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Freiheit - was bedeutet das?

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ZDF-Dokumentation - Freiheit - was bedeutet das?

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Freiheit, ein Begriff geprägt von Emotion und Erinnerung. 70 Jahre nach der Grundgesetz-Einführung und 30 Jahre nach dem Mauerfall ist er aktueller denn je. Für was steht er heute?

Jochen Breyer und Matthias P.
Matthias Prenzel (2.v.l.) hat eine Banklehre absolviert und Wirtschaft studiert, aber bald gespürt, dass das nicht sein Leben ist. Er ist ausgestiegen und lebt in einem Van. "Für mich ist es Freiheit, dass ich einfach flexibel bin", erzählt er Jochen Breyer (3.v.l.).
Quelle: ZDF/Tim Gorbauch

Für Matthias Prenzel bedeutet Freiheit, "Nein" zu sagen. Nein zu Anzug, Büro und Stress. Nach erfolgreich abgeschlossener Banklehre und anschließendem Wirtschaftsstudium spürt er, dass dies nicht sein Leben ist, und steigt aus. Er entscheidet sich gegen seine Wohnung und für einen selbst-umgebauten Van in dem er lebt. "Für mich ist es Freiheit, dass ich einfach flexibel bin, dass ich heute die Türen aufmache und ich stehe im Grünen."

Für mich ist es Freiheit, dass ich einfach flexibel bin, dass ich heute die Türen aufmache und ich stehe im Grünen.
Matthias Prenzel

Sorgen macht sich Prenzel, der von wenigen Hundert Euro im Monat lebt und zweimal die Woche in einer veganen Pizzeria arbeitet, nicht. Im Gegenteil: Vielmehr stellt er fest, dass Sicherheiten keine Garantie für ein sorgenfreies Leben sind. Ganz bewusst wählt er daher den Ansatz mit wenigen materiellen Besitztümern minimalistisch und auf kleinem Raum zu leben: "Das heißt, für mich ist eher Freiheit, dass ich wenig brauche und dementsprechend auch wenig habe."

Beschnittene Freiheit in der DDR

Prenzels Zuhause ist sein umgebauter Van, für ihn gleichzeitig Wohnzimmer, Aufenthaltsraum und Schlafgemach. Um ihn herum nur der Wald, die Natur und die Sonne, nach der er seine Behausung richten kann. Matthias Prenzel lebt seine Freiheit. Auch, weil es heute - 70 Jahre nach Verkündigung des Grundgesetzes und 30 Jahre nach der Wiedervereinigung - die Möglichkeiten dieser individuellen Freiheiten gibt.

Jochen Breyer (l.) und Jürgen Kran
Jürgen Krahn (r.) erläutert Jochen Breyer (l.), was er unter Freiheit versteht.
Quelle: ZDF/Tim Gorbauch

Auch Jürgen Krahn hat eine klare Vorstellung von Freiheit. Der 72-Jährige saß 1972 wegen "staatsfeindlicher Hetze" zwei Jahre in der DDR im Gefängnis, bis er schließlich 1974 von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft wurde. Damals hat er vom heute bestehenden Recht der Meinungsfreiheit Gebrauch gemacht und regimekritische Kurzgeschichten in den Westen geschickt.

Zeitzeuge aus Erinnerung - und Genugtuung

Sie verlieren völlig Ihre Menschenwürde. Und das wirkt später noch nach.
Jürgen Krahn

Krahn, der von der Straße inhaftiert und von seiner Frau und den gemeinsamen drei Kindern getrennt wurde, beschreibt die Zustände im DDR-Gefängnis als unzumutbar: "Das Schlimmste, was die einem hier angetan haben, ist: Die nehmen Ihnen Ihre Würde. Einmal hab ich mich hingeschmissen und den Vernehmer angefleht. Sie verlieren völlig Ihre Menschenwürde. Und das wirkt später noch nach." Dreimal in der Woche konnten die Inhaftierten nach draußen – in den Himmel sehen und die Bäume beobachten. Eine halbe Stunde Freiheit.

Heute lebt Krahn in Leverkusen. Als Zeitzeuge kehrt er immer wieder an den historischen Ort zurück und gibt Führungen durch das ehemalige Stasi-Gefängnis, auch durch seine eigene Zelle. Zum einen, um daran zu erinnern, was Diktaturen ausrichten, wie sie die Freiheit beschränken. Zum anderen aus Genugtuung: "Stellen Sie sich vor, das hätte ich meinen Wachhabenden erzählt: 'Später werde ich hier mal lang laufen'. Das kann man sich gar nicht vorstellen. Das ist schon was Tolles. Frei".

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