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Eltern erschwindeln Studienplatz für ihre Kinder

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Bestechung an US-Universitäten - Eltern erschwindeln Studienplatz für ihre Kinder

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Geschönte Zulassungstests, fingierte Sportkarrieren für Millionen US-Dollar: 50 Eltern sind angeklagt, ihren Kindern mit unfairen Mitteln Studienplätze verschafft zu haben.

Archiv: Campus der Yale Universität am 09.05.2018
Neben Yale sind auch weitere Elite-Universitäten wie Stanford oder die Georgetown University von dem Betrug betroffen. Die Unis selbst müssen wohl nicht mit rechtlichen Konsequenzen rechnen.
Quelle: imago

Es ist die größte Anklage dieser Art, die jemals vom US-Justizministerium verfolgt wurde. Insgesamt 50 Eltern in sechs US-Bundesstaaten sind angeklagt: wegen Bestechung, Verschwörung und Betrug. Mit individuellen Summen zwischen 15.000 und 75.000 US-Dollar pro Test sollen Eltern ihre Kinder an prestigeträchtigen Universitäten wie Yale, Stanford oder der Georgetown University in Washington D.C. eingekauft haben. Insgesamt flossen 25 Millionen US-Dollar. Gezahlt wurden diese Summen beispielsweise für nach oben korrigierte Zulassungstests wie die SATs (Scholastic Assessment Test), ein standardisierter Studierfähigkeitstest.

Andere Eltern erkauften ihren Kindern Sportkarrieren, die diese nie absolvierten. Beispielhaft wird in der Anklageschrift eine Studierende der Yale University beschrieben. So wurde aus einem Mädchen, das überhaupt nicht Fußball spielt, die ehemalige Kapitänin eines Fußballclubs und eine Star-Anwärterin für die Fußballmannschaft der Universität. Kosten für die Eltern: 1,2 Millionen US-Dollar. In weiteren Fällen wurden Fotos von Jugendlichen manipuliert, um den Beweis für Leistungen zu bringen, die jedoch andere erbracht hatten. Die meisten Schüler wussten von nichts.

Gemeinnützige Organisation vom Gründer missbraucht

William Singer am 12.03.2019 in Boston
William Singer
Quelle: ap

Möglich gemacht hat diesen massenhaften Betrug laut US-Behörden William Singer, Gründer des kalifornischen Beratungsunternehmens "The Key" (zu deutsch: der Schlüssel). Auftrag der gemeinnützigen Organisation war es, Jugendliche aus weniger wohlhabenden Familien auf das College vorzubereiten. Singer missbrauchte seine Organisation aber dafür, reichen Eltern einen Studienplatz für ihre Kinder zu garantieren, gegen Bares.

Ein rentables Geschäft - rund 25 Millionen US-Dollar soll Singer zwischen 2011 und Februar 2019 angenommen haben, um Trainer zu bestechen oder Testergebnisse zu fälschen. Auch Prominente wie die Schauspielerin und Emmy-Gewinnerin Felicity Huffman ("Desperate Housewives") oder Lori Loughlin ("Full House") haben diese Dienste in Anspruch genommen.

Drahtzieher drohen bis zu 65 Jahre Gefängnis

In seiner Zeugenaussage sprach Singer von einer Art Hintertür, die er für die Zulassung an Universitäten kreiert habe. Es ist weder ungewöhnlich noch illegal, wenn wohlhabende Eltern einer Universität ihrer Wahl eine großzügige Spende zukommen lassen, um dadurch die Annahme ihrer Kinder zu unterstützen. Eine solche Spende garantiert die Zulassung aber nicht unbedingt. Dadurch, dass Singer Testresultate oder Sportkarrieren einzelner Schüler fälschte, konnte er ehrgeizigen Eltern die Annahme ihrer Sprösslinge an der gewünschten Elite-Universität jedoch sicherstellen. Durch seine Methode hätte er "eine Seitentür geschaffen, die den Familien den Zutritt garantiert". Diese Garantie sei es gewesen, die es für so viele Familien attraktiv gemacht habe, sich an ihn zu wenden.

Die angeklagten Eltern müssen je nach Ausmaß mit einer Geldstrafe oder sogar Gefängnis rechnen, Schauspielerin Felicity Huffman ist momentan auf Kaution frei. Die betroffenen Universitäten haben unmittelbar reagiert und entsprechende Mitarbeiter entlassen oder beurlaubt. Sie selbst müssen wohl nicht mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. William Singer hat sich am Dienstag vor dem Bostoner Gericht schuldig bekannt und ist ebenfalls auf Kaution frei. Seine maximale Haftstrafe als Drahtzieher läge bei bis zu 65 Jahren im Gefängnis. Das endgültige Urteil für sämtliche Angeklagten soll am 19. Juni 2019 gesprochen werden.

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