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UN-Sondergipfel - Wer beim Klima nicht mitredet

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Beim UN-Sondergipfel zum Klima präsentieren die Länder heute ihre Ambitionen - allerdings nur die, die auch handeln. Wichtige Akteure fehlen oder halten sich zurück. Ein Überblick.

Kohlekraftwerk in den USA
Kohlekraftwerk in den USA
Quelle: AP

UN-Generalsekretär António Guterres war im Vorfeld kompromisslos: Auf dem Klima-Sondergipfel in New York hat nur Rederecht, wer auch tatsächlich neue Ambitionen vorzuweisen hat. Und so fehlen auf der Redner-Liste Länder wie Saudi-Arabien, Japan, Australien und Brasilien. US-Präsident Donald Trump schickt eine Büroleiterin aus dem Außenministerium, die aber nicht vor der Versammlung sprechen wird. Russland ist nur mit dem Vize-Premierminister vertreten.

Brasilien

Anteil an weltweiten Emissionen: 2,3 Prozent

Zwischen 2005 und 2012 konnte Brasilien seine Emissionen in der Landnutzung und Forstwirtschaft um 86 Prozent senken. Doch dieser positive Trend scheint nun vorbei zu sein. Grund dafür ist die massive Abholzung des Regenwalds. Dabei ist der Erhalt des Amazonasgebiets für den Klimaschutz von zentraler Bedeutung. Brasilien gilt als grüne Lunge des Planeten, das weltweit größte Regenwaldgebiet speichert riesige Mengen an Kohlenstoff und gehört zu den sogenannten Kippelementen des Klimasystems.

Umso größer die Sorge von Umweltschützern, als Jair Bolsonaro seine Präsidentschaft 2018 antrat. Er ist bekennender Klimawandelskeptiker, will Naturparks und indigene Gebiete zur wirtschaftlichen Ausbeutung freigeben. Nach seinem Amtseintritt kürzte er das Gesamtbudget der Umweltbehörde um fast die Hälfte, das für Klimaschutz sogar um 95 Prozent. Der Fokus des Präsidenten könnte deutlicher kaum sein: Er will landwirtschaftliche Nutzfläche gewinnen.

Waldbrände am Amazonas
Waldbrände am Amazonas: Laut dem staatlichen Klimainstitut Inpe stiegen im August die Brandrodungen um 222 Prozent gegenüber August 2018.
Quelle: dpa

Laut dem staatlichen Klimainstitut Inpe stiegen im August die Brandrodungen um 222 Prozent gegenüber August 2018. Die Bilder des brennenden Regenwalds schockierten in den letzten Wochen die Weltgemeinschaft: So wurde beispielsweise in Sao Paulo der Tag zur Nacht, weil Rauchschwaden von zehntausenden Brandherden den Himmel verdunkelten. Zwar hatten die G7-Länder Hilfe bei der Löschung der Feuer angeboten, doch Bolsonaro verbat sich jede Einmischung.

Russland

Anteil an weltweiten Emissionen: 4,6 Prozent

Mit einem Ausstoß von jährlich rund zwei Gigatonnen Treibhausgasen liegt Russland relativ stabil im Ländervergleich auf Platz vier. Auch wenn Präsident Wladimir Putin vor dem Hintergrund brennender Wälder und tauender Permafrostböden von einer "ernsten Herausforderung" spricht, wird sein Klima-Engagement von Kritikern als "unzureichend" eingestuft.

Vor allem beim Ausbau erneuerbarer Energien hinkt das Land hinterher. Putin erklärt immer wieder gerne, dass er von Windanlagen nichts hält. Im letzten Klima-Index landete Russland abgeschlagen nur auf Rang 52. Zum Klimagipfel in New York ist Russland jetzt offiziell per Regierungs-Verfügung dem Klimaschutzabkommen von Paris beigetreten.

Die USA

Anteil an weltweiten Emissionen: 13 Prozent

In der globalen Klimapolitik spielen die USA eine entscheidende Rolle. Zunächst hatte Präsident Trump angekündigt, nicht zu kommen - überraschend besuchte er dann doch kurz den Klimagipfel in New York. Präsident Trump zweifelt den menschengemachten Klimawandel immer wieder an und verkündete bei seinem Amtseintritt 2017, dass die USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen austreten. Er wolle amerikanische Interessen als oberste Priorität setzen. Die offizielle Kündigung ist erst drei Jahre nach Inkrafttreten des Abkommens möglich, gefolgt von einer Übergangsfrist von einem Jahr. Diese endet am 3. November 2020 - einen Tag nach den nächsten Präsidentschaftswahlen.

Den "Clean Power Plan" seines Vorgängers Barack Obama möchte Präsident Trump durch eine neue Regelung ersetzen, der "Affordable Clean Energy". Während Obama die CO2-Bilanz im Energiesektor ab 2030 um 32 Prozent senken wollte, versprach Trump schon im Wahlkampf, dass er die amerikanische Kohleindustrie retten wolle. So wurden die Grenzwerte für den Ausstoß von Treibhausgasen für Kraftwerke bereits gelockert, die Richtlinien für die Emissionen von kohle- und gasbetriebenen Kraftwerken sollen die Bundesstaaten nun selbst setzen.

Kohlekraftwerk bei Juliette, USA
Kohlekraftwerk bei Juliette: Die Grenzwerte für den Ausstoß von Treibhausgasen für Kraftwerke wurden unter US-Präsident Trump bereits gelockert.
Quelle: dpa

Mehrere Bundesstaaten und Städte haben gegen die aufgeweichten Auflagen Klage eingereicht. Auch ohne Trumps Rückhalt haben sich in den USA Gouverneure, Bürgermeister und einige Unternehmen zusammengeschlossen und versuchen seit 2017, die Pariser Klimaziele auf Staatenebene einzuhalten. Trotzdem landeten die USA im letzten Klimaschutzindex auf dem 59. Platz. Noch schlechter schnitt nur Saudi-Arabien ab.

Japan

Anteil an weltweiten Emissionen: 3,0 Prozent

Japan will seine Treibhausgasemissionen bis 2030 um 26 Prozent reduzieren - im Vergleich zu 2013. Dieses wenig ambitionierte Ziel dürfte das Land problemlos erreichen. Klimaschützer kritisieren aber, dass es keine klare Politik in diese Richtung gibt und dass vor allem der Ausbau der erneuerbaren Energien stärker vorangetrieben werden müsste. Beim letzten Klimaschutzindex kam Japan deshalb nur auf einen schlechten 49. Platz. Grundsätzlich bekennt sich die Regierung in Tokio unter Shinzo Abe aber zum Klimavertrag von Paris und zur Reduktion von Treibhausgasen.

Sarah Schommer und Mark Hugo sind Redakteure der ZDF-Umweltredaktion.

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