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Umfrage zum Tag der Organspende - Jeder Dritte hält Spendesystem für ungerecht

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Die Bedenken sind vielfältig: zu wenig Vertrauen, Gerechtigkeit, Information. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert daher eine Reform des Transplantationssystems.

Archiv: Ein Styropor-Behälter zum Transport von zur Transplantation vorgesehenen Organen steht am 27.09.2012 in Berlin im Operationssaal eines Krankenhauses auf einem Tisch
Eine Organspende kann Leben retten - doch viele Deutsche zweifeln am System.
Quelle: dpa

"Die Organspendekrise scheint auch eine Vertrauens- und Gerechtigkeitskrise zu sein", erklärte die Stiftung in Dortmund. In einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar im Auftrag des Gremiums hätten 50 Prozent der Befragten angegeben, sie empfänden das deutsche Organspendesystem als gerecht. 36 Prozent bezeichneten es als ungerecht. Unter den Befragten über 60 Jahren waren demnach nur 44 Prozent der Ansicht, das System sei gerecht.

Es gebe weiterhin vielfache Bedenken bezüglich der Organspende, so die Stiftung. Sie reichten "von der Todesfeststellung und den Abläufen der Organentnahme bis hin zur Sorge, dass die Behandlung bei möglichen Organspendern zu früh abgebrochen werden könnte oder Angehörige sich nicht verabschieden können." Zudem wirkten sich die Skandale aus früheren Jahren bis heute auf die Spendenbereitschaft aus.

Gerechtigkeit und Vertrauen müssen verbessert werden

Viele Patienten wünschten keine Intensivtherapie bei ihrem eigenen Sterben, hieß es weiter. Die Vorbereitung und Durchführung einer Organentnahme sei jedoch nur unter Intensivtherapie möglich. "Diese Diskrepanz kann durch keine noch so gute gesetzliche Regelung überwunden werden", so die Stiftung. Wenn die Bereitschaft zur Organspende erhöht werden solle, brauche es also Verbesserungen in punkto Gerechtigkeit, Vertrauen und Information.

Infografik: Wie viele Menschen nach dem Tod Organe gespendet haben
Infografik: Wie viele Menschen nach dem Tod Organe gespendet haben
Quelle: irodat.org/ZDF

Stiftungsvorstand Eugen Brysch beklagte, auch die aktuell vorgestellten Gesetzentwürfe ließen diesen Aspekt außer Acht. "Immer noch liegen Verteilungskriterien, Organisation und Durchführung sowie die Kontrolle bei den privatrechtlichen Akteuren der Selbstverwaltung. So ist es nicht verwunderlich, dass die Menschen Zweifel daran haben, dass es gerecht zugeht", sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Ebendiese Zweifel führten dazu, dass nur 36 Prozent der Deutschen einen Organspendeausweis hätten - dabei stünden laut Bundesgesundheitsministerium 84 Prozent der Bevölkerung der Organspende grundsätzlich positiv gegenüber.

Gesetzentwürfe streben Neuregelung an

Mit zwei konkurrierenden neuen Gesetzentwürfen strebt der Bundestag eine Neuregelung an. Eine Gruppe Abgeordneter um Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht vor, dass alle Volljährigen automatisch als Organspender gelten, außer man widerspricht. Eine andere Gruppe will, dass alle Bürger mindestens alle zehn Jahre beim Ausweis-Abholen auf das Thema Organspende angesprochen werden. Derzeit müssen mögliche Spender aktiv zugestimmt haben, bevor ihnen Organe entnommen werden können.

"Eine Organspende ist größtmögliche Solidarität", schrieb Spahn am Samstag zum Tag der Organspende in einem Gastbeitrag für die "Passauer Neue Presse". "Man ermöglicht jemand anderem weiterzuleben." Er warb darin erneut für sein Konzept.

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