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Urban Nation Museum in Berlin - Straßenkunst im Museum

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Wilde, bunte Straßenkunst hat in Berlin jetzt ein Museum. Das "Urban Nation Museum" im Stadtteil Schöneberg soll auch dem breiten Publikum einen Einblick in die Vielfalt der Szene geben. In der Eröffnungsausstellung sind Werke von rund 150 Street-Art-Künstlern aus aller Welt zu sehen.

150 Veranstaltungen und 50 neue Ausstellungen zeitgenössischer Kunst: Das ist die 6. Berlin Art Week. Bis Sonntag kann diese u. a. im Berliner Ausstellungstempel Me.Collectors, der Berlinischen Galerie und im Urban Nation Museum in Schöneberg genossen …

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Bunt umhäkelte Straßenlaternen, mit Herbstlaub befüllte U-Bahnen, meterhohe Graffiti an Häuserwänden: Berlin gilt als unbegrenzte Bühne für Street Art. Neben mitunter irritierenden Werken finden sich oft wahre Kunstwerke im öffentlichen Raum, auf Straßen, Hochhäusern und anderen großen Flächen. Nun wird der wilden, oft anarchischen Straßenkunst in der Bundeshauptstadt ein eigenes Museum gewidmet.

Viele große Namen der Szene

Jetzt wurde in Berlin-Schöneberg das "Urban Nation Museum for Urban Contemporary Art" eröffnet. Der sperrige Name will ein Dilemma auflösen - denn Straßenkunst und feste Museumswände sind eigentlich ein Widerspruch. Doch "Urban Art ist die Fortsetzung von Street Art in Innenräumen", erklärt die Künstlerische Direktorin Yasha Young die Logik des neuen Hauses.

In dem Museum werden in der Eröffnungsausstellung Werke von rund 150 Street-Art-Künstlern aus aller Welt präsentiert. Darunter sind zahlreiche große Namen der Szene. Etwa das deutsche Duo Herakut, das sich mit Riesen-Graffiti und politischen Botschaften international einen Namen gemacht hat. Das Künstler-Duo, bestehend aus der in Frankfurt am Main geborenen Jasmin Siddiquis und ihrem Partner Falk Lehmann, hat Häuserwände in Sao Paulo, Manila oder Shanghai gestaltet, ebenso tragen Mauern eines Flüchtlingscamps in Jordanien oder einer Asylunterkunft in Potsdam ihre Handschrift.

Auch in Berlin haben sich Herakut schon verewigt: An die Wand eines zehngeschossigen schmucklosen Plattenbaus im Prenzlauer Berg sprühten sie ein gigantisches Porträt einer jungen Mutter, ein Kind auf den nackten Schultern liegend, ein zweites Kind streichelnd im Arm haltend. Dazu der Spruch von Martin Luther: "Wenn ich wüsste, dass die Welt morgen untergeht, würde ich heute einen Apfelbaum pflanzen."

Nicht nur politische Werke

Für das "Urban Nation Museum" fertigten Herakut ein Bild von zwei Flüchtlingsfrauen an. Beide tragen orangefarbene Schwimmwesten und Perlenkronen. "Queen of the Sea" heißt das Werk. Es ist mit eineinhalb Metern nicht besonders hoch. Eindringlich jedoch ist der Blick der beiden Flüchtlingsfrauen, dem sich der Betrachter schwer entziehen kann.

Im neuen Street-Art-Museum werden allerdings nicht nur politische Werke zu sehen sein. Das Haus will vor allem einen Überblick geben über die Geschichte der Kunstart, verschiedene Stile, Traditionen, Techniken und neue Trends, wie Young erklärt. Geplant seien auch Workshops, Vorträge und eine Bibliothek. Berührungsängste sollen abgebaut werden, das Museum richtet sich nicht nur an Szenekenner, sondern vor allem an ein breites, interessiertes Publikum.

Immer in Bewegung

Und wie Street Art selbst soll das Haus immer auch in Bewegung bleiben: Die ausgestellten Werke werden nicht dauerhaft an den Wänden hängen, sondern nach einiger Zeit durch neue Werke ausgetauscht. Viele Kunstwerke sollen aber fotografiert und für ein Archiv dokumentiert werden.

Zudem will das Haus regelmäßig zehn Gastkünstlern eine vorübergehende Heimat bieten. Zehn sogenannte "Residenzen" sind ab 2018 geplant. In regelmäßigen "Open Studios" sollen Besucher den Künstlern bei der Arbeit zuschauen können, wie Young betont. Nach einiger Zeit wird dann eine neue Künstler-Generation in dem Museum ihr Schaffen präsentieren. Selbst die Museumsfassade an einem Gründerzeitbau wird sich gelegentlich wandeln und immer wieder mit neuen Wandgemälden, sogenannten Murals, bespielt werden. "Das ganze Haus ist ein Prozess. Es wächst peu à peu wie ein Baum", sagt Young.

"Berlin ist immer noch wild"

Nach den Willen der Macher soll das "Urban Nation Museum" so international einzigartig werden. Die 44-jährige Young, die selbst Jahrzehnte lang in New York und London gelebt hat, ist überzeugt, dass gerade die deutsche Hauptstadt der richtige Ort für das neue
Museum ist: "Berlin ist immer noch wild. Es gibt immer noch Möglichkeiten zur Veränderung. Die Stadt hinterfragt sich permanent und ist immer noch auf der Suche nach sich selbst", sagt Young. Das seien beste Voraussetzungen für die Künstler.

Dennoch sei die Szene global unterwegs: "Auf der ganzen Welt gibt es keinen Ort, wo es keine Street Art gibt", betont Young. Zudem gebe es Querverbindungen zu anderen Szenen etwa zur Musik- oder zur Skateboardszene. Auch das soll in dem neuen Museum spürbar sein.

Klar ist für Young, dass Street Art auch immer Bezüge zu Aktuellem haben wird: "Kunst ist ein Spiegel der Welt", sagt sie. Nur wenn gegenwärtige Entwicklungen wahrgenommen werden, sei Kunst lebendig und authentisch. "Es geht immer darum, wach zu sein", sagt die Museumsleiterin.

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