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Umweltkonferenz der UNO - Startschuss gegen Plastikmüll im Meer?

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Der Müll im Meer ist eines der drängenden Themen, mit denen sich ab heute die UN-Umweltkonferenz in Nairobi befasst. Dort könnte der Startschuss zu einem globalen Abkommen fallen.

Plastikmüll am Strand
Plastikmüll am Strand
Quelle: dpa

"Die Zeit rennt uns davon." Mit so deutlichen Worten fordert die derzeitige Leiterin des UNO-Umweltprogramms (UNEP), Joyce Musya, die Weltgemeinschaft zum Handeln auf. "Wir sind über Versprechungen und Politisieren weit hinaus", sagt sie. Es stünden Leben auf dem Spiel und die ganze Gesellschaft "so, wie die meisten von uns sie heute kennen und genießen." Ein eindringlicher Appell zum Start der fünftägigen UNO-Umweltkonferenz im kenianischen Nairobi.

Plastik im Wal-Magen

Dort treffen sich Minister, Staatssekretäre und Regierungschefs, um über die größten globalen Umweltprobleme zu reden. Eines davon: Der stetig wachsende Müll im Meer. Als "Kronzeuge" könnte ein im vergangenen November an der indonesischen Küste tot angespülter Wal dienen. In seinem Magen wurden 115 Plastikbecher, zwei Flip-Flop-Sandalen, vier Plastikflaschen, 25 Plastiktüten, ein Nylonsack und mehr als 1.000 weitere Plastikteile gefunden - insgesamt fast sechs Kilo Müll.

Schätzungen gehen davon aus, dass weit mehr als 100 Millionen Tonnen Müll die Weltmeere verschmutzen, jährlich kommen vermutlich zehn Millionen Tonnen dazu. Vor allem Plastik treibt dort in gewaltigen Strudeln oder verdreckt die Strände. Eine Gefahr ist das nicht nur für Tiere. Denn mit den Jahren zerfällt der Müll in winzige Mikroplastik-Partikel und gelangt über die Nahrungskette schließlich auch auf den Teller. Ein gewaltiges Problem, dessen Lösung gewaltige Anstrengungen bräuchte.

Nur ein Anfang

Könnten sich die Teilnehmer in Nairobi dazu durchringen, ein internationales Abkommen anzuschieben, dann wäre das ein Anfang - mehr aber noch nicht. Denn bis es zu einer Einigung und zur Verabschiedung käme, würden sicherlich Jahre vergehen. Immerhin: Die Bundesregierung wäre für ein solches Abkommen offen, teilte sie auf eine Anfrage der Grünen mit. Da solche Verhandlungen aber schwierig seien, brauche es parallel dazu andere Anstrengungen.

Genau genommen gibt es bereits schon Konventionen und Vereinbarungen gegen die Vermüllung der Umwelt mit Plastikabfall. Das Bundesumweltministerium zählt allein 17 auf. Die Umweltschützer vom WWF verweisen auf mindestens drei weltweit bindende Vereinbarungen zum Schutz der Meere vor Müll. Allerdings: "Das bestehende Stückwerk aus teils freiwilligen Vereinbarungen und teils partiell zuständigen Konventionen hat das Problem der Plastikmüllverschmutzung nicht zurückdrängen können", sagt Alois Vedder vom WWF. Es fehle unter anderem an Ressourcen und an einer wirkungsvollen Koordination.

Mehr Recycling, bessere Technik 

Aber was müsste passieren, um den Müll im Meer zu stoppen? Es bräuchte weltweit bessere Sammel- und Recyclingsysteme, mehr Produkte, die überhaupt recyclingfähig sind. Oft lassen sich zum Beispiel verschiedene Plastikschichten bei Folien gar nicht trennen. In ihrem im November vorgestellten 5-Punkteplan kündigte Bundesumweltministerin Svenja Schulze unter anderem an, die größten Verschmutzer-Staaten - die meisten in Asien - beim Aufbau entsprechender Technologien zu unterstützen. In Deutschland selbst solle schrittweise die Recycling-Quote erhöht und der Verpackungsmüll reduziert werden. Schulze setzt dabei aber meist auf Freiwilligkeit, was Umweltschützer kritisieren.

Zu den "anderen Anstrengungen" zählt sicher auch ein Strategieplan der EU. Eine Richtlinie fordert zum Beispiel einen spürbaren Abbau von Einweg-Plastiktüten. Plastikteller, Trinkhalme, Wattestäbchen und andere Wegwerfartikel sollen schon bald verboten sein. Das hilft sicherlich beim Umwelt- und Klimaschutz in Europa. Die Vermüllung der Meere anderswo auf der Welt bremst es aber vermutlich kaum.

Keine "faulen Kompromisse"

Verbände wie der WWF hoffen deshalb, dass in Nairobi "ein großer Schritt in Richtung eines globalen Abkommens" gelingt - ohne "faule Kompromisse". Das Hauptziel: Die Mülleinträge in die Weltmeere müssen für alle verbindlich gestoppt werden. "Die aktuelle Entscheidung der Bundesregierung, sich für ein solches Abkommen stark zu machen, muss bei der UN-Umweltversammlung beharrlich über eine Unterstützung der EU-Verhandlungsführung eingelöst werden", fordert Alois Vedder vom WWF.

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