"Das ist keine Kopftuch-Ausstellung"

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Umstrittene Schau über Muslim-Mode - "Das ist keine Kopftuch-Ausstellung"

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Von Haute Couture bis zu Sport-Fashion: "Contemporary Muslim Fashions" ist weltweit die erste Schau, die sich mit muslimischer Mode auseinandersetzt. Das ist nicht unumstritten.

Bunt. Das ist tatsächlich der erste Eindruck, wenn man die Schau "Contemporary Muslim Fashions" im Museum Angewandte Kunst betritt. Die insgesamt rund 100 sehr schlanken Schaufensterpuppen zeigen meist fließende lange Kleider in Rot, Türkis, Orange, Weiß oder Zartrosa, oft ist Seide das Material der Wahl.

Wenige Kopftücher in der Ausstellung

Längst nicht alle der Modelle tragen Kopftücher. "Das ist keine Kopftuch-Ausstellung", betonte Kuratorin Mahret Kupka am Mittwoch bei der Pressevorbesichtigung. "Es wird einige überraschen, dass relativ wenige Kopftücher in der Ausstellung zu sehen sind." Die Schau wolle mit dem "Stereotyp" brechen, dass jede muslimische Frau ein Kopftuch trage.

Die Schau präsentiere "eine Momentaufnahme aktueller muslimischer Kleidungsstile aus aller Welt", sagte Museumsdirektor Matthias Wagner K. Es sei "die erste große Ausstellung, die sich mit dem Phänomen zeitgenössischer muslimischer Mode auseinandersetzt". Die Schau hatte bereits in den Fine Arts Museums of San Francisco (FAMSF) für Furore gesorgt. Nun wird sie in Frankfurt als erster Station in Europa gezeigt - und hat auch hier schon vor dem Start heftige Diskussionen ausgelöst.

Offener Brief moniert

Zahlreiche Reaktionen vor der Ausstellungseröffnung zeigen, dass hier in Deutschland eine Bedrohung für Musliminen mit und ohne Kopftuch von Menschen ausgeht, die sie aufgrund ihres Glaubens nicht als Teil der Gesellschaft begreifen wollen.
Museumsdirektor Wagner K.

Islamkritische Gruppen monierten, dass die Ausstellung die muslimische Kleiderordnung verharmlose. Eine iranische Gruppe "Migrantinnen für Säkularität und Selbstbestimmung" betonte in einem offenen Brief, die Schau sei "ein Schlag ins Gesicht" von Frauenrechtlerinnen. Die Ausstellung ignoriere den Kampf von Frauen in islamischen Staaten, die sich "gegen den Zwang zu Verschleierung und Verhüllung einsetzen" und dafür ihre Freiheit, Unversehrtheit und ihr Leben riskierten.

Andere beließen es nicht bei Kritik: Das Museum bekam auch bedrohliche "Hassmails", wie der Direktor berichtete. Erstmals in der Geschichte des Hauses werde es deshalb Taschenkontrollen und Leibesvisitationen geben - "zur Sicherheit der Besucher". Zahlreiche Reaktionen vor der Ausstellungseröffnung zeigten, "dass hier in Deutschland eine Bedrohung für Musliminnen mit und ohne Kopftuch von Menschen ausgeht, die sie aufgrund ihres Glaubens nicht als Teil der Gesellschaft begreifen wollen".

"Positives Bewusstsein für muslimische Kultur"

Die Ausstellung verschweigt also nicht, dass Frauen in manchen Regionen und Ländern dieser Welt im Kampf gegen Bekleidungsvorschriften drakonische Strafen befürchten müssen."
Direktor

Die Ausstellung wolle dagegen "ein positives Bewusstsein für muslimische Kultur fördern, indem die Vereinbarkeit des Islam mit der westlichen Welt praktisch gelebt vor Augen geführt wird". Die Ausstellung umfasse auch Fotografien, TV-Beiträge und Social-Media-Material von Frauen, die sich kritisch mit Bekleidungsvorschriften, patriarchalischen Strukturen und Fremdbestimmung auseinandersetzen, so der Museumsdirektor. "Die Ausstellung verschweigt also nicht, dass Frauen in manchen Regionen und Ländern dieser Welt im Kampf gegen Bekleidungsvorschriften drakonische Strafen befürchten müssen."


Die gezeigten Kreationen von zumeist jungen Designerinnen unterliefen aber gerade die "oft eindimensionale westliche Vorstellung von muslimischer Bekleidung, wonach Haare, Teile des Gesichts und Körperpartien unter diversen Schichten dunkler Stoffe verborgen sind". Bei der Auswahl von Designern haben sich die Kuratorinnen besonders auf den Nahen und Mittleren Osten, Malaysia und Indonesien sowie Europa und die USA konzentriert. Der Markt für muslimische Mode wächst den Angaben zufolge weltweit rasant - von Haute Couture über Streetwear bis zu Sportbekleidung. 44 Milliarden Dollar würden jährlich auf dem Markt für "Modest Fashion" (dt.: zurückhaltende Mode) umgesetzt.

Die Ausstellung wurde im Vorfeld auch als "Burka-Ausstellung" diffamiert. Dabei ist dort eine Burka (Vollschleier) gar nicht zu sehen. "Zumindest nicht als Kleidungs- und Modestil", sagt der Museumsdirektor. Es gebe in der Ausstellung aber Fotografien, die sich kritisch mit dem Thema Burka auseinandersetzten. Die Ausstellung ist bis 15. September zu sehen.

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