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Uranabbau am Grand Canyon - "America First" auf Kosten der Ureinwohner?

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Amerika will von Uran-Importen unabhängiger werden. Deshalb wird der Abbau im eigenen Land wieder kräftig angekurbelt – ausgerechnet in der Nähe des Grand Canyon in Arizona.

Havasupai am Grand Canyon
Havasupai am Grand Canyon Quelle: Leyendecker/Docuvista

Die Havasupai haben Angst. Der kleine Indianerstamm wohnt im Dorf Supai, in einem Seitenarm des Grand Canyon, fernab vom großen Trubel. Es kann nur zu Fuß erreicht werden und lebt von wanderfreudigen Touristen, die die malerischen Wasserfälle besuchen und auf einem Campingplatz übernachten. Dass nur wenige Kilometer entfernt bald eine Uranmine in Betrieb gehen soll, macht die Havasupai wütend.

Trinkwasser verseucht?

Havasupai beim traditionellen Tanz
Havasupai beim traditionellen Tanz Quelle: Leyendecker/Docuvista

"Es scheint, die Geschichte wiederholt sich", schimpft Matthew Putesoy, Ratsmitglied der Havasupai. "Wir amerikanischen Ureinwohner werden entwürdigt und ausgenutzt." Er und die anderen fürchten, dass die Mine ihr Trinkwasser verseuchen könnte und ihnen damit die Lebensgrundlage entzieht. Zusammen mit Umweltschutzorganisation hat der kleine Stamm gegen den Betrieb der Mine geklagt - allerdings ohne Erfolg. Die "Canyon Mine" soll wie geplant 2019 mit dem Abbau beginnen.

Dass die USA Jahrzehnte nach dem Ende des Kalten Krieges wieder verstärkt im eigenen Land Uran abbauen wollen, hat einen guten Grund: Im Moment werden dort gerade mal 940 Tonnen im Jahr produziert. Angesichts der jährlich mehr als 18.000 verbrauchten Tonnen - fast ein Drittel der weltweiten Produktion - ein Tropfen auf den heißen Stein. Die USA müssen importieren. Früher kam das Uran fast ausschließlich aus Kanada und Australien. Da dort aber die Produktion heruntergefahren wird, werden die USA zunehmend abhängig von Russland, Kasachstan und Usbekistan. Aus diesen Ländern kamen 2016 schon rund 40 Prozent aller Uran-Einfuhren. Für die US-Regierung geht das gar nicht.

Angst um "nationale Sicherheit"

Im Juli teilte die Trump-Administration mit, sie werde nun sogar Einfuhrzölle prüfen, um den heimischen Bergbau zu "schützen". Es sei zu klären, ob die Importe "die nationale Sicherheit einzuschränken" bedrohten. Beantragt hatten die Untersuchung zwei Firmen, darunter Energy Fuels, der Betreiber der "Canyon Mine". Er spekuliert offen auf höhere Uran-Preise. Derzeit sind sie zu niedrig für einen wirklich rentablen Abbau in den USA.

"Es ist eine absolut gute Idee, Uran in den USA abzubauen", findet Curtis Moore, Sprecher von Energy Fuels. Auch deshalb, weil dort die Umwelt-und Gesundheitsstandards deutlich höher seien. Von der eigenen Mine gehe jedenfalls keine Gefahr aus. Das hätten viele Behörden und Gerichte bestätigt. "Unsere Mine wird keinerlei Auswirkung auf das Grundwasser haben, auch nicht auf das der Havasupai, die etwa 30 bis 40 Meilen von der Mine entfernt leben."

Wohin fließt das Grundwasser?

Das Problem: Ganz sicher sein kann sich da offenbar niemand, weil das unterirdische Grundwassersystem noch nicht erforscht ist. “Wir wissen nicht, ob das Grundwasser aus dieser Gegend zum Grand Canyon fließt oder ins Dorf Supai“, räumt Fred Tillman von der Behörde United States Geological Survey ein. "Falls das Wasser also verseucht wird, können wir ohne weitere Untersuchungen nicht vorhersagen, wohin es sich bewegt und wann es dort ankommt." 

Über einen Schacht nahe der "Canyon Mine" kann zwar das Grundwasser überwacht werden. Der ist allerdings nur rund 400 Meter tief. Für eine wirklich aussagekräftige Überwachung reiche das nicht, kritisieren Umweltschützer. "Die Betreiberfirma sagt: Wir haben keinen Beweis, dass Wasser verunreinigt wird. Deshalb können wir doch loslegen", sagt Alycin Gitlin vom Sierra Club.

Hohe Krebsrate bei Navajo

Strahlungs-Warnschild im Uran-Abbaugebiet in Arizona
Noch immer sind in Arizona die strahlenden Altlastend es Kalten Krieges nicht beseitigt Quelle: Leyendecker/Docuvista

Bei den Havasupai und anderen Stämmen in der Region wie den Navajo sitzt die Abneigung gegen den Uranabbau ohnehin tief. In den Zeiten des Kalten Krieges haben viele Ureinwohner in den unzähligen Minen gearbeitet. Über den Schutz ihrer Gesundheit hat sich damals niemand ernsthaft Gedanken gemacht. Viele Navajo haben das mit ihrem Leben bezahlt. Die Krebsrate ist hoch. "Mein Tumor war so groß wie eine Grapefruit", sagt Cecilia Joe. Als Kind hat sie in einer Mine das Uranerz mit bloßen Händen auf Pferde geladen. "Ich will nicht, dass es anderen auch so geht."

Sie und die anderen Aktivisten verschiedener Stämme werden deshalb weiter gegen die Mine kämpfen – mit Protesten, Straßenblockaden und Gebeten an die Ahnen. Dafür ist bei den Havasupai Medizinfrau Dianna Uqualla zuständig. Der Grand Canyon ist für sie weit mehr als nur eine Heimat.  "Wenn du ihn erblickst, dann begreifst du, dass du bescheiden sein musst. Der Grand Canyon sagt dir: Du bist nur ein winziges Puzzleteil auf dieser Welt." Deshalb, so Dianna Uqualla,  sollte er bewahrt werden, damit ihn weiter Menschen aus der ganzen Welt besuchen können.

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