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Fahrdienst nimmt Kurs auf Börse - Uber vielleicht überbewertet?

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Der Fahrdienst Uber will an die Börse. Es dürfte einer der größten Börsengänge jemals werden. Nur: Das Unternehmen schreibt Verluste - und das könnte noch lange so weitergehen.

Uber darf seine Dienste künftig nicht mehr in Israel anbieten.
Der Fahrdienstleister und Taxi-Konkurrent Uber will an die New Yorker Börse.
Quelle: Eric Risberg/AP/dpa

Der Fahrdienstleister Uber hat nun den offiziellen Schritt gemacht: Er will den Sprung an die New Yorker Börse machen. In Aussicht steht damit einer der größten Börsengänge der Geschichte. Denn Experten taxieren das Unternehmen auf einen Wert von rund 100 Milliarden US-Dollar.

Beipackzettel warnt vor Risiken und Nebenwirkungen

Das ist nicht verwunderlich wenn man bedenkt, dass es erst vor wenigen Tagen der ungleich kleinere Konkurrent Lyft erfolgreich auf das Börsenparkett geschafft hatte. Der Kurs schoss zum Börsendebüt deutlich nach oben, das Unternehmen brachte es am ersten Tag seiner Börsenkarriere damit zeitweise auf einen Wert von fast 30 Milliarden Dollar.

Allerdings ist dieser Hype inzwischen Ernüchterung gewichen: Seither ist die Lyft-Aktie in New York um rund 30 Prozent in den Keller gerauscht. Ähnliches könnte auch im Fall Uber passieren. Denn verwundert reibt man sich die Augen, wenn man sich den Börsenprospekt von Uber anschaut. Das ist eine Art Beipackzettel für den Börsengang, der vor Risiken und Nebenwirkungen warnt.

"Bewertung phantastisch hoch"

Dort nämlich ist zu lesen, dass Uber lange Zeit nicht profitabel sein wird. Es könne sogar sein, dass das Unternehmen niemals Gewinne schreiben wird. Der langjährige Aktienhändler der Baader Bank, Stefan Scharfetter sagt: "Als ich das gelesen habe, fand ich das eine ziemlich mutige Aussage für solch einen großen Börsengang".

Ähnlich sieht das der Fondsmanager Henrik Leber von der Fondsgesellschaft Acatis. "Die Bewertung ist natürlich fantastisch hoch - rund 100 Milliarden Dollar für ein Unternehmen, das große Verluste macht. Das ist schon  stolz". In der Tat ist vor allem die Expansion rund um den Globus ein wohl noch für einige Zeit kostspieliges Unterfangen.

Um global expandieren zu können, subventioniert Uber unter dem Strich jede Fahrt, die es vermittelt. So entstehen bislang fast in jedem Quartal Verluste. Mittlerweile ist Uber in Deutschland und rund 60 anderen Ländern aktiv.

Starkes Wachstum in der Vergangenheit

Das Geschäftsmodell von Uber ist es, Fahrten mit privaten PKW zu vermitteln. Dabei arbeiten viele der Fahrer in der Hauptsache für Uber, wahlweise in Kombination auch für den Konkurrenten Lyft, der bisher nur in den USA und Kanada seine Dienste anbietet. Die Fahrer stellen ihre Autos selbst zur Verfügung und arbeiten selbstständig, im Wortsinne auf eigene Kosten. Zudem müssen sie für den Vermittlungsdienst von Lyft oder Uber pro Fahrt rund 27 Prozent Provision bezahlen. Diese Art von Fahrdienstleistern machen herkömmlichen Taxen Konkurrenz. Denn Fahrten mit Uber oder Lyft sind gewöhnlich billiger als ein Taxi.

Was den Wert oder die Anziehungskraft des Unternehmens für Investoren wohl in erster Linie ausmacht, ist das starke Wachstum in den vergangenen Jahren - und die Position als globaler Marktführer in diesem Bereich. Im vergangenen Jahr stieg der Gesamtumsatz des Konzerns um über 40 Prozent. Im Fahrdienst-Geschäft allerdings haben die Umsätze in den letzten drei Quartalen stagniert. Im Jahresergebnis vor Zinsen verbuchte Uber im vergangenen Jahr einen Verlust von 1,85 Milliarden US-Dollar.

Warnungen dienen der Absicherung

Uber betreibt neben der Vermittlung von Taxifahrten auch ein Geschäft mit Essenslieferungen, die Frachtvermittlung für Lastwagen-Fahrer und einen E-Bike-Service. Das Unternehmen steckt aber auch viel Geld in die Entwicklung selbstfahrender Autos oder die Zukunftsvision von Flugtaxis.

Uber vermittelt ab sofort Fahrten in Köln.
Über die App des Unternehmens wurden Im Schlussquartal des vergangenen Jahres 1,5 Milliarden Fahrten gebucht.
Quelle: Oliver Berg/dpa

Durch die Uber-App wurden im Schlussquartal des vergangenen Jahres 1,5 Milliarden Fahrten gebucht, auf der Plattform waren 3,9 Millionen Fahrer aktiv. Auch diese Zahlen versprechen eine verheißungsvolle Zukunft. Mit der Warnung im Beipackzettel passen diese Hoffnungen allerdings schwer zusammen. Immerhin aber gibt es eine Erklärung für die Risiko-Warnung, denn die ist mittlerweile in den Börsenprospekten in den USA üblich.

Auf vergleichbare Art gewarnt hatten etwa auch Twitter, Snap und der Uber-Konkurrent Lyft. "Das dient eben der Absicherung, dass Aktionäre hinterher nicht klagen können, wenn das Unternehmen auch nach langer Zeit kein profitables und funktionierendes Geschäftsmodell auf die Beine stellt", sagt Stefan Scharfetter.

Hoffnung von Investoren

Vermutlich auch auf Grund des aufkommenden konjunkturellen Gegenwindes will Uber noch schnell an der Börse landen. Denn wenn die Konjunktur sich weiter eintrübt, verschlechtern sich auch die Börsenaussichten und damit die Bedingungen für einen Börsengang. Die Hoffnung von Investoren aber wird natürlich sein, dass Uber als dominierender Spieler weltweit eine Milliardenschaar von Kunden bedient und das dann auch zu barer Münze machen kann.

Ein anderer Teil von Investoren wird den Börsengang für eine simple Spekulation nutzen. Selbst wenn lange keine Gewinne in Aussicht stehen und es auch das Risiko gibt, dass Uber es nie in die Gewinnzone schaffen wird, kann eine solche Aktie im Kurs deutlich steigen.  Und dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man jemanden findet, der sie einem zum höheren Kurs dann auch wieder abnimmt.           

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