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Üppige Dividenden - Geldregen - aber kaum für deutsche Sparer

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Aktionäre dürfen sich freuen: Die 600 börsennotierten Unternehmen in Deutschland zahlen fast 53 Milliarden Euro an Dividenden aus. Der Haken: Nicht alle haben Grund zur Freude.

Illustration: Fliegende Banknoten
Aktionäre dürfen sich auf einen Geldregen freuen.
Quelle: colourbox.de

Das Gros der Ausschüttungen entfällt mit 36 Milliarden Euro auf die 30 Firmen, die im Deutschen Aktienindex notiert sind. Das zeigt die jährlich erhobene Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) der privaten FOM Hochschule in Essen und der Research-Plattform Dividendenadel.

Von den DAX-Unternehmen liegt Daimler an der Spitze mit 3,9 Milliarden Euro, gefolgt vom Versicherungskonzern Allianz mit 3,5 Milliarden Euro und Siemens mit 3,1 Milliarden Euro. Am stärksten, nämlich um 92 Prozent, erhöhte Volkswagen die Dividende. DAX-Neuling Covestro zahlte 63 Prozent mehr, bei Lufthansa lag das Plus bei 60 Prozent.

Spitzenreiter bei Dividenden
DAX-Unternehmen Dividendenzahlung
Daimler 3,9 Milliarden Euro
Allianz 3,5 Milliarden Euro
Siemens 3,1 Milliarden Euro

15 Unternehmen stockten die Ausschüttungen zweistellig auf. Aber: Fünf der 30 DAX-Konzerne haben die Ausschüttung nicht verändert. Die Deutsche Bank hat ihre ohnehin schon geringe Dividende von 19 Cent nochmals gekürzt auf mickrige elf Cent je Aktie. Und die Commerzbank lässt ihre Aktionäre auch für 2017 wieder leer ausgehen.

Kritik an Banken und Beiersdorf

Dass es gerade die Banken sind, die die rote Laterne im DAX tragen, wundert Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der DSW nicht. Ihr Geschäftsmodell stimme nicht. Doch nur dann könne man mit einer guten Dividende rechnen. Was die Aktionäre erwarteten, sei, dass die Banken endlich ein vernünftiges Geschäftsmodell entwickelten.

Stärkste Dividendenerhöhung
DAX-Unternehmen Anstieg
Volkswagen 92 Prozent
Covestro 63 Prozent
Lufthansa 60 Prozent

Kritikwürdig sei auch das Verhalten des Kosmetikkonzerns Beiersdorf, meint Christian Röhl von der Researchplattform Dividendenadel. Beiersdorf zahlt zum zehnten Mal hintereinander eine konstante Dividende. Die Anteilseigner würden am geschäftlichen Erfolg des Hamburger Konzerns nicht beteiligt werden, sagt Röhl.

Das gilt jedoch auch generell. Angemessen wäre eine Quote von 50 Prozent der Gewinne, das fordert die DSW seit Jahren. Stattdessen müssen sie sich mit etwa 35 Prozent bescheiden.

Nur 30 Prozent der Ausschüttungen an Deutsche

88 Prozent der 160 Firmen, die in den vier Aktienindizes notiert sind (die großen im DAX, die 50 mittelgroßen im MDax, die kleinen im SDax beziehungsweise im Technologie-Index TecDax), zahlen Dividende, das sind 12 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Die übrigen aber tun sich sehr schwer mit Ausschüttungen.

Und: Von den großen Unternehmen ist in diesem Jahr zwar ein wahrer Dividendenregen zu erwarten. Doch der geht vor allem ins Ausland. Nur etwa 30 Prozent der Ausschüttungen kommt deutschen Aktionären zu. Denn die sind trotz der niedrigen Zinsen immer noch zu wenig am Aktienmarkt engagiert.

Deutsche nach wie vor zurückhaltend

"Offenbar glauben die Deutschen nicht an das eigene Schaffen", kommentiert Marc Tüngler von der DSW. Nach den Zahlen des Deutschen Aktieninstituts ist nur jeder sechste Deutsche Aktionär oder hält Anteile an Investmentfonds, das sind etwas mehr als zehn Millionen. Die Zurückhaltung der Deutschen könne sich in einigen Jahren als Altersarmut bemerkbar machen, befürchtet Tüngler, weil die meisten Sparer auf Zinsprodukte setzten.

Allerdings sollte man auch nicht den Fehler machen, die Dividende als eine Art neuen Zins zu betrachten. Zwar kann man mit der Dividende weit höhere Renditen erzielen als mit Zinsprodukten oder mit Anleihen. Das lässt sich leicht ausrechnen, indem man die Dividende durch den Aktienkurs teilt und dies mit 100 multipliziert. Doch das heißt auch: Unternehmen mit sinkenden Kursen können eine recht hohe Dividendenrendite ausweisen, während gute Firmen mit stark steigenden Kursen da schlechter aussehen. Schließlich wird die Dividende nur einmal im Jahr festgelegt. "Man muss die Gesamtbetrachtung hier anstellen, und das ist eben Kurs plus Dividende", sagt Tüngler.

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