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Jede zweite Schule kämpft mit Lehrermangel

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Umfrage unter Rektoren - Jede zweite Schule kämpft mit Lehrermangel

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Der Lehrermangel an deutschen Schulen hat sich laut einer Umfrage verschärft. Die Folge: Es werden mehr Seiteneinsteiger eingestellt - und die sind oft schlecht qualifiziert.

Stühle stehen auf Schultischen in einer Schule
An vielen Schulen fehlen die Lehrer.
Quelle: dpa

Wie beurteilen die Rektoren die Lage an den Schulen? Das hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa zum zweiten Mal untersucht. Im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) wurden insgesamt 1.232 Schulleiter befragt. Beim Schulleiterkongress in Düsseldorf kamen nun besorgniserregende Befunde auf den Tisch. Die Ergebnisse im Einzelnen:

  • Lehrermangel: Mittlerweile haben 55 Prozent der Schulleiter mit Lehrermangel zu kämpfen. Vor einem Jahr hatten noch 36 Prozent von schwerwiegenden Problemen durch Lehrermangel und unbesetzte Stellen berichtet. "Von den eigentlich zur Verfügung stehenden Stellen sind an den betroffenen Schulen durchschnittlich elf Prozent nicht besetzt", erklärt der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann zum Ergebnis der Umfrage. An mehr als jeder dritten dieser Schulen seien es sogar noch mehr. "Der Mangel ist kein Randphänomen, er ist bestimmend für die Schullandschaft geworden", mahnt Beckmann.
  • Inklusion und Integration: Gut jeder vierte Rektor fühlt sich mit der Eingliederung behinderter und ausländischer Schüler überfordert - mit steigender Tendenz. Das Thema landete auf Platz 2 der Problemskala.
  • Belastungen: Als größte Belastungsfaktoren in ihrem Alltag nennen die Schulchefs - wie schon bei der ersten Studie im Vorjahr - das stetig wachsende Aufgabenspektrum (91 Prozent), zunehmende Verwaltungsaufgaben (88 Prozent) und praxisferne Entscheidungen der Politik (86 Prozent) - ebenfalls mit steigender Tendenz.
  • Seiteneinsteiger: 45 Prozent der Schulleiter geben an, bei ihnen unterrichteten Seiteneinsteiger ohne Lehramtsqualifikation. Das sind deutlich mehr als vor einem Jahr (37 Prozent). In zwei Drittel dieser Schulen sind Seiteneinsteiger beschäftigt, die vor ihrem ersten Unterrichtseinsatz keine systematische, pädagogische Vorqualifikation erhalten haben. "Hier setzt sich eine Abwärtsspirale in Gang, die bald nicht mehr aufzuhalten ist", warnt VBE-Chef Udo Beckmann. "Die jahrelange Fehlplanung und das maßlose Draufsatteln von Aufgaben rächen sich jetzt." Vor allem für Kinder aus schwierigem Milieu, die auf professionelle Lehrer mit viel pädagogischem Geschick angewiesen seien, sei die Entwicklung schlecht.
  • Gewalt: Jeder achte Schulleiter hat generell ein Problem mit dem Verhalten seiner Schüler. Geklagt wird über Defizite bei Disziplin und Lernwillen sowie über Verhaltensauffälligkeiten. Das Thema Gewalt nennt hingegen nur einer von 100 Befragten.
  • Note: Die Gesamtbewertung der deutschen Schulpolitik landet laut VBE bei einer 4+ (3,7) - im Vergleich zum Vorjahr eine minimale Verbesserung um ein Zehntel.
  • Empfehlung: Mehr als jeder fünfte Schulleiter würde seinen Beruf "auf keinen Fall" oder "wahrscheinlich nicht" weiterempfehlen. Etwa genauso viele würden das aber "auf jeden Fall" tun. Jeder Zweite beantwortete die Frage nach der Berufsempfehlung mit "wahrscheinlich".
  • Motivation: Trotz allem sagen fast alle Schulleiter, sie übten ihren Beruf sehr gern oder eher gern aus. Vor allem von ihren Kollegen fühlen sie sich unterstützt. Vom Schulministerium sagt das nur jeder Zehnte.
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