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Kein Kündigungsschutz für Crowdworker

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Landesarbeitsgericht urteilt - Kein Kündigungsschutz für Crowdworker

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Wer regelmäßig für eine Crowdworking-Plattform arbeitet, wird dadurch nicht zum Arbeitnehmer. Das entschied heute das Landesarbeitsgericht München.

Das Landesarbeitsgericht München hat entschieden: Wer regelmäßig für Crowdworking-Plattformen arbeitet, wird dadurch nicht zum Arbeitnehmer.

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Seine Aufträge holte er sich über das Handy – und damit führte er sie auch aus: Ein Crowdworker, der vor dem Arbeitsgericht auf Anstellung klagte. Sein Job: Fotos machen, die etwa zeigen, wie bestimmte Markenartikel in Tankstellen präsentiert  werden. Für jedes einzelne Bild gab es Geld. Monatlich kam er im Schnitt auf 1.750 Euro - bei 20 Stunden Arbeitszeit pro Woche.

Kein Arbeitsvertrag

Als es zu Unstimmigkeiten kam, erteilte ihm die Plattform keine Aufträge mehr. Daraufhin verlangte er Kündigungsschutz: Weil er ständig für die Plattform gearbeitet habe, sei er kein Freiberufler, sondern Arbeitnehmer. Außerdem habe er seine Arbeit nicht selbständig gestalten können.

Doch das Landesarbeitsgericht München folgte dieser Argumentation nicht. Der entscheidende Punkt: Crowdworker haben keinen Arbeitsvertrag, der sie zu einer bestimmten Leistung verpflichtet. Es ist ihnen überlassen, ob sie einen Auftrag annehmen oder nicht.

Ungelernte und Hochqualifizierte

Crowdworking funktioniert zum Beispiel so: Ein Auftraggeber will wissen, wie seine Produkte in einer bestimmten Supermarktkette präsentiert werden. Er bestellt 200 Fotos aus Supermärkten in ganz Deutschland bei einer Crowdworking-Plattform. Und die fragt über eine Handy-App, wer ein paar solcher Fotos machen möchte. Die Interessierten melden sich und ziehen los. Ob jemand zwei, zehn oder 20 Fotos machen will, wie weit er dafür fährt - das alles entscheidet der Crowdworker allein. Unter Druck kommt er erst in dem Moment, wo er einen Fotoauftrag annimmt: dann muss er in zwei Stunden liefern.

Crowdworker: Tagelöhner der digitalen Welt
Selbstständiges Arbeiten zuhause am Laptop: Die Regeln des traditionellen Arbeitsrechts passen nicht zur digitalen Arbeitswelt der Crowdworker.
Quelle: DPA

Crowdworker arbeiten in ganz unterschiedlichen Jobs; es gibt Ungelernte ebenso wie Hochqualifizierte. Die einen testen zuhause Glühbirnen, die anderen entwickeln am heimischen PC Handy-Apps. Manche leben davon, andere verdienen sich nur ein kleines Taschengeld nebenbei. 

Einkünfte sehr unterschiedlich

Dementsprechend unterscheiden sich die Einkünfte der etwa drei Millionen Crowdworker, die es nach Expertenschätzungen in Deutschland gibt: 40 Prozent von ihnen verdienen im Monat mehr als 4.000 Euro, ein Drittel jedoch weniger als 400. Das ergab eine Studie, die 2018 im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums erstellt wurde.

Das Problem: Die traditionellen Regeln des Arbeitsrechts passen nicht zur neuen Arbeitswelt der Click- und Crowdworker. Wer hier nur gelegentlich und nebenbei tätig wird, dabei auch noch mehrere Plattformen bedient - der fällt eindeutig in die Kategorie "Selbständiger". Aber wie verhält es sich, wenn jemand jahrelang für immer dieselbe Plattform arbeitet und damit sein Haupteinkommen erzielt? Arbeitnehmer ist er nach dem heutigen Urteil nicht. Trotzdem besteht eine Abhängigkeit von der Plattform. Er hat aber weder Kündigungsschutz noch Mindestlohngarantie, muss sich womöglich privat krankenversichern und hat keine gesetzliche Rentenversicherung. Wenn er dann kein Großverdiener ist, droht der soziale Absturz.

Neue Regeln in Vorbereitung

Die IG Metall fordert deshalb ein eigenes Arbeitsrecht für die digitale Arbeitswelt, das die Beschäftigten dort besser schützt. Nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums sind die Vorbereitungen dafür schon angelaufen. Das Ziel: neue Regeln für die Arbeitswelt von heute und morgen.  

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