Sie sind hier:

Sprachkritische Jury - "Alternative Fakten" ist Unwort des Jahres

Datum:

Das Unwort des Jahres 2017 lautet "Alternative Fakten". Das hat die sprachkritische Jury der TU Darmstadt verkündet.

"Unwort des Jahres" steht geschrieben auf einer Leinwand
Der Ausdruck "alternative Fakten" als Begriff für den Versuch, Falschbehauptungen in der öffentlichen Debatte salonfähig zu machen, ist das Unwort des Jahres 2017. Quelle: dpa

"Alternative Fakten" lautet das Unwort des Jahres 2017. Die Bezeichnung sei "der verschleiernde und irreführende Ausdruck für den Versuch, Falschbehauptungen als legitimes Mittel der öffentlichen Auseinandersetzung salonfähig zu machen", erklärte die sprachkritische Jury in Darmstadt. Geprägt hat den Ausdruck eine Beraterin von US-Präsident Donald Trump. "Alternative Fakten" sei auch in Deutschland zum Sinnbild für besorgniserregende Tendenzen im öffentlichen Sprachgebrauch geworden, so die Jury.

Die Juroren rügten zudem den Begriff "Shuttle Service" im Zusammenhang mit Seenotrettungseinsätzen von Nichtregierungsorganisationen im Mittelmeer für Menschen, die in Schlauchbooten flüchten. Außerdem prangerten die Sprachwissenschaftler die Formulierung "Genderwahn" an. Mit diesem Ausdruck würden in konservativen bis rechtspopulistischen Kreisen zunehmend Bemühungen um Geschlechtergerechtigkeit in undifferenzierter Weise diffamiert.

684 eingereichte Vorschläge

Vor einem Jahr hatte die Jury den Begriff "Volksverräter" zum Unwort des Jahres gekürt. Dieses Mal wurden Begriffe wie "Fake News" für vorgetäuschte oder falsche Nachrichten sowie "Atmender Deckel" aus der Diskussion über die Begrenzung der Flüchtlingszahlen mehrfach an die Jury eingesendet.

Von den 684 eingereichten unterschiedlichen Vorschläge hätten nur etwa 80 bis 90 den Kriterien der sprachkritischen Aktion entsprochen, sagte die Sprecherin der Jury, Nina Janich, aus Darmstadt. Aus diesen Vorschlägen habe die sechsköpfige Fach-Jury knapp 20 Wörter ausgewählt und diskutiert. "Softewareupdate", "Bio-Deutsche" und "Babycaust" waren auch unter den Vorschlägen.

Besonders häufig vorgeschlagen: "Babycaust"

"Babycaust" ist der am häufigsten vorgeschlagene Begriff. Die Häufigkeit trägt aber nicht zur Entscheidung bei. Eingereicht hatte ihn die Gießener Ärztin Kristina Hänel, die vor kurzem wegen unerlaubter Werbung für Schwangerschaftsabbrüche zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Sie werde auf einer Website desselben Namens "diffamiert, verleumdet und angeprangert", teilte sie über ihr Unterstützungskomitee mit. Der Begriff "Babycaust" sei wegen seiner Ähnlichkeit zum Begriff "Holocaust", der für den Massenmord der Nazis an den Juden steht, "verschleiernd und irreführend".

Zum "Unwort des Jahres" wird seit 1991 jedes Jahr ein Begriff gekürt, der gegen das "Prinzip der Menschenwürde" oder gegen "Prinzipien der Demokratie" verstößt, weil er gesellschaftliche Gruppen diskriminiere oder "euphemistisch, verschleiernd oder gar irreführend" sei.

Ziel der sprachkritischen Aktion ist es, auf öffentliche Formen des Sprachgebrauchs aufmerksam zu machen und dadurch das Bewusstsein und die Sensibilität für Sprache zu fördern. Die Jury wählt Formulierungen aus der öffentlichen Kommunikation, die gegen sachliche Angemessenheit oder die Humanität verstoßen. Die Wörter sollen zudem eine "gewisse Aktualität" haben und der Kontext, in denen sie gefallen sind, muss belegt sein.

Die "Unwörter" vergangener Jahre

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.