ZDFheute

Kapitän des Kreuzfahrtschiffes verhaftet

Sie sind hier:

Nach Schiffsunglück in Budapest - Kapitän des Kreuzfahrtschiffes verhaftet

Datum:

Nach dem Schiffs-Crash in Budapest ist der Kapitän des beteiligten Kreuzfahrtschiffes verhaftet worden. Angehörige und Ermittler aus Südkorea reisen derweil nach Ungarn.

Nach dem Schiffsunglück mit mindestens sieben Todesopfern und 21 Vermissten auf der Donau in Budapest wurde am späten Donnerstagabend der Kapitän des am Unfall beteiligten Kreuzfahrtschiffs verhaftet. Laut ungarischer Polizei hätten sich gegen den ukrainischen Kapitän aufgrund von persönlichen und materiellen Beweisen "begründete Verdachtsmomente" ergeben. Worin dieser Verdacht konkret besteht, wurde erst einmal nicht mitgeteilt.

Einen Tag nach einer der schlimmsten Schifffahrtskatastrophen in der neueren Geschichte Ungarns dauerte die Suche nach den Opfern in der Nacht zum Freitag an - die Hoffnung, dass sie gerettet werden können, schwindet mit fortschreitender Zeit. Zudem erschweren starke Strömungen und schlechte Sichtverhältnisse die Arbeit der Einsatzkräfte. Die Polizei berichtete, dass eine Leiche kilometerweit flussabwärts vom Unglücksort gefunden worden sei.

Innerhalb weniger Sekunden gesunken

Am Mittwochabend, kurz nach 21 Uhr, war ein Ausflugsboot mit Touristen aus Südkorea im Budapester Abschnitt der Donau mit einem viel größeren Kreuzfahrtschiff zusammengestoßen und gekentert. Nach dem Zusammenstoß mit dem Kreuzfahrtschiff versank das Ausflugsboot "Hableany" (Nixe) mit den Südkoreanern an Bord binnen weniger Sekunden. Sieben Passagiere konnten unmittelbar nach dem Unglück gerettet werden. Passagiere von Schiffen, die gerade in der Nähe waren, zogen sie spontan aus dem nur zehn Grad warmen Wasser. Die Überlebenden wurden mit Unterkühlungen in Krankenhäusern behandelt.

Der erste Notruf war um 21.15 Uhr, zehn Minuten nach der Kollision, bei der Polizei eingegangen. Unmittelbar darauf begannen große Such- und Rettungseinsätze von Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz und Rettungsdienst. Große Scheinwerfer beleuchteten die Oberfläche der Donau an der Unglücksstelle.

Hoher Wasserstand, starke Strömung, schlechte Sicht

Pioniersoldaten begannen mit der Konstruktion einer Tauchplattform. Speziell ausgebildete Taucher sollen zum Wrack des gesunkenen Schiffs vordringen und dessen Bergung vorbereiten. Der hohe Wasserstand, die starken Strömungen und die schlechten Sichtverhältnisse erschweren auch hier die Arbeit. "Die Bergung des Wracks kann noch Tage, ja sogar eine Woche dauern", zitierte die staatliche Nachrichtenagentur MTI den Geschäftsführer einer darauf spezialisierten Firma.

Auf dem unter Schweizer Flagge fahrenden Flusskreuzfahrtschiff "Viking Sigyn" wurden weder Gäste noch Besatzungsmitglieder verletzt, wie eine Sprecherin des Unternehmens Viking mitteilte.

Südkoreas Vizeaußenminister Lee Tae Ho äußerte sich in Seoul angesichts des fehlenden Fortschritts bei den Rettungs- und Bergungsarbeiten enttäuscht. Es sei bedauerlich, dass sich an der Lage nichts geändert habe, wurde Lee von der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap zitiert. "Es gab wegen starker Wasserströmungen und schlechter Wetterbedingungen keinen Fortschritt bei den Rettungseinsätzen."

Koreanische Ermittler nach Ungarn geschickt

Der Südkoreanische Präsident Moon Jae In hatte am Donnerstag den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban telefonisch um "aktive Unterstützung" der Rettungsaktivitäten durch die Regierung in Budapest gebeten, wie das Präsidialamt in Seoul mitteilte. Orban selbst äußerte sich "erschüttert" und sprach den Angehörigen sein Beileid aus. Er habe die Behörden aufgefordert, das Unglück gründlich zu untersuchen.

Südkoreas Präsident setzte zudem einen Krisenstab ein, der zusammen mit den ungarischen Behörden "alle verfügbaren Mittel" zur Rettung der Vermissten ergreifen solle. Das Außenministerium entsendete, eine "schnelle Einsatzgruppe" mit 18 Beamten und Rettungskräften an den Unglücksort nach Budapest.

Der südkoreanische Reiseveranstalter Verygoodtour bat die Angehörigen der Opfer um Entschuldigung. Das Unternehmen werde alles tun, um den Opfern und deren Familien zu helfen, sagte der Leiter des Kundenservice, Lee Sang Moo, im südkoreanischen Fernsehen. Nach Berichten der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap waren die meisten Reisenden 40 bis 50 Jahre alt. Auch ein sechsjähriges Kind sei an Bord gewesen.

Abends viel Verkehr auf der Donau

Das 27 Meter lange, für 60 Passagiere ausgelegte Unglücksschiff gehört dem Budapester Schifffahrtsunternehmen Panorama Deck. Ein Sprecher der Firma teilte am späten Mittwochabend mit: "Es werden alle Ressourcen mobilisiert, um Menschenleben zu retten."

Die Donau fließt mitten durch Budapest und trennt die beiden Stadthälften Buda und Pest voneinander. Ausflugsfahrten per Schiff sind auf dem Budapester Flussabschnitt bei Touristen sehr beliebt, weil sich dabei schöne Ausblicke auf Sehenswürdigkeiten wie die Burg von Buda und das Parlamentsgebäude bieten.

In den Stunden nach Sonnenuntergang übt die prächtig beleuchtete Architektur eine besondere Anziehung auf Stadtbesucher aus. In letzter Zeit führte dies zu einem erheblichen abendlichen Verkehrsaufkommen auf der Donau. Einige Experten sprachen von einer Katastrophe, die nicht völlig unerwartet kam.

War Tragödie vorhersehbar?

Die kleinen Ausflugsschiffe, die ihre Passagiere für ein paar Stunden auf der Donau spazierenfahren, würden demnach Gefahr laufen, bei Wendemanövern in die Spur der großen Fluss-Cruiser zu geraten, die sich nur schwer manövrieren lassen. Das ungarische Portal "Index.hu" zitierte einen erfahrenen Bootsmann: "In unseren Kreisen wurde schon öfter darüber geredet, dass das eigentlich sehr gefährlich ist, aber dass es eben so weitergehen wird, bis es zu einer Tragödie kommt, wie sie jetzt eingetreten ist."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.