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Flucht aus Guinea - Die Söhne gehen, die Eltern verzweifeln

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Was sind die Ursachen von Migration und Flucht über das Mittelmeer? Mamou in Guinea ist ein Drehkreuz für Flüchtlinge. Ihre Familien bleiben zurück - perspektivlos, oft in Trauer.

Viele junge Menschen in Guinea sehen keine Perspektive in ihrem Land und wollen nach Europa flüchten. Die EU versucht, Fluchtursachen mit einem 100-Millionen-Euro-Paket aus dem Afrika-Treuhandfonds zu bekämpfen.

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Es regnet in Strömen an diesem Nachmittag in Mamou, einer Kleinstadt im westafrikanischen Guinea. Das hält die Spieler der Fußballmannschaft von "Club Olympique de Mamou" aber nicht davon ab, sich leidenschaftlich auf den Ball zu stürzen, und das obwohl viele hier noch nicht einmal richtige Fußballschuhe besitzen. Eine solche Schlammschlacht ist nicht ungefährlich für die Knochen.

Fußball Mannschaft aus Mamou, Guinea
Trotz Regens: Die Jugendlichen lieben ihren Fußball.
Quelle: ZDF

Und doch ist sie für die meisten Spieler der Stadt eine willkommene Ablenkung vom tristen Alltag. Die Mannschaft müsse den Weggang vieler guter Spieler kompensieren, erzählt Trainer Shahima Sylla. Denn viele haben Mamou verlassen, um in Deutschland, Frankreich, Spanien oder Italien ihr Glück zu versuchen. Und auch die, die noch da sind, wollen eigentlich weg, so wie Mohammed Lamin Fadigal: "Es gibt keine Arbeit. Mein Traum ist es, fortzugehen und woanders Geld zu verdienen, es gibt keine Unterstützung in diesem Land. Ich gehe definitiv."

Viele Familien von Migration betroffen

Mamou hat einige Zehntausend Bewohner und liegt an eben jener Straße, die in Richtung Mali führt, von wo aus es oftmals weiter geht bis nach Niger, dann Libyen und Europa. Es gibt viele Familien in Mamou, die von der Migration betroffen ist, erzählen sie uns. Bilder von gekenterten Schiffen und ertrunkenen jungen Menschen sind hier viel mehr als eine Nachrichtenmeldung.

Die Familie von Boubacar Diallo etwa hat es mit voller Wucht getroffen. Sein ältester Sohn ist im vergangenen Jahr im Mittelmeer gestorben. Er und seine Frau gehen zwar ihrer täglichen Routine nach - er repariert alte Fernseher für etwas Geld, seine Frau kümmert sich um den Haushalt -, aber innerlich finde ihr Herz keine Ruhe, sagt Aissatou Sow.

Dass mein zweiter Sohn unterwegs ist, bringt mich um und ist mein größtes Problem. Ich will ihn nicht verlieren, so wie meinen ersten.
Boubacar Diallo, Vater

Vor einigen Wochen hat sich auch noch Diallos zweitjüngster Sohn mit 14 Jahren auf den Weg gemacht: "Dass mein zweiter Sohn unterwegs ist, bringt mich um und ist mein größtes Problem. Ich will ihn nicht verlieren, so wie meinen ersten", sagt Diallo. Boubacar Diallo ist körperlich behindert und hält sich mit der Reparatur der Fernsehgeräte finanziell über Wasser. Der Verlust des Sohnes gefährdet - neben dem Schmerz - langfristig auch das Überleben der Familie, sagt er.

EU will Rückkehrern helfen

Junge Afrikaner
Die EU hilft Afrikanern mit Projekten.
Quelle: dpa

Diallos Söhne gingen fort, weil sie keine Perspektiven hatten. Genau die versucht die Europäische Union mit dem sogenannten Afrika-Treuhandfonds in etlichen Ländern des Kontinents zu entwickeln, allein nach Guinea sollen aus diesem Topf rund 100 Millionen Euro fließen. Auch in Mamou geht es in verschiedenen Projekten vor allem darum, potentiellen Migranten aber auch Rückkehrern Möglichkeiten zu geben, in ihrem Heimatland genug Geld zu verdienen.

Der 24-jährige Mamadou Bassy ist einer der Rückkehrer. Er hat eine Odyssee durch mehrere afrikanische Länder hinter sich, musste am Ende aber doch umkehren. Tagsüber steht er auf einem Feld außerhalb von Mamou und erlernt landwirtschaftliche Grundlagen, die ihm in einigen Monaten helfen sollen, seinen Lebensunterhalt alleine zu bestreiten.

Begeistert aber wirkt er nicht gerade, vor allem, wenn er in den sozialen Medien die Nachrichten und Posts seiner Freunde sieht, die es nach Europa geschafft haben: "Ich hoffe, dass dieses Projekt mir helfen wird, wieder auf die Beine zu kommen. Ich bete zu Gott. Aber wenn das nicht funktioniert, dann wird es hier sehr schwierig für mich". Was er dann vorhat, will er nicht verraten, nur so viel: Er habe einen Plan B.

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