brachte: Menschen, die sich auf dem steilen Hang auf den Füßen stehen, auf allen vieren klettern, sitzen und darauf warten, dass es weiter nach oben geht. "Was ist bloß mit den Menschen los?", fragte ein Twitter-User entsetzt. Zudem ist der Weg nach oben nicht ungefährlich. 35 Todesopfer gab es bislang, trotz Handlauf, an dem sich die Kletterer festhalten konnten, und trotz temporärer Sperrungen bei Wind, Regen und Dunkelheit.

Der Uluru ist kein Spielplatz oder Disneyland.
Sammy Wilson, Gremiumsmitglied der Parkverwaltung

Der Interessenkonflikt zwischen Besuchern und den Anangu besteht seit Jahrzehnten. "Dies ist nicht euer Berg. Wir wollen uns um ihn kümmern und ihn angemessen behandeln. Weiße Menschen haben ihn uns genommen, aber das Land gehört uns", sagt Donald Fraser, ehemaliges Mitglied der Verwaltung des Uluru-Kata-Tjuta-Nationalparks. Sammy Wilson, der aktuell im Gremium der Parkverwaltung sitzt, ergänzt: "Der Uluru ist kein Spielplatz oder Disneyland. Wir beenden nur das Klettern. Die Touristen können ja trotzdem noch zu uns kommen und aufs Land gucken. Sie werden glücklich nach Hause fahren."

Uluru bei Australien-Touristen hoch im Kurs

Viele Touristen sind gekommen, um ihre letzte Chance zu nutzen, auf den Uluru zu klettern
Mittlerweile finden über 300.000 Besucher pro Jahr den Weg zum Uluru. Klettern dürfen sie ab jetzt nicht mehr.
Quelle: ZDF

Und genau das werden Ingrid und Friedhelm Meyer tun. Eigentlich wollte das Ehepaar aus Fockbek bei Rendsburg während seines Australienurlaubs den Uluru besteigen. "Aber wir haben unsere Meinung geändert und uns bewusst gegen den Aufstieg entschieden", sagt Ingrid Meyer. "Dafür sind wir komplett um den Uluru gewandert. Und das war traumhaft", sagt ihr Ehemann.

Die Entscheidung, den Uluru zu sperren, war und ist in Australien umstritten. Immerhin ist der Berg neben dem Great Barrier Riff und dem Opernhaus in Sydney eine der meistbesichtigten Sehenswürdigkeiten des Landes - und seit 1987 Weltnaturerbe der Unesco. Umfragen haben ergeben, dass 80 Prozent der Besucher das Verbot unterstützen. Gegner der Entscheidung führen an, dass die Anzahl der Besteiger seit Jahren rückläufig sei. Allerdings stimmt das nur in Relation zur Gesamtzahl. 13 Prozent der Touristen, die den Weg ins Outback finden, kletterten bislang hoch, vor 20 Jahren waren es noch 74 Prozent. Doch mittlerweile finden über 300.000 Besucher pro Jahr den Weg zum Uluru, ein Plus von 22 Prozent allein zum Vorjahr.

Bußgeld und Gefängnis bei Verstoß gegen das Kletterverbot

Wer weiterhin auf den Uluru klettern will, dem drohen nun zwei Jahre Haft und knapp 40.000 Euro Geldbuße. "Besucher können doch immer noch außen herum laufen", sagt Theresa Nipper von der Nationalparkverwaltung. Sie appelliert an die Touristen: "Tun Sie dem Berg nicht weh, er ist heilig für uns."

Und was sagt eigentlich die Politik zur Schließung? "Man sollte diesen Ort einfach respektieren", erklärt Malarndirri McCarthy, Politikerin der Arbeitspartei. Doch davon hält Pauline Hanson überhaupt nichts. "Dieser Berg gehört allen Australiern", sagte die rechtsnationale Politikerin vor ein paar Wochen vor dem Uluru - und stieg demonstrativ hinauf, begleitet von einem Kamerateam des australischen Fernsehens. Das Karma holte die streitbare Politikerin allerdings schnell ein - Pauline Hanson bekam Höhenangst, brach den Gipfelsturm ab und benötigte Hilfe beim Abstieg.

Der Uluru/"Ayers Rock" ist für die Ureinwohner ein heiliger Ort
Eine Wanderung um den Uluru ist weiterhin für Besucher gestattet.
Quelle: ZDF
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