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UN-Flüchtlingskommissar - Grandi: Europas Strategie zu kurzsichtig

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UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi hält die Flüchtlingspolitik der Europäer für zu kurzsichtig. Sie müssten strategischer denken und Fluchtursachen bekämpfen, sagte er im ZDF.

Sehen Sie hier das Interview mit UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi, im ZDF heute journal.

Beitragslänge:
5 min
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Der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi, hat im ZDF die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel gelobt. "Die Kanzlerin sagt die richtigen Dinge: dass Flüchtlinge, Vertriebene, die vor Gewalt, Krieg und Verfolgung in vielen Teilen der Welt flüchten, internationalen Schutz brauchen. Und das stimmt." Deutschland habe unter ihrer Führung eine sehr wichtige Rolle gespielt, Merkel denke "ganz richtig, dass diese Verantwortung breiter geteilt werden muss". Das sei auch die Position des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge.

Grandi: Flüchtlinge sind Menschen, keine Zahlen

Grandi wirft, ohne konkret zu werden, einigen Politikern und Regierungen in Europa vor, lieber abzuwarten, bis sich eine Lage verschlimmere, um dann zu sagen, die Krise sei nicht mehr handhabbar. "Denn so bekommt man mehr Konsens, als wenn man konkrete Maßnahmen vorschlägt, wie man damit umgehen soll."

Seine Rolle sieht Grandi darin, die Regierungen zu unterstützen. "Mein Punkt ist", sagte Grandi weiter, dass wir nicht nur die Rechte der Flüchtlinge berücksichtigen müssen, sondern auch die Würde der Flüchtlinge. Das sind ja Menschen." In der "sehr politisierten Umgebung" würden sie aber nur "als Zahlen, als Bedrohung, als Last betrachtet". Dem wolle seine Organisation entgegenstehen und Fakten vorlegen und ein vernünftiges Bild der Lage zu zeichnen.

Grandi sagte, Europa sei besessen davon, den Zuzug von Flüchtlingen, insbesondere aus Libyen, zu begrenzen. "Das ist eine kurzsichtige Strategie. Denn das erlaubt keine Maßnahmen dort einzusetzen, wo es wichtig ist. Es geht ja darum, Frieden nach Libyen zu bringen. Dafür müsste Europa zusammenarbeiten und einheitlich vorgehen. Das passiert noch nicht." Grandi appelliert an die europäischen Regierungen, die Anstrengungen zu unterstützen, um die Kämpfe in Libyen zu stoppen.

Krieg, Armut, Klimawandel

Doch auch dies reiche nicht aus: "Selbst wenn man Frieden nach Libyen bringt, muss man sich mit den Gründen der Flucht beschäftigen, warum Menschen flüchten." Er nannte Gewalt und Krieg, Armut sowie Klimawandel. "Europa muss strategischer denken, wenn Europa wirklich die Anzahl der Menschen verringern will, die unnötigerweise an die Küsten Europas getrieben werden."

Es gebe Kriege in Afrika, "die produzieren diese Vertreibung und das könnte man lösen mit ein bisschen mehr politischem Willen. Und Einheit bei der Willensbildung", erklärte Grandi. "Und davon hat Europa in der jüngsten Zeit nicht so viel gezeigt." Er betonte, dass die Flüchtlinge längst nicht mehr in großer Zahl nach Europa strömen. Dies bedeute aber nicht, dass die Fluchtursachen gelöst seien. Die Menschen seien in Afrika, im Nahen Osten, in Asien auf der Flucht. "Die sind in armen Ländern, und Europa hat sowohl eine Verpflichtung als auch ein interesse daran zu hlefen, diese Probleme dort zu lösen."

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