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LobbyControl mahnt Politik - Kritik an "Kuschelkurs" mit Autobauern

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Empörung über Schadstofftests mit Affen und Menschen, mitfinanziert von Auto-Lobbyisten. Die Regierung müsse den "Kuschelkurs" mit Autobauern beenden, fordert LobbyControl.

BMW und Daimler distanzieren sich von einer Lobby-Gruppe, die an Menschen und Tieren Stickstoffdioxid-Auswirkungen testen ließ. Tests zur Argumentationshilfe, um Diesel-Motoren in einem möglichst ‚günstigen Licht‘ erscheinen zu lassen.

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Die Empörung ist groß, seitdem bekannt wurde, dass Lobbyisten der Autoindustrie Schadstofftests mit Affen und Menschen mitfinanzierten. "Der Fall zeigt, mit welch manipulativen Methoden die deutschen Autokonzerne dem Diesel ein umweltfreundliches Sauber-Image verpassen wollten", sagte Christina Deckwirth von der Organisation LobbyControl. "Das erinnert an die Fake-Science-Methoden der Tabak- oder Lebensmittelindustrie: Wissenschaftler finanzieren, um die gesundheitlichen Schäden ihrer Produkte zu bagatellisieren und schärfere Gesetze abzuwenden." Sie forderte die Bundesregierung auf, ihren "Kuschelkurs" mit der Autoindustrie zu beenden.

Uni Aachen verteidigt Tests

Die Bundesregierung zeigte sich über die Abgas-Tests empört. Ein solches Vorgehen sei ethisch in keiner Weise zu rechtfertigen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Dagegen verteidigte die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) in Aachen, an der die Studie zur Stickstoffdioxid-Belastung an Menschen erstellt wurde, die Tests und betonte, sie stünden in keinem Zusammenhang zur Dieselabgas-Affäre. Vielmehr sei es um die gesundheitliche Belastung am Arbeitsplatz gegangen.

Gefördert wurde die Aachener Studie, die in den Jahren 2013 und 2014 durchgeführt wurde, nach Angaben der Hochschule von der Europäischen Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT), eine von VW, Daimler und BMW finanzierte Lobby-Initiative. Der mittlerweile aufgelöste Verein habe aber keinen Einfluss auf die Studie genommen, betonte die Universität. Die EUGT beauftragte Medienbereichtne zufolge auch Abgasstudien an Affen, die 2014 in den USA stattfanden. Diese Tests sollen Teil einer Studie gewesen sein, die die Wirksamkeit von Abgasreinigung bei Diesel-Autos beweisen sollte.

VW-Konzernchef kündigt Konsequenzen an

VW-Konzernchef Matthias Müller nannte die Tests inakzeptabel und kündigte "alle nötigen Konsequenzen" an. "Die damals von der EUGT in den USA praktizierten Methoden waren falsch, sie waren unethisch und abstoßend. Mit Interessensvertretung oder wissenschaftlicher Aufklärung hatte das nichts, gar nichts zu tun», sagte Müller am Montagabend in Brüssel: "Mir tut es leid, dass Volkswagen als einer der Träger der EUGT an diesen Vorgängen beteiligt war. [...] Es gibt Dinge, die tut man schlicht nicht."

Volkswagen hatte sich bereits für die in den USA durchgeführten Versuche entschuldigt, bei denen Affen Schadstoffen ausgesetzt worden waren. Die Tests waren Teil einer Studie, die beweisen sollte, dass die Diesel-Schadstoffbelastung dank moderner Abgasreinigung erheblich abgenommen hat.

Uni-Ethikkommission erlaubte Studie

Die RWTH und das Universitätsklinikum Aachen verwiesen darauf, dass ihre Studie bereits im Jahr 2012 und damit lange vor Bekanntwerden des Dieselskandals initiiert wurde. Sie habe die Arbeitsplatzsicherheit etwa von Kfz-Mechanikern, Lkw-Fahrern und Schweißern verbessern sollen. Die Studie sei von der Ethikkommission der Universität Aachen genehmigt worden, hieß es.

25 Teilnehmer wurden in Aachen den Angaben nach drei Stunden lang "unter strengstens medizinisch und technisch kontrollierten Bedingungen" NO2 ausgesetzt. Dabei lagen die unterschiedlichen Belastungen "deutlich unter den Konzentrationen, wie sie an vielen Arbeitsplätzen in Deutschland auftreten können", wie die Hochschule und das Universitätsklinikum erklärten. Es sei kein Mensch zu Schaden gekommen.

Schadstofftests: Fragen und Antworten

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