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Russische Botschaft in den USA - Kaltes Kriegsspiel mit Straßennamen

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Das ist mehr als eine Spitze gegen Putin: Washington benennt die Straße vor der russischen Botschaft nach dem Kreml-Kritiker Nemzow. Die Antwort aus Moskau folgt prompt.

Die Straße vor der russischen Botschaft in Washington wird umbenannt in Boris Nemtsow Plaza. Dieser wurde vor vier Jahren ermordet und galt als Putinkritiker.

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Der Kalte Krieg ist wieder da, zumindest ein bisschen. "Trollen" zwischen den USA und Russland geht nicht nur über Twitter und andere soziale Netzwerke - sondern auch über Straßennamen. Konkret geht es in Washington derzeit um die "Wisconsin Avenue", an der die russische Botschaft zu Hause ist. Auf Initiative des republikanischen Senators Marco Rubio und des Washington City Councils ist der Straßenabschnitt vor der Botschaft heute im Rahmen einer feierlichen Zeremonie umbenannt worden, und zwar in "1 Boris Nemzow Plaza", nach dem russischen Reformpolitiker und Kritiker Putins, der exakt vor drei Jahren in Moskau auf offener Straße erschossen wurde.

Washington will eine Spitze setzen, so wie schon einmal, damals in den 1980ern, als man die Straße vor dem alten Gebäude der sowjetischen Botschaft in Washington "Sakharov Place" benannt hat. Damals protestierte man damit gegen die Inhaftierung des russsichen Regimekritikers Andrej Sacharow. Und nun: eine Art neuer ausgestreckter Mittelfinger Washingtons gen Moskau?

Ein Spitze gegen Trump

Es ist ein Affront gegenüber Moskau, aus Protest: Der Ukraine-Krieg, Russland auf der Seite Assads im Syrien-Krieg, stapelweise Beweise für eine russische Einmischung in die US-Präsidentschaftswahl im Jahr 2016 - vielen in den USA reicht es jetzt. So twitterte Senator Rubio, als die Umbenennung der Straße vor der Botschaft entschieden war: "Es ist offiziell: Dies soll eine Erinnerung sein an Putin und seine Kumpanen, dass Mord, Gewalt und Einschüchterung nicht den Dissens ersticken können."

Russische Botschaft in Washington
Russische Botschaft in Washington Quelle: dpa

Doch das neue Straßenschild ist auch eine Spitze gegen Präsident Trump. Vielen in der Bevölkerung, in Washington und im Kongress - auch einigen in der eigenen Partei - ist der Mann im Weißen Haus zu Putin-freundlich. Auch dagegen soll der neue Straßenname ein Zeichen setzen. Charles Kupchan vom Council on Foreign Relations (CFR) sagt gegenüber dem ZDF: "In vielen Dingen ist der Kongress nicht willens, gegenüber Präsident Trump Widerstand zu leisten. Aber in diesem Punkt - insbesondere nach der kolportierten Einmischung der Russen in die US-Wahl - will man Druck ausüben auf das Weiße Haus; will man Trump angehen, der in den Augen vieler zu nachsichtig mit Putin ist und keine deutlichen Schritte unternimmt."

Die Reaktion führt zu einer Sackgasse

So hat Washington den russischen Bären geweckt. Und der schlägt nun zurück. Im russischen Fernsehen wird aufgeschreckt und voller Häme über die Initiative in der US-Hauptstadt berichtet. 170 Dollar, so rechnet die Moderatorin dort vor, koste ein Straßenschild inklusive Montage. Macht bei vier Schildern an der Kreuzung 680 Dollar. Man wolle Russland provozieren und halte das in Washington wohl für eine "gelungene Investition". Es folgt eine Art Brainstorming über die passende Antwort der Russen. Eine Idee ist, die Straße vor der US-Botschaft in Moskau ebenfalls umzubenennen - nach in der US-Regierung verhassten Personen, etwa Chelsea Manning oder Edward Snowden.

Einer wird konkret. Auf Drängen des rechtskonservativen Politikers Mikhail Degtyaryov überlegt man in der Duma nun wirklich, die Straße vor der US Botschaft in Moskau umzubenennen - und zwar in "1 North American Dead End", übersetzt: Nordamerikanische Sackgasse. Ende des Monats wird Moskau über den neuen Straßennamen entschieden.

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