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Mehrheit will mehr Engagement fürs Klima

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Studie zu Umweltbewusstsein - Mehrheit will mehr Engagement fürs Klima

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Klima-Streiks, Bienen-Volksbegehren: Viele Menschen wollen Zukunftsfragen mitentscheiden. Nicht nur die Europawahl, auch eine Studie belegt ein gestiegenes Umweltbewusstsein.

Risse am Rheinufer durch die anhaltende Trockenheit. Archivbild
Risse am Rheinufer durch die anhaltende Trockenheit. Archivbild
Quelle: Martin Gerten/dpa

Der Stellenwert von Umwelt- und Klimaschutz wächst in der Wahrnehmung der Bevölkerung immer weiter an. Das ist das Ergebnis einer Studie zum Umweltbewusstsein, die das Bundesumweltministerium (BMU) gemeinsam mit dem Umweltbundesamt (UBA) heute vorgestellt haben. Die Studie wird alle zwei Jahre durchgeführt, 4.000 Bürger nehmen an der Befragung teil.  

Zustand der Umwelt deutlich schlechter bewertet

Kernaussage des 90 Seiten umfassenden Reports ist: Die Menschen in Deutschland sind mehrheitlich der Ansicht, dass Industrie, Bund und Kommunen noch nicht genug für Umwelt und Klima tun. Insbesondere in den Bereichen Landwirtschaft und Mobilität nehmen die Menschen zu wenig politisches Engagement wahr. Mit der Umsetzung der Energiewende hingegen sind die meisten Befragten weitgehend einverstanden - allerdings müsste sie zügiger gestaltet werden.

Diese Befunde verstehe ich als Auftrag. Der Staat muss für bessere Rahmenbedingungen beim Klimaschutz sorgen.
Bundesumweltministerin Svenja Schulze

Insgesamt  bewerten die Menschen den Zustand der Umwelt in Deutschland deutlich schlechter als in früheren Umfragen. "Diese Befunde verstehe ich als Auftrag. Der Staat muss für bessere Rahmenbedingungen beim Klimaschutz sorgen. Darum setze ich mich für einen sozial gerechten CO2-Preis und ein verbindliches Klimaschutzgesetz ein", so Bundesumweltministerin Svenja Schulze.

Hohe Erwartungshaltung

Das Insektensterben, die Diskussion um die Luftqualität in den Städten oder der Plastikmüll in den Meeren zeigen, wie sehr unsere natürlichen Lebensgrundlagen gefährdet sind.
UBA-Präsidentin Maria Krautzberger

Die Studie zeigt, dass die Menschen in Deutschland Umweltschutz als Aufgabe aller Politikbereiche ansehen. 64 Prozent sehen ihn als eine wichtige Herausforderung an - 11 Prozentpunkte mehr als in der letzten Befragung. Ein schlechteres Zeugnis im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren stellt die Bevölkerung allen Akteuren in Bezug auf deren Handeln aus. Nur acht Prozent sind  etwa mit dem Engagement der Industrie  zufrieden, mit dem der Bundesregierung 14 Prozent.

Diese Befragungsergebnisse sind für UBA-Präsidentin Maria Krautzberger ein Weckruf an alle: "Das Insektensterben, die Diskussion um die Luftqualität in den Städten oder der Plastikmüll in den Meeren zeigen, wie sehr unsere natürlichen Lebensgrundlagen gefährdet sind."

Schwerpunktthemen der diesjährigen Studie:

  • Energie: Den Zielen der Energiewende stimmen die Befragten mehrheitlich zu. Die Treibhausgase müssten zügig reduziert werden - so die Forderung. 95 Prozent finden die Steigerung der Energieeffizienz durch neue Technologien für das Gelingen der Energiewende wichtig. 92 Prozent befürworten den Ausbau der erneuerbaren Energien. Gleichzeitig sind 81 Prozent der Meinung, dass die Energiewende zu langsam vorangeht. Was die Kostenverteilung allerdings anbelangt, so wird eine sozialgerechte Verteilung angemahnt. Nur 12 Prozent sehen die Kosten der Energiewende derzeit gerecht verteilt.
  • Landwirtschaft: Die Befragten sind sensibilisiert für die Umweltauswirkungen der Landwirtschaft. Etwa zwei Drittel betrachten den Rückgang der Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren sowie den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln als sehr große Probleme. So wünschen sich 68 Prozent der Befragten, dass Umwelt- und Klimaaspekte in der Landwirtschaftspolitik engagierter behandelt werden müssen. Mehrheitlich (86 Prozent) besteht der  Eindruck, dass sich Ackerbau und Tierzucht an den Interessen der Industrie orientiert.
  • Verkehr: Mobilitätsbedingte Umweltprobleme wie Lärm, Abgase und Feinstaub im Straßenverkehr zu verringern, fordern 89 Prozent. Im Alltag herrsche jedoch nach wie vor der motorisierte Individualverkehr vor. Und 89 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die aktuelle Verkehrspolitik von den Interessen der Wirtschaft gesteuert wird. Lediglich 27 Prozent haben den Eindruck, dass sich die Mobilitätspolitik am Bürgern orientiert und lediglich 21 Prozent meinen, dass Umwelt- und Klimaschutz eine Rolle spielen.

Luft nach oben beim Bürgerengagement

Der Studie ist ein starker Ruf nach geteilter Verantwortung zu entnehmen. Die Menschen in Deutschland erwarten, dass Umwelt und Klima künftig als Querschnittsaufgabe auszuweiten und in viele Politikfelder integriert wird. Aber auch das Engagement  jedes einzelnen Bürgers wird derzeit noch kritisch beurteilt: Nur 19 Prozent der Befragten finden, dass die Bürger genug dafür tun, um die Umwelt sowie das Klima zu schützen.

Leider kann man nicht davon ausgehen, dass sich das Bewusstsein für Umweltthemen auch direkt auf ein umweltgerechtes Handeln auswirkt.
Tamara Pfeiler, Psychologin

Persönlichkeitspsychologisch ist das aber erklärbar: "Leider kann man nicht davon ausgehen, dass sich das Bewusstsein für Umweltthemen auch direkt auf ein umweltgerechtes Handeln auswirkt", erklärt Tamara Pfeiler, Psychologin an der Universität Mainz. Das Umweltbewusstsein spiegle erst einmal Wissen darüber wieder, welche Faktoren sich wie auf die Umwelt, die Natur, unsere Erde auswirken. "Zwischen dem Bewusstsein und dem tatsächlichen Verhalten sind jedoch noch viele Barrieren enthalten, die ein umweltgerechtes Verhalten verhindern können"

Christine Elsner arbeitet in der ZDF-Umweltredaktion.

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