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Umweltbewegung - Ökoanbau: Lateinamerikas große Chance

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Zurück zur ökologischen und regionalen Produktion - für die "Campesinos" in Lateinamerika wäre das eine echte Chance. Zuvor muss allerdings noch ein anderes Problem gelöst werden.

Ein Mann erntet Kaffee in Kolumbien
Kaffeeernte in Kolumbien
Quelle: imago/Aurora Photos

Alexander von Loebell nennt sich selbst einen "Bionier". Der Deutsche Bio-Bauer hat vor ein paar Jahren in Kolumbien erfolgreich eine Biomarktkette etabliert und ist damit so etwas wie ein Vorreiter der ökologischen Nahrungsmittelproduktion in dem lateinamerikanischen Land. Zumindest wenn man die letzten Jahrzehnte betrachtet. "Eigentlich sind die Campesinos und die Indigenen die wahren Öko-Bauern Lateinamerikas - und zwar schon seit Jahrhunderten", sagt von Loebell.

Eigentlich sind die Campesinos und die Indigenen die wahren Öko-Bauern Lateinamerikas.
Alexander von Loebell

Aber deren Wissen ist der Zeit verloren gegangen. Schuld daran war in den 1950er Jahren die sogenannte "Revolution Verde" (die grüne Revolution) in Kolumbien, die allerdings alles andere als grün im Sinne von Umweltverträglichkeit war. US-Firmen wie Kellogs setzten in Kolumbien die Agrar-Revolution um. Industrielle Produktion mit Hilfe von Pestiziden und Agrar-Chemie war das große Thema und wirkt bis heute nach.

Langsam, ganz langsam schwappt nun die Umwelt- und Klimaschutzbewegung "Fridays for Future" auch nach Lateinamerika über. Noch sind die Teilnahmezahlen nicht so groß wie in Europa. "Für Lateinamerika ist das aber eine große Chance", sagt von Loebell. In Ländern wie Peru, Ecuador oder Chile ist die ökologische Produktion bereits ein wichtiger Wirtschaftszweig, in Kolumbien dagegen steckt sie noch in den Kinderschuhen.

Deutscher Bio-Bauer in Kolumbien: Alexander von Loebell
Deutscher Bio-Bauer in Kolumbien: Alexander von Loebell
Quelle: ZDF/Tobias Käufer

"Im reichen Norden Bogotas, aber auch in anderen Städten wie in Medellín oder Cali gibt es inzwischen einen Anlieferservice der Bauern direkt zum Kunden", berichtet von Loebell. Immer mehr zahlungskräftige Kundschaft sei bereit, die Produkte direkt vom Bauern zu kaufen. Genau das ist das Ziel der Klima- und Umweltschützer: regionale Produkte ohne große Transportwege, eine weitgehend klimaneutrale Produktion.

Es tut sich was in Kolumbien

Doch dem zarten Pflänzchen der Öko-Bewegung in Kolumbien fehlt die Unterstützung der Politik. Deswegen sei eine Bewegung wie "Fridays for Future" so wichtig, um Druck auf die Entscheidungsträger auszuüben, sagt von Loebell. Ein einzelner Campesino könne sich zum Beispiel das Öko-Siegel für umgerechnet 1.500 Euro gar nicht leisten. Und um seine Felder zu entgiften, seien erst mal ein Jahr Pause nötig, doch die finanziert ihm keine Agrarbank, berichtet von Loebell.

Grüne Bürgermeister-Kandidatin Claudia Lopez findet bei der Jugend Gehör
Claudia Lopez
Quelle: ZDF/Tobias Käufer

Doch es tut sich was in Kolumbien. In Bogota, einer der größten Städte Südamerikas, gehört mit Claudia Lopez eine grüne Politikerin zu den aussichtsreichsten Kandidatinnen bei den anstehenden Kommunalwahlen. Sie will eine ökologische Wende durchsetzen, fährt auch mal demonstrativ mit dem Fahrrad ins Parlament.

Die Jugend beginnt, sich für Umweltfragen wie Fracking zu interessieren und gegen die umstrittene Ölfördermethode zu mobilisieren. Auch die katholische Kirche mischt mit. Der Leitspruch von Papst Franziskus: Tierra, Techo y Trabajo (Land, Obdach und Arbeit) findet sich inzwischen in vielen Parteiprogrammen wieder. Er zielt auch darauf ab, Campesinos wieder Zugang zu einem eigenen Stück Land zu ermöglichen.

Umweltbewegung stößt auf Widerstand

In Brasilien, wo der rechtspopulistische Präsident Jair Bolsonaro plant, immer mehr Teile des für das Weltklima so wichtigen Amazonas-Regenwaldes der Agrarindustrie zu opfern, beginnt sich eine neue junge Umweltbewegung zu etablieren. Sie kündigt erbitterten Widerstand an. Es sind allerdings nicht nur die konservativen Regierungen, die beim Klimaschutz passen: Venezuelas gesamter Staatshaushalt basiert auf dem Verkauf des Klimakillers Erdöl. Kubas Kommunisten freuen sich über neue Rekorde im Tourismus und wollen mit Hilfe von Millionen-Investitionen noch mehr Touristen einfliegen lassen, am liebsten gut betuchte Golfspieler.

Doch mit reiner Bauernromantik ist es nicht getan. Das größte Problem für eine tief greifende Umstellung der landwirtschaftlichen Produktion auf eine klimaschonende Methode sind die Märkte und die Agrarlobby. Lateinamerikas Kaffeebauern erleben gerade eines der dunkelsten Jahre überhaupt. Weil an den Börsen der Kaffeemarkt abstürzt, droht zehntausenden Familien der Absturz in die bittere Armut. Gleichzeitig fahren aber Kaffeekonzerne wie Starbucks oder Tchibo riesige Gewinne ein, weil sie Geschäfte mit dem Endkunden machen und von den niedrigen Kaffeepreisen profitieren.

Trockene Sommer machen Kaffeebauern zu schaffen

Luis Enrique Salcedo berichtet über gefährlich trockene Sommer in der Sierra Nevada
Luis Enrique Salcedo
Quelle: ZDF/Tobias Käufer

Warum Lateinamerika dringend eine Kehrtwende in der Klimaschutzpolitik braucht, kann Luis Enrique Salcedo berichten. Er ist Mitglied der kommunalen indigenen Verwaltung in der Sierra Nevada de Santa Marta in Kolumbien. Auch sein Volk baut im höchst gelegenen Küstengebirge Kaffee an. Doch vor wenigen Wochen brannte es lichterloh im Nationalpark auf 3.500 Metern Höhe. 70 Fincas in denen indigene Familien ihre Produkte herstellten, gingen in Flammen auf. "Seit 20 Jahren haben wir keine so trockenen Sommer mehr gehabt", berichtet Salcedo verzweifelt. Das Vieh verendete, oft regnete es wochenlang nicht.

Wir Indigenen haben Erfahrung im Schutz der Natur, von Regenwäldern oder Flüssen. Wir können das. Man muss uns nur lassen.
Luis Enrique Salcedo

"Früher gab es im Sommer alle 15 Tage mal einen kräftigen Regenschauer, heute gibt es sechs Wochen lang keinen Tropfen." Salcedo freut sich über das Umdenken der jungen Generation und macht dem Rest der Welt ein Angebot: "Wir Indigenen haben Erfahrung im Schutz der Natur, von Regenwäldern oder Flüssen. Wir können das. Man muss uns nur lassen."

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