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Undercover in der Moschee - "Nicht der friedliche Islam, den ich kenne"

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Die Assalam-Moschee in Essen gilt als islamistisch und wird deswegen beobachtet. Jetzt ist dem ZDF gelungen, eine junge Muslima undercover in die Moschee einzuschleusen.

Jetzt ist dem ZDF gelungen, eine junge Muslima undercover in die Moschee einzuschleusen.
Jetzt ist dem ZDF gelungen, eine junge Muslima undercover in die Moschee einzuschleusen.
Quelle: ZDF

Die Assalam-Moschee in Essen wird seit vielen Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet. Sie gilt als islamistisch und hat eine zweifelhafte Vergangenheit. Silvio K., ein Mitglied der vor Jahren verbotenen islamistischen Gruppierung Milatu Ibrahim, ging immer wieder zum Beten in die Assalam-Moschee, bevor er sich der Terrororganisation IS anschloss und von dort Deutschland mit einem Anschlag drohte.

Auch die beiden Jugendlichen, die im April 2016 einen Anschlag auf einen Sikh-Tempel in Essen verübten, waren Besucher der Assalam-Moschee. Kurz vor dem Attentat beteten die damals 16-Jährigen dort.

Was geschieht abseits der öffentlichen Predigten?

Diese Moschee hat eine junge Muslima für das ZDF monatelang undercover besucht. Yasmin (Name von der Redaktion geändert) sollte herausfinden, welches Gedankengut abseits der öffentlichen Freitagspredigten vermittelt wird. Denn klar ist, das wissen auch die Sicherheitsbehörden, die eigentliche Radikalisierung findet in separaten Räumen statt, auch in Privatwohnungen.

ZDFzoom: "Yasmin" - Smartphone-Chat
Yasmin wurde erst in WhatsApp-Gruppen aufgenommen, dann zu Treffen eingeladen.
Quelle: ZDF

"Am Anfang war das sehr schwer, die passen richtig auf", sagt Yasmin, die über Wochen die Freitagspredigten im Frauenbereich der Assalam-Moschee verfolgte und dort nach drei Monaten von anderen Frauen zu separaten Treffen eingeladen wurde. "Vorher", sagt Yasmin, "haben sie mich ich in mehrere WhatsApp-Gruppen aufgenommen." Dort seien Videos und Botschaften geteilt und Treffen vereinbart worden. Die 28-Jährige wurde schließlich dazu eingeladen.   

"Was ich da gehört habe, hat mit dem friedlichen Islam, den ich kenne, nichts zu tun", sagt Yasmin. "Es wurde zum Beispiel gesagt, dass es zur Scharia, also zu unserem islamischen Recht, gehört, wenn man gegen die Kuffar kämpft, die Ungläubigen. Als Ungläubige werden alle bezeichnet, die keine Muslime sind. Gehetzt wird vor allem gegen Juden und Christen.

Rolle der Frauen in der Salafistenszene

Yasmin erzählt, dass es bei den Treffen, die an unterschiedlichen Orten, stattfanden, immer eine Frau gab, die eine Art Anführerin war.

Frauen spielten in der Salafistenszene eine große, eine aktive Rolle, sagt Islamismusexpertin Susanne Schröter. Nicht nur, weil sie die nächste Generation erziehen. "Es gibt ein paralleles Netzwerk. Zu dem männlichen Salafismus gibt es ein Frauennetzwerk, das genauso aufgebaut ist, genau die gleiche Bedeutung hat. Und die Frauen sind nicht weniger radikal, sie sind absolut überzeugt von dieser Ideologie, und sie tragen sie weiter. Es sind Frauen, die auch in den Moscheen andere Frauen ansprechen, und dann in diese engeren Zirkel mitnehmen, in denen die weitere Indoktrination stattfindet."

Etwa Hundert Moscheen in Deutschland gelten als islamistisch und werden vom Verfassungsschutz beobachtet. #ZDFzoom zeigt, wie radikale Imame dort Stimmung machen. Sie versuchen besonders Frauen und Kinder zu beeinflussen.

Beitragslänge:
2 min
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Genau das hat Yasmin erlebt, und von den Radikalisierungsversuchen in separaten Treffen weiß auch der Verfassungsschutz. Burkhard Freier, der Präsident des Verfassungsschutzes Nordrhein-Westfalen, spricht aber im ZDF-Interview von hohen rechtlichen Hürden und der Schwierigkeit, konkrete Taten zu beweisen. "Die Erkenntnisse, die wir haben, sammeln wir, geben sie dann weiter an die Strafverfolgungsbehörden und dort wird dann geprüft, ob es ausreicht. Aus der Tatsache, dass das weniger geschieht, muss man nicht schließen, dass weniger beobachtet wird, sondern, dass auch das noch nicht reicht, um ein strafrechtliches Verfahren einzuleiten."

Was sagt die Moschee?

Und was sagt die Assalam-Moschee? Bourmenir Mohammed ist seit 20 Jahren der Vorsitzende der Essener Moschee und predigt dort auch ab und zu als Imam. Der gebürtige Algerier fühlt sich für die separaten Treffen, auch wenn sie in seiner Moschee organisiert werden, nicht verantwortlich: "Wenn die das zu Hause machen, was soll ich da machen? Ich rede über meine Gemeinde hier, ich habe alles unter Kontrolle, hier wird der vernünftige Islam gelehrt, den Alaah herabgesandt hat für die ganze Menschheit."

Doch auch in den Freitagspredigten der Assalam-Moschee wird von ungläubigen Christen und Juden gesprochen, die nicht so viel wert seien wie Muslime. Der Imam verteidigt das. "Das steht im Koran, das können wir ja nicht selber bestimmen. Was im Koran steht, das vermitteln wir weiter."

Fest steht: Der Koran lässt Interpretationen zu, und in vielen Versen werden Muslime, Juden und Christen als gleichwertig bezeichnet. Doch es gibt viele Moscheen in Deutschland, die den Islam nicht friedlich auslegen und die Gläubigen aufhetzen. Wie viele Moscheen hierzulande der Bundesverfassungsschutz als islamistisch einschätzt, will er nicht sagen. Es dürften Hunderte sein. Geschlossen wurden in den letzten Jahren nur fünf.

Der Fall Anis Amri

Wie fatal es enden kann, wenn eine Moschee zu lange nur beobachtet wird, hat der Fall Anis Amri gezeigt. Die Berliner Fussilet-Moschee, die der Tunesier sogar noch kurz vor dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt besuchte, in der er sich wohl auch radikalisierte, wurde erst nach dem Attentat geschlossen. Amri ist verantwortlich für zwölf Tote und mehr als 50 Verletze.

Mehr zu Islamisten in Moscheen sehen Sie in ZDFzoom "Hass aus der Moschee" am 14. November um 22:45 Uhr im ZDF und ab 20 Uhr in der ZDF-Mediathek.

Doku | ZDFzoom - Hass aus der Moschee

Der Verfassungsschutz beobachtet viele radikale Moscheen in Deutschland. "ZDFzoom" kann belegen: Imame rufen in ihren Predigten zu Hass auf und hetzen gegen Juden und Christen.

Videolänge:
28 min
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