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UNO meldet neuen Höchststand - Mehr als 68 Millionen Menschen auf der Flucht

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Neuer Höchstwert: Gewalt und Krieg wie in Syrien und Somalia zwingen immer mehr Menschen in die Flucht. Die Entzündungsherde seien weiter virulent, so UNHCR-Vertreter Bartsch im ZDF.

Ein Nachlassen der weltweiten Flüchtlingsbewegung ist nicht zu erwarten. Im Gegenteil: Die Zahl steigt weiter, so der neueste Bericht des UN-Flüchtlingshilfswerks.

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Weltweit sind nach UN-Angaben 68,5 Millionen Menschen im Jahr 2017 auf der Flucht gewesen - damit erreichte die Zahl zum fünften Mal in Folge ein trauriges Rekordniveau. Rund die Hälfte der Flüchtlinge waren Kinder; wie das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR mitteilte. Insgesamt stieg die Zahl der Vertriebenen 2017 um 3,1 Millionen.

Am höchsten war Ende 2017 die Zahl der Binnenvertriebenen: Die Zahl der Menschen, die innerhalb ihres Heimatlandes auf der Flucht waren, lag den Angaben zufolge bei 40 Millionen, etwas weniger als im Jahr zuvor. Besonders Menschen aus Syrien, Afghanistan, dem Südsudan, Myanmar und Somalia sind demzufolge auf der Flucht. 85 Prozent aller Flüchtlinge lebten in Ländern mit niedrigen oder mittlerem Pro-Kopf-Einkommen wie dem Libanon, Pakistan oder Uganda, betonte das UNHCR.

"Viele Entzündungsherde weiter virulent"

"Die globalen Zahlen sind wie ein Fieberthermometer des Weltgeschehens", sagte Dominik Bartsch, UNHCR-Vertreter in Deutschland, im ZDF morgenmagazin. "Es ist wieder ganz klar, dass viele Entzündungsherde weiter virulent sind und dass dementsprechend mehr Menschen Schutz suchen." In Europa seien die Zugangszahlen 2017 um 44 Prozent im Vergleich zu 2016 heruntergegangen, so Bartsch. Dies habe sich in Deutschland klar ausgedrückt und sei unter anderem ein Resultat der Politik. Deutschland erreichten 2017 laut UNHCR knapp 187.000 Asylsuchende, nach 280.000 im Jahr zuvor. 2015 seien es fünf Mal so viele gewesen wie 2017.

Zum Asylstreit der Bundesregierung merkte Bartsch im ZDF an, dass es sich beim Stein des Anstosses für den Streit um eine relativ überschaubare Zahl von Flüchtlingen handeln würde. Es seien weniger als 1.000 Menschen im Monat, die über die österreichische Grenze kämen und davon sei es nur ein Bruchteil von Menschen, die bereits in einem anderen europäischen Land registriert seien. "Da gibt es wirklich größere Baustellen, an denen wir dringend weiter arbeiten müssen", sagte Bartsch. Für die Hilfe in den betroffenen Ländern gebe es noch "Luft nach oben", so Bartsch weiter. Für die Zukunft sei es wichtig, den Menschen "langfristige Perspektiven" anzubieten, um dort zu bleiben.

Laut den Zahlen des Flüchtlingshilfswerks der UN haben 2017 weniger Menschen Asyl in Deutschland beantragt. Weltweit sind die Flüchtlingszahlen jedoch so hoch wie nie zuvor.

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UNHCR-Chef: In keinem Konfliktgebiet ist Lösung in Sicht

Das UNHCR betreute im vergangenen Jahr 19,9 Millionen Flüchtlinge. Um mehr als fünf Millionen palästinensische Flüchtlinge kümmert sich eine eigene UN-Organisation (UNRWA). Flüchtlinge sind für das UNHCR alle Menschen, die aus ihrem Land geflohen sind. Die Zahl der Flüchtlinge wächst nicht nur durch neue Konflikte und Vertreibungen, sondern auch durch Geburten. Die größte Bürde tragen ärmere Länder, wie UNHCR-Chef Filippo Grandi betont: "Manche Leute glauben, die Flüchtlingskrise sei eine Krise in den reichen Ländern. Das ist nicht der Fall." 85 Prozent der Flüchtlinge lebten in teils bitterarmen Ländern oder solchen mit niedrigen oder mittleren Einkommen.

Er appellierte an die humanitäre Verantwortung reicher Staaten. "Niemand wird freiwillig zum Flüchtling. Aber wir anderen können helfen." In keinem Konfliktgebiet sei eine Lösung in Sicht, kritisierte Grandi. Fast 70 Prozent der Flüchtlinge stammen nach Angaben des UNHCR aus fünf Ländern. "Wenn es Lösungen für diese Länder gäbe, könnten die Zahlen deutlich sinken", sagte er. Es handelt sich um Syrien, Afghanistan, den Südsudan, Myanmar und Somalia.

Mehr als die Hälfte der Flüchtlinge ist minderjährig

Unter den Flüchtlingen seien mehr als die Hälfte - 52 Prozent - minderjährig, oft handelt es sich um Kinder, die von ihren Familien getrennt wurden. Die USA waren nach Angaben von Grandi mit einem Beitrag von 1,3 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr der größte Geber des UNHCR. Allerdings hätten sie die Zahl der Plätze für die Umsiedlung von Flüchtlingen von 110.000 auf 45.000 reduziert.

Grandi legt große Hoffnungen in eine neue weltweite Vereinbarung über den Umgang mit Flüchtlingen und Vertriebenen, die im Herbst bei den Vereinten Nationen in New York verabschiedet werden soll. Dabei geht es unter anderem um mehr Geld für die Bekämpfung der Fluchtursachen.

Türkei beherbergt die meisten Flüchtlinge

Kein Land beherbergte 2017 so viele Flüchtlinge wie die Türkei: 3,5 Millionen, überwiegend aus Syrien. In Deutschland hielten sich nach diesen Zahlen im vergangenen Jahr 970.400 Flüchtlinge auf. Deutschland stand damit hinter der Türkei, Pakistan, Uganda, dem Libanon und dem Iran an sechster Stelle der Zufluchtsländer. Gemessen an der Bevölkerung nahm der Libanon am meisten Flüchtlinge auf, gefolgt von Jordanien und der Türkei. Fünf Millionen Vertriebene seien im vergangenen Jahr in ihre Heimatorte zurückgekehrt. Eine permanente neue Heimat fanden nur 100.000 Menschen, 40 Prozent weniger als im Jahr davor. Es seien nicht genügend Plätze angeboten worden, so das UNHCR.

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