Sie sind hier:

Krieg und Krisen - UNICEF fordert mehr Geld für Schulen

Datum:

Mehr Geld will die mögliche neue Regierung in Bildung stecken. Weltweit wäre ein Vielfaches nötig, damit alle Kinder in die Schule gehen. UNICEF fordert jetzt mehr Anstrengung.

Schüler in Afrika
Interessiert, wissbegierig: Schüler in Afrika. Quelle: dpa

27 Millionen Sechs- bis 14-Jährige in 24 Ländern gehen derzeit nicht in die Schule. Weil in ihrer Heimat Krieg herrscht, weil sie auf der Flucht sind, weil ihre Schule zerstört ist zum Beispiel. UNICEF, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, fordert deswegen von der internationalen Gemeinschaft mehr Geld zur Finanzierung von Bildungseinrichtungen. "Jedes Kind hat ein Recht auf Bildung", sagte Jürgen Heraeus, Vorsitzender von UNICEF Deutschland, bei der Vorstellung des jährlichen Berichts des Kinderhilfswerks heute in Berlin. Vor allem die wachsende Zahl der Krisenregionen bereite zunehmend Sorgen, so Heraues.

"Krieg frisst sich in Körper und Seele"

Wie wichtig Schule und Unterricht für Kinder in Krisenregionen ist, hat UNICEF-Schirmherrin Elke Büdenbender erst kürzlich in Jordanien und dem Libanon erfahren. "Krieg frisst sich in Körper und Seele", sagte die Frau des Bundespräsidenten. "Tief berührt" habe sie der Besuch des Flüchtlingslagers Al-Asrak in Jordanien, wo viele Flüchtlinge aus Syrien leben. Eine Schule gibt es dort, in eine Art Zwei-Schicht-Betrieb wird morgens und nachmittags unterrichtet. In Klassen mit 50 bis 60 Schülern, die sich manchmal nur schwer konzentrieren können. Wegen der Unruhe, aber auch, weil Krieg und Flucht Spuren hinterlassen. Bei ihnen und bei ihren Eltern. Oftmals sei Schule der einzige Ort, sagte Büdenbender, wo die Kinder nicht mit ihrer traumatisierten Familie allein sind.

Frank-Walter Steinmeier (2.v.l) und Elke Büdenbender (l.) sprechen im Flüchtlingslager Al-Azraq am 29.01.2018 in Jordanien mit einer Flüchtlingsfamilie aus Syrien
Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender im Flüchtlingslager Al-Azraq. Quelle: dpa

Trotz allem, sagte Büdenbender, sei dort spürbar, wie gerne sie in die Schule gehen. "Sie spüren früher als die Kinder bei uns, wie wichtig Bildung ist." Es sei die einzige Hoffnung, um aus dem Lager herauszukommen. Deswegen, so Büdenbender, sei es so wichtig, Schulen und Bildung vor Ort zu finanzieren. Auch damit sich Jugendliche aus finanzieller Not nicht radikalen Gruppen wie der Terrormiliz Islamischer Staat anschließen. Man könne daher nicht warten, bis ein Krieg beendet ist und dann erst Aufbauhilfe leisten. "Bildung kann nicht warten", sagte Büdenbender.

Schulen zunehmend Angriffsziel

UNICEF will in diesem Jahr ein Viertel seines Nothilfe-Budgets, rund eine Milliarden US-Dollar, für Bildungsprogramme investieren. Damit sollen rund neun Millionen Kinder die Chance bekommen, eine Schule zu besuchen. Dafür errichtet die Hilfsorganisation in Krisenregionen Notschulen oder entwickelt Selbstlern-Kurse für Kinder, für die der Schulweg zu gefährlich ist. In Kamerun und Niger gibt es Radio-Lernprogramme für Mädchen und Jungen, die vor Boko Heram fliehen mussten. Für diese Programm und auch um kleinere Klassen mit mehr psychosozialer Hilfe anbieten zu können, fordert UNICEF mehr Geld der internationalen Gemeinschaft. Derzeit habe man für die Nothilfe Planungssicherheit für ein bis zwei Jahre, so Heraues. "Wir brauchen aber Zusagen für fünf bis sechs Jahre."

264 Millionen Kinder haben derzeit weltweit nach Angaben der UNESCO, die Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur der UN, keinen Zugang zur Bildung. Rund die Hälfte dieser Kinder leben in Subsahara-Afrika. Alarmierend: Schulen sind in Krisenregionen zunehmend Ziel von Angriffen. UNICEF zufolge wurden im vorigen Jahr 400 Schulen im Kongo angegriffen, 1.600 Schulen in Jemen sind ganz oder teilweise zerstört. Jede dritte Bildungseinrichtung in Syrien ist außer Betrieb und jede fünfte im Osten der Ukraine zerstört oder beschädigt.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.