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Commerzbank: Es geht ans Eingemachte

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Institut stellt Strategie vor - Commerzbank: Es geht ans Eingemachte

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Die Commerzbank bleibt unter Druck und baut weiter um. Sie streicht Tausende Stellen, trennt sich von Filialen und Tafelsilber. Heute stellt das Geldhaus die neue Strategie vor.

Commerzbank
Stellenstreichungen, Fillialschließungen, Verkauf der polnischen Tochter - die Commerzbank geht ins Volle.
Quelle: epa

4.300 Stellen werden gestrichen, etliche Filialen sollen schließen: Diese Grundzüge des "Strategie-Updates" hat das Geldhaus vor einer Woche bereits veröffentlicht. Nötig war das, weil die Fusionspläne mit der Deutschen Bank im Frühjahr geplatzt sind. Die Details der Strategie hat der Aufsichtsrat nun in den vergangenen beiden Tagen diskutiert.
Denn klar ist: Es geht ans Eingemachte. "Es sind stürmische Zeiten", schrieb Commerzbank-Chef Martin Zielke an seine Mitarbeiter. Er rechne mit weiteren "Marktbereinigungen in der europäischen Bankenlandschaft".  

Die Sorgen: sinkende Zinsen, schwächelnde Konjunktur

Die Lage der Branche verschärfe sich wegen des aktuelle Zinsniveaus und der Konjunkturabkühlung. Deshalb sieht sich die Bank gezwungen, den Personalabbau voranzutreiben. 4.300 der 48.644 Stellen (Stand Ende Juni) werden nochmals gestrichen, allerdings 2.000 an anderer Stelle aufgebaut. "Wir werden nun alles dafür tun, den erforderlichen Personalabbau so fair und sozialverträglich wie möglich zu gestalten", versprach Zielke den Mitarbeitern in seinem Brief.

Doch die Lage ist ungemütlich. Das zeigt sich auch daran, dass die Commerzbank, die lange an ihrer Filialstrategie festgehalten hat, nun ihr Filialnetz doch ausdünnt: 200 der bisher 1.000 Filialen werden geschlossen. Die Direktbanktochter Comdirect soll vollständig übernommen werden. Und schließlich prüft die Commerzbank einen Verkauf ihrer polnischen Tochter mBank.

Kritik an geplantem Verkauf der polnischen Tochter

Vor allem dieser Verkauf der als Ertragsperle im Konzern geltenden Tochter kommt an den Finanzmärkten gar nicht gut an. Damit ziehe sich die Bank aus ihrem - am Umsatz gemessen - zweitwichtigsten Markt Polen zurück: Das moniert etwa Jan Lennertz, Analyst von Independent Research: "Das reduziert die Attraktivität der Bank für eine Übernahme deutlich." Außerdem erhöhe sie ihre Abhängigkeit vom "chronisch margenschwachen deutschen Heimatmarkt", kritisiert die Ratingagentur Moody’s. So werde die Bank sich schwertun, ihre Erträge zu stabilisieren. Und selbst wenn sie es schaffen sollte, ihr Ziel einer Rendite von vier Prozent zu erreichen, dann sei das im internationalen Vergleich immer noch eine "sehr niedrige Zahl".

Es sind aber offenbar vor allem finanzielle Gründe, die das Management der Bank zu dieser Entscheidung gebracht haben. Zwei Milliarden Euro könnte der Verkauf der verbliebenen Anteile von 69 Prozent an der mBank in die Kasse spülen. Geld, das die Mutter dringend braucht:

  • Die Restrukturierung kostet 850 Millionen Euro,
  • weitere 750 Millionen benötigt das Geldhaus für die Modernisierung seiner IT-Infrastruktur.


Wie schlecht es um die IT der Commerzbank steht, war in den letzten Monaten immer wieder zu erleben: Anfang Juni konnten gut acht Stunden lang bei betroffenen Konten weder Lastschriften noch Überweisungen noch Daueraufträge verbucht werden, Ende Juni waren dann Geldautomaten und Kartenzahlungen betroffen.

Tausende neue Kunden 2018

Diese Investitionen sind also dringend nötig. Vor allem, weil die Kunden immer stärker die mobilen Kanäle der Bank nutzen wollen - die Verschmelzung der Direktbanktochter comdirect ist eine Reaktion darauf, die andere eben, doch die Filialstrategie zu überdenken. Die Commerzbank muss jedenfalls reagieren, weil sie stark unter dem Niedrigzinsumfeld leidet und die Erträge gesunken sind. In den vergangenen Jahren ist es ihr zwar gelungen, über Prämien Tausende neue Kunden zu gewinnen, es könnte jedoch länger dauern, bis sich das aber merklich in den Gewinnen niederschlägt.

Damit bleibt die Commerzbank in einer schwierigen Lage - zehn Jahre nach dem Einstieg des Bundes. Der hatte die Bank während der Finanzkrise stabilisiert und ist immer noch mit gut 15 Prozent Anteilseigner. Der Einstieg damals sei richtig gewesen, sagt Daniel Zimmer, Direktor des Instituts für Handels- und Wirtschaftsrecht an der Universität Bonn. Denn auf dem Höhepunkt der Finanzkrise habe die Sorge bestanden, dass beim Ausfall eines großen Instituts das Finanzsystem im Ganzen Schaden nehme, mit unabsehbaren Folgen nicht nur für die Kreditwirtschaft, sondern auch für den Zahlungsverkehr.

Fortbestehende Staatsbeteiligung "ein Fehler"

Institute in staatlicher Hand haben immer den Nimbus, dass sie nicht pleitegehen. Diesen Wettbewerbsvorteil hat die Commerzbank seither.
Daniel Zimmer, Wirtschaftsrechtler

"Dass der Staat immer noch beteiligt ist, das ist ein Fehler", moniert er. Denn er habe damit nicht nur Steuergelder verbrannt, sondern vor allem den Wettbewerb verfälscht. "Institute in staatlicher Hand haben immer den Nimbus, dass sie nicht pleitegehen. Diesen Wettbewerbsvorteil hat die Commerzbank seither." Für die Commerzbank-Anteile hätte man Käufer finden können - wenn auch nicht unbedingt im Inland, meint der Wirtschaftsrechtler.

Tatsächlich hatten sich zwischenzeitlich neben der Deutschen Bank auch verschiedene ausländische Institute an der gelben Bank interessiert gezeigt, sich aber inzwischen wieder zurückgezogen.

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