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Hinter verschlossenen Türen - Trump nennt Dritte-Welt-Staaten "Drecksloch-Länder"

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US-Präsident Trump hat die Herkunftsländer vieler Einwanderer "Drecksloch-Länder" genannt. Das bezeugte ein hochrangiger US-Senator. Das weltweite Entsetzen ist einmal mehr groß.

US-Präsident Donald Trump, US-Senator Dick Durbin (l) und Steny Hoyer, aufgenommen am 09.01.2018 in Washington
Quelle: reuters

Donald Trump bleibt Donald Trump. Wer zum Ende seines ersten Jahres im Weißen Haus immer noch hoffte, dass sich Trump im Amt wandeln und mäßigen würde, dessen Hoffnungen sind schwer erschüttert worden. Kolportierte vulgäre und rassistisch gefärbte Bemerkungen des US-Präsidenten über Einwanderer senden Schockwellen rund um den Globus. "Warum kommen all diese Menschen aus Drecksloch-Ländern hierher?", soll Trump hinter verschlossenen Türen getobt haben.

"Werft sie raus"

Die Äußerungen fielen bei einem Treffen mit Senatoren zur Einwanderungsreform. Sie bezogen sich laut "Washington Post" auf Immigranten aus dem Karibikstaat Haiti, dem zentralamerikanischen El Salvador sowie aus Afrika. "Warum brauchen wir mehr Haitianer?", sagte Trump demnach auch. Und fügte hinzu: "Werft sie raus!"

Die angeblichen Kommentare des Präsidenten lösten helle Empörung nicht nur bei den oppositionellen Demokraten, sondern auch manchen Mitgliedern seiner eigenen Republikanischen Partei aus. Und sie riefen sogar die Vereinten Nationen auf den Plan. "Sollte sich das bestätigen, sind das schockierende und beschämende Äußerungen", sagte der Sprecher des UN-Menschenrechtsbüros in Genf, Rupert Colville, am Freitag. "Man kann das nicht anders nennen als 'rassistisch'."

Beziehungen zu zahlreichen Ländern gefährdet

Es ist wohl das bislang erste Mal, dass die UNO einen US-Präsidenten offen des Rassismus verdächtigt. Trumps Äußerungen haben das Potenzial, die Beziehungen zu zahlreichen Ländern zu beschädigen. Aus Afrika kamen wütende Reaktionen. Botsuanas Regierung bestellte den US-Botschafter ein.

Trump wies die Berichte über seine Wüterei zwar zurück, allerdings nicht komplett. Dies "war nicht die Sprache, die benutzt wurde", schrieb er im Kurzbotschaftendienst Twitter. Ausdrücklich dementierte der Präsident allerdings nur die abfälligen Bemerkungen über Haitianer - nicht die zu den "Drecksloch-Ländern".

Der demokratische Senator Dick Durbin bestätigte, dass Trump diese Beschimpfung gleich mehrfach ausgestoßen habe. Damit hätte Trump jedenfalls nahtlos an seine früheren Skandaläußerungen über Einwanderer angeknüpft. Seine Wahlkampagne war von rassistisch gefärbter Demagogie durchzogen - so als er mexikanische Einwanderer als "Vergewaltiger" diffamierte. Auch als Präsident geißelt er immer "illegale" Immigranten pauschal als Bedrohung für die öffentliche Sicherheit.

"Gesetz der Liebe"

Die laufenden Verhandlungen über Einwanderungsreformen werden durch den Wirbel um die "Drecksloch-Länder" schwer belastet. In den Gesprächen steht viel auf dem Spiel - vordringlich das Schicksal der "Dreamers" (Träumer), also jener rund 700.000 jungen Einwanderer, die als Kinder illegal ins Land kamen. Auch geht es um Neuregelungen beim Familiennachzug und der Vergabe von Green Cards, also der dauerhaften Aufenthaltsgenehmigungen - sowie um Gelder für Trumps Prestigeprojekt einer Mauer an der Grenze zu Mexiko.

Zu Wochenbeginn war Trump in diesen Verhandlungen noch anders aufgetreten und hatte Hoffnungen auf eine parteiübergreifende Lösung genährt. In einer live im Fernsehen übertragenen Sitzung mit Parlamentariern präsentierte sich der Präsident am Montag ruhig und kompromissbereit. Trump säuselte von einem "Gesetz der Liebe", das die "Dreamers" beschützen solle. Und er zeigte sich gar offen für eine umfassende Einwanderungsreform, die über die "Träumer" hinaus auch vielen anderen "Illegalen" zum dauerhaften Aufenthaltsrecht verhelfen würde. Der milde Auftritt vermochte den Eindruck zu erwecken, als schwenke der Präsident auf einen gemäßigteren Kurs ein - zumal er mit der Demontage des rechtsnationalistischen Trump-Flüsterers Steve Bannon zusammenfiel, der seinen Chefposten beim Portal "Breitbart" verlor.

Moderates Auftreten von kurzer Dauer

Allerdings hat es Richtungswechsel hin zu moderateren Positionen bei Trump im ersten Jahr immer wieder mal gegeben - sie waren stets von nur kurzer Dauer. Auch diesmal kam schnell wieder der radikale Trump zum Vorschein, den viele für den wahren Trump halten. Nun sei "zu 100 Prozent" klar, "dass der Präsident ein Rassist ist, der die von unserer Verfassung garantierten Werte nicht teilt", befand etwa der Oppositionsabgeordnete Luis Gutierrez.

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